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Edeka-Werbung : Hauptsache, Krawall

  • -Aktualisiert am

Ein Screenshot aus dem Edeka-Werbefilm Bild: F.A.Z.

Nicht alles glänzt, was überspitzt ist – das musste Edeka mit seinem Muttertagsvideo erfahren. Zum Vatertag gibt es das nächste. Das zeigt: Die Aufregung wird inzwischen einkalkuliert.

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          Mit dem einsamen Opa konnten sich noch fast alle anfreunden: Die Werbeagentur Jung von Matt hatte ihn sich ausgedacht für einen Werbefilm der Handelskette Edeka. Der ältere Herr täuschte seinen eigenen Tod vor, damit die Verwandten zur Beerdigung kommen, weil er partout nicht allein Weihnachten feiern wollte.

          Freilich gab es auch Kritik, das Unternehmen manipuliere die Gefühle der Zuschauer, aber die überwältigende Mehrheit feierte Agentur und Supermarkt für den Spot.

          Dass nicht alles glänzt, was überspitzt ist, mussten Jung von Matt und Edeka nun mit ihrer Muttertagswerbung sehen, die sogar vom Werberat gerügt wurde. Der setzt sich zwar sonst vor allem für Minderheiten ein, sah in diesem Fall aber gleich alle Männer und Frauen gegeneinander ausgespielt und diskriminiert. Unabhängig vom Urteil des Werberats zeigt aber die Zahl von 750 Beschwerden, dass die Werbung nicht so ankam wie erhofft.

          Die Fortführung mit einer Würdigung der Väter zum Vatertag und die Beteuerung von Edeka, dass auch der zweite Teil von Beginn an geplant war, zeigt deutlich, wie das Aufregerpotential heutzutage einkalkuliert wird. Dass es vor allem krawallig sein muss, um im lauten Netz gehört zu werden, ist schade.

          Allerdings hat sich auch das Kunden-Beschwerdeinstrument „Boykottaufruf“ so langsam abgenutzt. Auf Edekas Umsatz wird die Werbung wohl kaum Auswirkung haben.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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