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Angebot für Mitarbeiter : ENBW bestellt bis zu 14.000 Elektroautos

Vorstandschef Frank Mastiaux will 14.000 Mitarbeitern ein E-Auto zur Verfügung stellen. Bild: dpa

Der Energiekonzern sucht für das kommende Jahr einen Lieferanten für 14.000 „Motivationsfahrzeuge“. Der Elektromobilität in Deutschland würde das einen großen Schub verleihen.

          Volle Kraft voraus in Richtung E-Mobilität! Diese vielfach wiederholte Ansage des Vorstandschefs Frank Mastiaux haben die Beschäftigten des Energiekonzerns ENBW im Ohr – aber die meisten von ihnen kommen mit Bus, Bahn, Fahrrad oder einem herkömmlichen Auto zur Arbeit. Das könnte sich bald ändern: Alle Mitarbeiter der ENBW AG sollen elektrisch fahren können, lautet die Absicht der Konzernführung.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Dokumentiert ist sie in einer europaweiten Ausschreibung, über die der Energiekonzern einen Lieferanten für die „Mitarbeiter-Motivationsfahrzeuge“ sucht – es geht dabei um bis zu 14.000 Autos, lieferbar von Mai 2020 an.

          Gemessen an dem bisher immer noch winzig kleinen Elektroautomarkt in Deutschland, ist das ein riesiges Bestellvolumen. Zu Jahresbeginn waren hierzulande überhaupt erst 83.175 reine Elektroautos zugelassen, was gegenüber dem Vorjahr immerhin schon eine Steigerung um 30.000 Autos war. So gesehen, entspräche also eine Komplettbestellung für die ENBW-Mitarbeiter der Hälfte des gesamten im Jahr 2018 verkauften Volumens in Deutschland. Immerhin hat der Markt seither schon deutlich Schwung aufgenommen.

          Im ersten Halbjahr 2019 wurden weitere 37.000 Elektroautos zugelassen, also mehr als im ganzen vergangenen Jahr. Jeweils gut ein Sechstel der verkauften Autos kamen dabei von Tesla und Renault, mit deutlichem Abstand folgen als Anbieter BMW, VW, Smart und Hyundai vor Audi, Nissan und Kia. Bis nächstes Jahr wird sich das Feld der Anbieter freilich deutlich verändert haben: Immer mehr Autos in allen möglichen Preislagen sind angekündigt.

          Viele Unklarheiten und lange Lieferzeiten

          Elektroautos zu Tausenden zu bestellen ist bisher definitiv noch eine unbekannte Dimension, Beschaffungsvorgänge dieser Art sind bislang nicht öffentlich geworden. Unternehmen, die sich mit Elektromobilität beschäftigen, sind mit reichlich Unklarheiten konfrontiert, angefangen mit dem Problem der Lademöglichkeiten für solche Autos bis hin zur steuerlichen Regelung.

          Abgesehen davon, sind die Lieferzeiten für die Autos teilweise extrem lang, weil insgesamt die Nachfrage doch schneller angestiegen ist als von den Herstellern geplant. ENBW aber will den Markt bewusst weiter anheizen, um der Verbreitung der Elektromobilität Vorschub zu leisten. Auf einer anderen Ebene hat sich ENBW schon als Großinvestor im Bereich Ladesäulen-Infrastruktur hervorgetan sowie als Anbieter von Geschäftsmodellen rund um die Elektromobilität.

          Jetzt soll in Baden-Württemberg, wo der weitaus größte Teil der ENBW-Mitarbeiter tätig ist, der Markt von der Nutzerseite her offenbar deutlich angeschoben werden. In der Ausschreibung für den entsprechenden Rahmenvertrag heißt es unmissverständlich: „Die ENBW AG plant ihren Mitarbeitern (bis zu 14.000 Berechtigte im ersten Schritt) zukünftig rein vollelektrische Automobile zur privaten Nutzung zur Verfügung zu stellen, um dadurch die unternehmensstrategische Ausrichtung zu unterstützen und gleichzeitig den Mitarbeitern den Einstieg in die Elektromobilität dauerhaft und attraktiv anzubieten.“

          Nachfrage in Belegschaft unklar

          Wie attraktiv das Angebot für die Mitarbeiter sein wird, ist indes noch völlig unklar. Der Betriebsrat ist eingebunden in ein entsprechendes Projekt, ohne dass es aber bisher zu irgendwelchen Vereinbarungen gekommen wäre – noch ist schließlich nicht absehbar, welche Angebote ENBW überhaupt bekommt.

          Der Energiekonzern geht von verschiedenen Vertragsvarianten aus, von Leasing über Entgeltumwandlung bis zu Abo-Modellen. Ausdrücklich heißt es, der Preis sei nicht das einzige Zuschlagskriterium. Der Rahmenvertrag soll zunächst eine Laufzeit von drei Jahren (bis April 2023) haben und könnte um zwei Jahre verlängert werden. Die Frist für Bieter läuft noch bis Mitte September.

          Erste Erfahrungen mit Elektroautos hat ENBW schon gesammelt. So wurden im vergangenen Jahr 180 Autos des Modells BMW i3 für ein oder zwei Jahre zum Leasing angeboten, in diesem Jahr konnten 150 Mitarbeiter einen Elektro-Golf im Zuge der Gehaltsumwandlung bekommen. Die Nachfrage aus der Belegschaft war jeweils deutlich höher.

          Wie stark das Interesse letztlich ist, wenn der Energiekonzern die Elektroautos im großen Stil in der eigenen Belegschaft unterbringen will, lässt sich daraus aber kaum ableiten. „Es ist ein Versuch, wirklich allen Mitarbeitern den Einstieg in die Elektromobilität zu bieten“, heißt es auf Nachfrage von der ENBW AG ausdrücklich, und: „Sie können davon ausgehen, dass es sehr günstige Konditionen geben wird.“

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