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Facebooks Entwicklerkonferenz : „Die Zukunft ist privat“

Facebook-CEO Mark Zuckerberg spricht während der Entwicklerkonferenz des Unternehmens im kalifornischen San Jose. Bild: dpa

Die zahlreichen Datenaffären zwingen Mark Zuckerberg, eine neue Marschrichtung für Facebook vorzugeben. Er verspricht „fundamentale Veränderungen“ seiner Produkte – und weiß, dass er viele Zweifler hat.

          Facebook war traditionell auf möglichst offenherzige Kommunikation ausgerichtet. Das soziale Netzwerk hat seine Nutzer animiert, mitteilungsfreudig zu sein und viel von sich preiszugeben. Das half ihm, Daten zu sammeln, die sich für zielgerichtete Werbung nutzen ließen. Es trug aber auch dazu bei, dass Facebook in den vergangenen Jahren von einer ganzen Serie von Datenaffären erschüttert wurde. Im März kündigte Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg eine strategische Neuausrichtung seines Unternehmens an. Er versprach, Facebook werde bei seinen diversen Diensten künftig ein stärkeres Gewicht auf Privatsphäre legen. Er wählte das Bild des „digitalen Wohnzimmers“, um zu verdeutlichen, in welche Richtung sich die Kernseite Facebook und diverse andere zum Unternehmen gehörende Dienste wie Instagram, Messenger und Whatsapp entwickeln sollen. Also weg vom Selbstverständnis als „digitaler Marktplatz“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Diese Neuausrichtung stellte Zuckerberg am Dienstag auch in den Mittelpunkt seiner Rede auf der Entwicklerkonferenz von Facebook im kalifornischen San Jose, und er beschrieb sie in noch größerer Deutlichkeit als bislang. „Die Zukunft ist privat,“ war das Leitmotiv seines Vortrags. Für Facebook sei das ein „gewaltiges Vorhaben“, bei dem es um viel mehr gehe, als einige neue Funktion zu entwickeln. Vielmehr werde sich die ganze Art und Weise, wie das Unternehmen geführt wird und seine Produkte entwickelt, verändern. Wenn der Umbau gelinge, könnten die Dienste des Unternehmens in wenigen Jahren verglichen mit heute „fundamental anders“ sein, und Facebook könnte damit „einen wichtigen Beitrag für die Welt“ leisten.

          Freilich ist sich Zuckerberg offenbar bewusst, dass er vielen Zweiflern gegenübersteht. Er sagte, er verstehe, dass viele Menschen denken, Facebook meine es mit seiner neuen Marschrichtung nicht ernst, und er wisse, dass das Unternehmen „gelinde gesagt nicht den besten Ruf“ habe, wenn es um Privatsphäre gehe.

          „Ende-zu-Ende“-Verschlüsselung auch für Messenger

          Die wohl größte konkrete Veränderung, die Facebook am Dienstag angekündigt hat, war eine neue Version des namensgebenden Stammdienstes. Das neue Design unterscheidet sich optisch auf den ersten Blick von der bisherigen Variante, die blaue Leiste am oberen Rand wurde entfernt, Weiß dominiert den Bildschirm. Außerdem rückt die Kommunikation in Gruppen stärker in den Vordergrund. Bislang wird das Geschehen vor allem von der zentralen Nachrichtenleiste bestimmt, wo Mitglieder Einträge veröffentlichen, die üblicherweise für den ganzen Facebook-Freundeskreis zu sehen sind. Die Gruppen drehen sich oft um bestimmte Interessengebiete und sind eine beliebte Funktion. Nach Angaben des Unternehmens sind mehr als 400 Millionen Menschen Mitglied einer Facebook-Gruppe.

          Zuckerberg nannte für seine Ausrichtung auf „eine soziale Plattform mit Schwerpunkt auf Privatsphäre“ mehrere Bausteine. Etwa Verschlüsselung, wie sie heute schon bei Whatsapp praktiziert wird. Der Kurzmitteilungsdienst bietet „Ende-zu-Ende“-Verschlüsselung, dass heißt, nur der Absender und der Empfänger können Nachrichten lesen, nicht einmal das Unternehmen selbst. Dies soll künftig auch bei Facebooks anderem Kurzmitteilungsdienst Messenger so sein. Zuckerberg sprach auch einmal mehr von der wachsenden Bedeutung vergänglicher Kommunikation. Facebook liefert seinen Nutzern immer mehr Instrumente wie „Stories“-Funktionen, die sich dadurch auszeichnen, dass Inhalte nur für begrenzte Zeit zu sehen sind. Diese Funktionen werden heute von immer mehr Menschen genutzt, zu Lasten traditioneller Einträge, die dauerhaft zu sehen sind.

          Facebook kündigte am Dienstag noch eine Reihe anderer Neuerungen an. Beim Fotodienst Instagram zum Beispiel soll es möglich sein, direkt Produkte einzukaufen. Facebook stellte auch zwei neue Varianten von Computerbrillen der Tochtergesellschaft Oculus vor, die es ermöglichen, in virtuelle Welten einzutauchen, zum Beispiel bei Videospielen. Das Unternehmen kündigte außerdem an, seine im vergangenen Jahr erstmals vorgestellte Dating-Plattform, die bislang erst in fünf Ländern verfügbar ist, von sofort an in einer Reihe anderer Märkte einzuführen. Ein Start in der amerikanischen Heimat ist bis Ende des Jahres geplant, von einer Expansion in Europa ist bislang nicht die Rede. Dafür soll noch in diesem Herbst das Videotelefonie-Gerät „Portal“ nach Europa kommen.

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