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Es gibt Streit : Die verflixte Sache mit den Daten der Roboterautos

Auch viele Entwickler von BMW tüfteln an immer eigenständiger fahrenden Autos. Bild: dpa

Autohersteller und Versicherer streiten über die Informationen, die selbstfahrende Autos sammeln. Das steckt dahinter.

          2 Min.

          Noch ist das selbstfahrende Auto ist in weiter Ferne. Aber schon heute sorgt die Aufrüstung der Fahrzeuge mit immer aufwendigeren Computer-Netzwerken für einen Streit zwischen der Autoindustrie und der Assekuranz. Es geht um die Frage, wer Zugriff auf die gewaltigen Datenmengen bekommen soll, die autonom fahrende Autos während der Fahrt sammeln.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Seit einiger Zeit warnen die Versicherungsunternehmen vor einem Datenmonopol der Autohersteller. Zum Verkehrsgerichtstag in Goslar, der am heutigen Mittwoch zahlreiche Vertreter beider Branchen zusammenbringt, schlägt die Allianz nun einen neutralen „Datentreuhänder“ vor. Damit das automatisierte Fahren von der Gesellschaft akzeptiert werde, „muss immer aufklärbar sein, wer letztendlich die Verantwortung trägt“, sagte Joachim Müller, der Vorstandsvorsitzende der Allianz Versicherungs-AG.

          Durch die Bündelung der Daten bei einem neutralen Treuhänder sollen sich demnach die Interessen von Herstellern und Kunden wahren lassen. Zugleich solle die Versicherungswirtschaft die Möglichkeit zu einer möglichst reibungslosen Schadensregulierung bekommen.

          „Nach meiner Auffassung müssen die Daten in der Hand eines neutralen, unabhängigen Dritten sein, um allen Berechtigten unter den gleichen gesetzlichen Bedingungen Zugang zu diesen Daten zu ermöglichen“, sagte Müller. „Denn im Falle eines Fahrzeugverkaufs oder nach einer Zerstörung des Fahrzeuges durch einen Unfall ist nur über den Datentreuhänder eine Aufklärung im Interesse aller Beteiligten weiterhin möglich.“

          Die Datenexplosion kommt erst noch

          Die Autoindustrie lehnt es bisher ab, sich so ohne weiteres Dritten gegenüber zu öffnen. Fahrzeuge benötigten sehr viel höhere Sicherheitsstandards als Mobiltelefone oder Tablets. Der Schutz des Kunden und seiner Daten im Fahrzeug sei von besonderer Bedeutung.

          „Auf der einen Seite werden durch die voranschreitende Konnektivität von Fahrzeugen neue Anwendungen für den Kunden oder innovative Businessmodelle ermöglicht, auf der anderen Seite macht diese Entwicklung das Fahrzeug allerdings auch verwundbar gegenüber Cyberattacken“, heißt es beim Verband der Automobilindustrie, der die Autohersteller in der Rolle eines Systemadministrators sieht. Um Sicherheitsrisiken für den Kunden und die Öffentlichkeit so gering wie möglich zu halten, dürfe es keinen direkten Datenzugriff durch Dritte während der Fahrt geben.

          Bei dem jetzt ins Spiel gebrachten neutralen Datentreuhänder sollen nur die für einen Unfall relevanten Daten gespeichert werden, schlägt die Allianz vor. Andere Daten sammelt die Versicherungsindustrie derzeit ohnehin schon selbst. Ob Allianz oder HUK Coburg, immer mehr Versicherer bieten ihren Kunden sogenannte Telematik-Tarife an.

          Derartige Policen messen – meist via Smartphone – das Fahrverhalten des Kunden: Wer umsichtig fährt, erhält Vergünstigungen und die Branche argumentiert mit dem Vorteil für junge Fahranfänger, die darunter litten, dass ihre Zielgruppe besonders häufig in Unfälle verwickelt und der Versicherungsschutz für sie deshalb so teuer sei.

          Natürlich sammeln die Versicherer diese Daten nur mit der Einwilligung des Kunden. Gleichwohl verspricht sich die Branche von der Datennutzung, Risiken künftig noch besser kalkulieren zu können. Verbraucherschützer mahnen derweil den Datenschutz an und verweisen auf einen anderen, großen Vorteil für die Versicherer, der letztlich in der Vorauswahl eines risikoarmen Kundenstammes besteht. Der Telematik-Tarif ist erst der Anfang. Eine regelrechte Datenexplosion erwarten Fachleute mit dem autonomen Fahren.

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