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Neue Elektroauto-Ziele : Warum niemand 4000 Euro haben will

  • -Aktualisiert am

Immerhin: Die Nationale Plattform Elektromobilität bescheinigt Deutschland die „weltweit höchste Wachstumsdynamik“ bei neu zugelassenen Elektroautos – im vergangenen Jahr 117 Prozent. Und: Deutschland sei neben China der Markt mit dem größten verfügbaren Fahrzeugangebot; 33 Modelle deutscher Anbieter sind mittlerweile erhältlich. Zudem wollen die deutschen Hersteller in den kommenden drei bis vier Jahren in die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebe 40 Milliarden Euro investieren, wie der Verband der Automobilindustrie betont.

Mehr als eine Million Ladepunkte benötigt

Und wie sieht es mit den Ladesäulen aus, also der für die Verkehrswende so zwingend erforderlichen Infrastruktur? Ende des vergangenen Jahres gab es etwa 12.500 Ladepunkte in Deutschland, also Anschlüsse für Ladekabel, darunter 850 sogenannte Schnellladepunkte mit einer Leistung von mehr als 22 Kilowatt. Sie finden sich an Autobahn-Raststätten, Einkaufszentren, Parkhäusern, am Straßenrand und auf öffentlichen Parkplätzen.

Der größte Teil der Ladeinfrastruktur (85 Prozent) befindet sich allerdings im halb-öffentlichen oder privaten Bereich. Also in der Garage des Eigenheims, in Tiefgaragen von Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern oder auf unternehmenseigenen Parkplätzen. Im Ladesäulenregister des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft lassen sich die Stationen in Deutschland finden.

Die heute vorhandenen Ladestationen werden für eine Million Elektroautos längst nicht ausreichen. Die Fachleute der Nationalen Plattform Elektromobilität stellen in ihrem Bericht fest, dass für ihre Versorgung 77.000 öffentliche (darunter 7000 Schnellladepunkte) sowie eine Million private Ladepunkte notwendig sein werden.

Ein Problem dabei ist, dass die Ladesäulen noch nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. Wer sich in der Branche umhört, stellt allerdings fest: Geld ist das geringste Problem. Die Investitionen in Ladesäulen sind eine Wette auf die Zukunft, die viele bereit sind einzugehen.

Neuer einheitlicher Ladestandard

Weniger klar sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. In manchen brandenburgischen Landkreisen fragt man sich: Darf die öffentliche Hand überhaupt selbst Ladesäulen bauen? Und wenn nein, wie bekommt man private Betreiber dazu, auch die ländlichen, weniger frequentierten Regionen zu versorgen? Wer bekommt welchen Teil der Wertschöpfung? Und welche Rolle spielen beispielsweise Grundstückseigentümer, etwa die Supermarktbetreiber, deren Parkplätze zum Laden genutzt werden könnten? Auch mit Blick auf die Ladesäulen auf privatem Grund gibt es noch zahlreiche juristische Fragezeichen, etwa im Miet- und Wohnungs-Eigentumrecht.

Ein großes Problem hat sich dank der Ladesäulenverordnung immerhin nahezu erledigt: Seit dem vergangenen Jahr müssen alle neuen Ladepunkte mit dem Combined Charging System ausgestattet sein, kurz CCS. Dieser Ladestandard hat sich sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten durchgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es versehentlich „Model S“ statt „Model 3“. Das Einstiegsmodell von Tesla ist das „Model 3“. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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