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Erste Lizenz der Welt : Google liefert in Australien jetzt per Drohne

Googles Drohne bei einem Test in Australien Bild: AP

Google darf als erstes Unternehmen der Welt per Drohne liefern. Dafür hat der Digitalkonzern jetzt in Australien die Lizenz erhalten. Dagegen wartet die Deutsche Post weiter ab. Einigen Australiern treibt der Rotoren-Klang Tränen in die Augen.

          Der amerikanische Digitalkonzern Google hat die erste Lizenz der Welt erhalten, kommerzielle Güterflüge mit Drohnen zu fliegen. Seit nun eineinhalb Jahren testet Project Wing, ein Tochterunternehmen der Google-Muttergesellschaft Alphabet Inc., solche Flüge in der australischen Hauptstadt Canberra und dem benachbarten Landstädtchen Queanbeyan, das im Bundesstaat New South Wales liegt. Die am Reißbrett entstandene Stadt zeichnet sich durch lange Wegstrecken zwischen dem Zentrum und Satelliten-Stadtteilen aus – sie können für eine Fahrt in die Innenstadt und zurück durchaus 40 Minuten betragen. Der Einsatz von Drohnen dort macht also für die Lieferung von Paketen, Nahrungsmitteln, nicht-verschreibungspflichtiger Medikamenten, Golfausrüstung, Schokolade oder Kaffee Sinn.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Während innovative Unternehmen voranpreschen, erteilte die Deutsche Post DHL ihrem Drohnenprojekt zeitgleich einen Dämpfer. Auf Nachfrage von FAZ.NET erklärte eine Sprecherin: „Derzeit gibt es keine spezifischen Pläne für einen Routine-Einsatz des DHL Parcelcopters. Er bleibt zur Zeit ein reines Entwicklungsprojekt, um die Optionen dieser Liefermöglichkeit auszuprobieren, zu erkennen und abzustimmen.“

          Die Flugbehörde Casa hat Google am Dienstag grünes Licht für den Betrieb ihrer Drohnen im Tageslicht, für das Verkehrsleitsystem, das Training der Piloten und die Wartung gegeben. Die größte Sorge der Städter war der Lärm, den die Drohnen verursachen. Sie erklärten, der Klang der Rotoren haben ihnen die Tränen in die Augen getrieben.

          Bislang dürfen die Fluggeräte weder wichtige Straßen kreuzen, noch Fußgängern zu nahe kommen. Zunächst wurden hundert Häuser in drei Stadtteilen für Verbindungen zu einem Warenhaus im Stadtteil Mitchell ausgewählt, zwei weitere Stadtteile sollen bald folgen. Besteller nutzen eine App auf ihrem Mobiltelefon, um Waren per Luft-Lieferung zu bestellen.

          Ein Milliardenmarkt entsteht

          Wing arbeitete von Beginn an mit der Imbisskette Guzman y Gomez und der Drogeriekette Chemist Warehouse zusammen. Das Warenhaus hat Rolltore im Obergeschoss, von dem aus die Fluggeräte abheben. Zuvor hatte Project Wing die Drohnen über ein Jahr in einem einzigen Stadtteil mit einer Sondergenehmigung erfolgreich ausprobiert. In dieser Zeit absolvierten sie mehr als 1000 Lieferungen ohne Fehler oder Absturz.

          Wie nicht anders zu erwarten, macht Project Wing hoffnungsvolle Vorhersagen für den Drohnenverkehr in Canberra: Auf Dauer soll diese Transportart den Unternehmen bis zu 40 Millionen Dollar Kosten sparen, auch durch einen geringeren Ausstoß von Kohlendioxid als bei Lieferfahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die Auslieferung von einem guten Viertel aller Essensbestellungen könnte von Drohnen übernommen werden. Und 2030 sollten bis zu 6 Prozent aller Lieferungen in Canberra durch die Luft transportiert werden.

          Während die beiden Metropolen Dubai und Singapur derzeit unter anderem in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Volocopter darum konkurrieren, wer auf Dauer das beste urbane Drohnennetz aufbauen kann und – möglicherweise in zehn Jahren – ferngesteuerte Passagierdrohnen nutzen wird, bietet sich Australien wegen der geringen Bevölkerung für erste längere Flugstrecken im Güterverkehr an. Japan nutzt Drohnen traditionell in der Landwirtschaft, Australien zur Überwachung des Tagebaus in Mienen und von Feldern.

          Der kommerzielle Markt für Drohnen steige jährlich um durchschnittlich 34 Prozent auf ein Volumen von bis zu 12,2 Milliarden Dollar im Jahr 2021, sagt Branchenkenner Markus Scherer von Ipsos Business Consulting voraus. Derzeit liegt das Marktvolumen bei ungefähr 4 Milliarden Dollar. „Asien wird die höchste Wachstumsrate erleben und 2021 der zweitgrößte Markt hinter Amerika sein.“ Die Vereinigten Staaten werden dann für einen Marktanteil von 40 Prozent stehen, Asien für 29 Prozent und Europa für 20 Prozent. Innerhalb Asiens werde China allein knapp 50 Prozent Marktanteil halten, sagt Scherer voraus.

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