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Einfluss auf Musik-Charts : Wie viel soll ein Stream wert sein?

Streaming-König Capital Bra Bild: dpa

Der Umsatz mit Streaming-Angeboten wächst stetig. Das freut die Musikindustrie, wirft aber Fragen über die Berechnung der Charts auf.

          Lange Zeit haben die Deutschen der CD wacker die Treue gehalten, doch 2018 war es auch hierzulande so weit: Erstmals wurde mit Streaming mehr Umsatz erzielt als mit physischen Tonträgern – das Ende einer Ära. Schon für 2021 prognostiziert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) dem Streaming einen Marktanteil von stolzen 77 Prozent. Den Tonträgern sollen noch 20 Prozent bleiben, kümmerliche 3 Prozent auf Downloads abfallen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Wende hat sich angebahnt: In den Offiziellen Deutschen Charts, die die GfK für den Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) erhebt, werden bei Singles schon seit 1. Januar 2014 Streams miteinberechnet; 2016 folgten die Album-Charts. Die Berechnung erfolgt nach einem klaren Regelwerk, der 39 Seiten langen „Systembeschreibung der Offiziellen Deutschen Charts“.

          Eine Chart-Woche geht von Freitag bis Donnerstag. Auf Platz eins steht am Ende, wer in diesem Zeitraum den meisten Umsatz generiert hat. Das ist eine deutsche Besonderheit, denn in der Regel werden Charts nach der verkauften Menge berechnet. Erfasst werden Verkäufe über die verschiedenen Absatzwege. Die Daten von mehr als 2800 Handelsgeschäften – vom Media Markt bis zum kleinen Vinyl-Laden – fließen ebenso ein wie Käufe bei Amazon, Downloads oder eben Streams.

          Chartplazierung trügt schnell

          Allerdings werden nur Produkte bis zu einem Preis von 40 Euro berücksichtigt. Das zielt auf die gerade sehr beliebte Methode ab, Alben mit allerlei Beigaben wie T-Shirts, Live-Aufnahmen oder Fotobänden aufzupeppen und als limitierte Version für 50 Euro oder mehr anzubieten. Eine nette Einnahmequelle für Künstler, für die Charts werden die Verkäufe aber nur mit 40 Euro berücksichtigt.

          Schließlich soll ja die Musik im Vordergrund stehen, lautet die Begründung der Chartsmacher. Vorbestellungen werden derweil für den ersten Verkaufstag gewertet. So lässt sich meist schon im Voraus sagen, dass etwa ein neues Rammstein-Album auf Platz eins einsteigen wird.

          Die bloße Chartplazierung kann allerdings leicht trügen, wie sich am Beispiel von manchen Castingshow-Siegern zeigt. Steht das Debütalbum in der ersten Woche noch recht gut da, rutscht es meist schnell ab, wenn die Aufmerksamkeit durch die Sendung wegbricht und die geneigten Zuschauer ihr Exemplar gekauft oder sich schlicht sattgehört haben.

          Ab 30 Sekunden wird gezählt

          Ein besserer Maßstab ist da die Verweildauer in den Charts. AnnenMayKantereit haben es etwa mit ihrem simplen, aber sehr erfolgreichen Deutsch-Pop auf 155 Wochen gebracht. Damit stand ihr Album „Alles Nix Konkretes“ genauso lange in der Rangliste wie „The Wall“ von Pink Floyd.

          Der Siegeszug des Streamings macht vieles komplizierter. Musikstücke sind deutlich länger verfügbar als früher, und zudem zahlt ein Spotify-Nutzer nicht explizit für einzelne Werke. Um die Repräsentativität der Charts weiter zu wahren, haben sich die Regelmacher an den Methoden aus Großbritannien und Schweden orientiert, wo Streaming schon länger auf dem Vormarsch ist.

          Im Absatz 3.3.6 der Systembeschreibung finden sich die Vorgaben. So werden grundsätzlich nur Abrufe von länger als 30 Sekunden für die Charts berücksichtigt. Das ist auch die Grenze, ab der Geld an die Künstler fließt. Zudem hat sich das Gremium aus Vertretern von Verbandsmitgliedern, Major und Indie-Labels sowie Vertriebsunternehmen darauf verständigt, dass nur solche Streams von all jenen Nutzern zählen, die ein kostenpflichtiges Premium-Abo beim jeweiligen Dienst besitzen.

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