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E-Auto von Pininfarina : Der „sozial korrekte“ Ferrari

  • Aktualisiert am

Zu schön für die Straße? Bild: obs

Pininfarina will mit seinen Luxus-Elektroautos von München aus Tesla und Ferrari Konkurrenz machen. Vielleicht sind sie aber auch zu schön für die Straße, sagt der Chef.

          Es soll ein Sportwagen für knapp zwei Millionen Euro werden, der von null auf hundert in weniger als zwei Sekunden beschleunigt – und dabei keinen Tropfen Sprit verbraucht. Ein Elektroauto, gebaut mit italienischem Design und deutschem Knowhow, das sowohl Tesla als auch Ferrari Angst einjagen soll. Das verspricht die junge Autoschmiede Automobili Pininfarina, die am Freitag in München ihr neues Hauptquartier eröffnet hat.

          Der Name Pininfarina ist den meisten Autofahrern unbekannt, in der Autowelt aber eine Legende. Ursprünglich handelt es sich dabei um einen Dienstleister für andere Autobauer wie Ferrari oder auch Peugeot. Seit 1930 entwerfen die Designer aus Turin bekannte Autos wie den Maserati Quattroporte oder den Renault Espace. 2015 wird die Firma vom indischen Milliardenkonzern Mahindra übernommen, dessen Besitzer Anand Mahindra Großes mit dem Namen Pininfarina vor hat.

          Im April verkündet Mahindra am Rande der Elektro-Rennserie Formel E in Rom den Start einer neuen Automarke. Kurz darauf enthüllt der neue Chef Michael Perschke, ein ehemaliger Audi-Manager, die Pläne für den Flitzer mit dem Arbeitsnahmen PF0. „Niemand hat bisher ein so schönes und so starkes elektrisches Auto gebaut, wie wir es planen“, sagt Perschke.

          Ein Auto fürs Museum?

          Im August stellte er das Konzept im privaten Rahmen auf einem Schönheitswettbewerb für klassische Autos im kalifornischen Pebble Beach vor. Maximal 150 Stück will Perschke davon produzieren. Reservierungen für das Millionen-Auto gebe es bereits – von Biotech-Investoren, IT-Unternehmern aus dem Silicon Valley und Autosammlern. Die Interessenten bestehen laut Perschke aus zwei Gruppen: „Die Hälfte unserer Kunden hat bereits ein von uns designtes Auto, die andere Hälfte hat bereits ein Elektroauto“.

          2020 soll der PF0 in Serie gehen. Viele seiner Autos sieht Perschke schon im Museum stehen. „Aber einige unserer Kunden meinten bereits, dass sie darin ein Auto für ihren Alltag sehen“, sagt Perschke. Denn mit seinem Flitzer zu fahren sei „sozial korrekt“ – wegen des umweltschonenden Elektroantriebs. „Mit einem V12 in die Innenstadt fahren, geht vielleicht bald nicht mehr.“

          Automobili Pininfarina gibt mit einer neuen Hauptniederlassung in München Vollgas.

          Laut Perschke befindet sich die Autobranche wegen des sich ändernden Kundengeschmacks am Scheideweg. „Auf der einen Seite gibt es die Kunden, die einfach nur von A nach B wollen“, sagt er. Für die sei das Thema vernetzte Mobilität wichtig. „Die meisten Kunden werden nicht mehr Wert darauf legen, am Lenkrad zu sitzen – außer sie verstehen Autofahren als Lifestyle“.

          Weiteres Modell mit Preis im sechsstelligen Bereich

          Diese Leute würden dann überwiegend am Wochenende groß ausfahren, das Auto sei für sie weiterhin Statussymbol. Hersteller müssten sich nun entscheiden: „Will ich ein Premiumauto bauen, das von Freitag bis Sonntag fährt, oder ein Nutzfahrzeug, das man über Carsharing mieten kann?“

          Der PF0 soll für Pininfarina nur der Anfang sein. Perschke plant noch drei weitere Modelle, von denen eines im Preis auf unterem sechsstelligen Niveau liegen soll. Damit würde Pininfarina dann auf einem Level mit den hochpreisigen Modellen des E-Auto-Pioniers Tesla liegen.

          Ein Prototyp des Pininfarina PF0

          Um die Entwicklung voranzutreiben, baut Perschke derzeit ein Team aus Spezialisten auf. Neu dabei ist unter anderem Christian Jung, der früher bei Porsche die Elektrifizierung leitete. Als Testfahrer steuert Mahindra den Ex-Formel-1-Piloten Nick Heidfeld bei. Insgesamt arbeiten derzeit gerade mal 35 Menschen für den Autobauer. Die sollen aber vor allem koordinieren, das meiste lässt Pininfarina nämlich von Zulieferern erledigen.

          Auf dem Genfer Autosalon im März will Perschke das endgültige Design des Sportwagens vorstellen. Dann könnte er sich vorstellen, weitere strategische Investoren ins Boot zu holen, um zu wachsen. Großen Lärm um sein Auto will Perschke aber nicht machen: „Wir sind eine Marke für Kenner, wir müssen nicht laut sein“, sagt er.

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