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„Rollkugel“ in Paderborn : Erste deutsche Computermaus kommt ins Museum

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Die erste Computermaus der Marke Telefunken aus den sechziger Jahren Bild: dpa

Vor etwa 50 Jahren entwickelten Forscher in Deutschland und Amerika ein Gerät, das die Computernutzung grundlegend verändern würde: die Maus. Das Grundkonzept ist bis heute ähnlich geblieben, nicht aber die Zielgruppe.

          Eine der ganz wenigen noch existierenden allerersten Computermäuse kommt 50 Jahre nach ihrer Geburtsstunde nach Nordrhein-Westfalen. Der Erfinder der europäischen PC-Maus – der langjährige Elektroingenieur Rainer Mallebrein – stellt dem Heinz-Nixdorf-Museum in Paderborn eine „Rollkugel“ aus den 1960er Jahren zur Verfügung. Am Dienstag eröffnet das Technikmuseum im Rahmen des neuen Exponats eine Ausstellung zu dem Thema. Mallebrein, der aus der Nähe von Konstanz anreist, will über seine damalige Entwicklungen, Höhen und Tiefen, berichten.

          Die charakteristische Kugel, die in frühen Mäusen verbaut war, wurde schon in den vierziger Jahren von der britischen Marine verwendet. Diese Technik entwickelte Mallebrein Mitte der sechziger Jahre für das deutsche Technologie-Unternehmen Telefunken weiter. Das Grundkonzept ist bis heute ähnlich geblieben, auch wenn Mäuse heute sehr viel ergonomischer sind als die symmetrische Halbkugel, die jetzt in Paderborn ausgestellt wird.

          „Das ist die Ur-Maus. Wir waren unserer Zeit weit voraus. Wir haben sie zwischen 1965 und 1968 entwickelt, als es noch keine Personal Computer gab, nicht einmal das Wort PC“, sagte der 85-Jährige Mallebrein am Dienstag in Paderborn. Dort überreichte der Ingenieur aus dem Raum Konstanz das Exponat als Dauerleihgabe an das nach eigenen Angaben  weltweit größte Computermuseum. Weltweit gibt es nur noch vier Exemplare davon.

          Nur 46 Exemplare wurden verkauft

          Telefunken verkaufte die Maus ab dem Jahr 1968 zusammen mit seinem damaligen Spitzencomputer TR 440. Allerdings nur 46 Mal, vor allem an Universitäten, er war bis zu 20 Millionen Mark teuer, schilderte Mallebrein. Seine Maus geriet in Vergessenheit.

          Auch in Amerika hatten Erfinder fast zur gleichen Zeit an der Computermaus-Entwicklung gearbeitet. Dort gilt der inzwischen verstorbene Douglas Engelbart als Maus-Vater. Bis die Maus sich in den achtziger Jahren kommerziell durchsetzte, war allerdings sein Patent längst abgelaufen, sodass er finanziell nie davon profitierte. Als Zubehör für einen Personal Computer wurde die Maus erstmals 1981 von der Firma Xerox verkauft.

          Doch zum Durchbruch verhalf ihr erst Steve Jobs. Unter seiner Führung kaufte Apple die Lizenz zur Herstellung der Maus von Xerox, senkte die Herstellungskosten von 300 auf 15 Dollar und brachte sie im Jahr 1983 als Teil des Apple Lisa und später auch als Teil der ersten Macintosh-Computer auf den Markt. Heute ist die einst bahnbrechende Rollkugeltechnologie von den meisten Schreibtischen verschwunden. Seit der Jahrtausendwende setzten sich zunehmend optische Mäuse mit Infrarottechnik durch.

          Inzwischen hat die Maus als Eingabegerät starke Konkurrenz bekommen. Touchscreens, Trackpads oder sogar Spracherkennung sind heute für viele Nutzer die wichtigere Schnittstelle, um mit ihren Geräten zu kommunizieren. Die Maus, einst eine Innovation, die Computer für die Massen zugänglich machte, wird zunehmend zu einem Werkzeug für professionelle Nutzer. Marktführer Logitech konzentriert sich schon seit einigen Jahren auf die Herstellung von teuren Spezialmodellen, zum Beispiel für Computerspieler, die Wert auf hohe Präzision bei der Eingabe legen.

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