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Elektroauto : Byton ist gekommen, um zu liefern

  • -Aktualisiert am

Das große Display in einem Prototypen des Elektro-SUV M-Byte des Autobauers Byton auf der Technik-Messe CES. Bild: dpa

Der Elektroautohersteller Byton setzt sich auf der Konsumelektronikmesse CES selbst hohe Ziele – und will eines der wenigen Unternehmen auf dem Gebiet der E-Mobilität sein, der seinen Produktionsplan auch einhält.

          Schon mehrfach haben Elektroautoproduzenten die Elektronikmesse CES in Las Vegas genutzt, um viel Aufmerksamkeit für ihre Zukunftspläne zu wecken – die freilich oftmals noch in den Kinderschuhen steckten. Stellvertretend für diese Bewegung steht das Unternehmen Faraday Future, das vor zwei Jahren mit viel Aplomb ein elektrisch angetriebenes Konzeptfahrzeug in der Wüstenstadt im Bundesstaat Nevada auf die Bühne fuhr. Allein: Danach wurde es um das Unternehmen still.

          Dem Vernehmen nach steckt es nach einem personellen Aderlass inzwischen auch noch in finanziellen Schwierigkeiten. Vor einem Jahr suchte auch die chinesische Elektroautomarke Byton das große Publikum auf der CES. Damals kündigte das Start-up an, in diesem Jahr ein Auto auf den Markt bringen zu wollen. Nun ist Byton zur nächsten Auflage der CES zurückgekehrt, und die verbreitete Botschaft lautet: Wir werden liefern.

          Schicksal in den eigenen Händen

          Bis Ende dieses Jahres will das vom ehemaligen BMW-Manager Carsten Breitfeld mitgegründete und geführte Unternehmen die Serienproduktion des Modells „M-Byte“ starten, einem elektrisch angetriebenen sportlichen Geländewagen mit bis zu 520 Kilometern Reichweite. Die in Las Vegas gezeigte Version entspreche schon zu 80 bis 90 Prozent dem fertigen Auto, sagte Byton-Mitgründer Daniel Kirchert. Die verbleibenden Prozentanteile sind ihm zufolge schnell zu schaffen. „In diesem Jahr werden wir unser Versprechen einlösen und unsere Vision in die Realität umsetzen“, sagte Kirchert.

          Den Aussagen des Byton-Managers zufolge hat inzwischen die Ausrüstung einer eigenen Fabrik in der chinesischen Stadt Nanjing begonnen. Bis Ende des vergangenen Jahres seien dort schon rund 100 Fahrzeuge in der Vorserie vom Band gelaufen. Läuft die Fertigung in China irgendwann auf vollen Touren, sollen bis zu 300.000 Fahrzeuge im Jahr entstehen. Derzeit sei Byton auf einem guten Weg, auch eine chinesische Produktionslizenz zu erhalten, erläuterte Mitgründer Kirchert.

          Sollten die Behörden diese erteilen, halte sein Unternehmen sein Schicksal in den eigenen Händen und könne viele Parameter selbst beeinflussen, etwa die Produktionskosten, sagte Kirchert. Das gerade begonnene Jahr werde auf jeden Fall zu einem entscheidenden, ergänzte Byton-Geschäftsführer Breitfeld. „Wir sind zwar stolz auf das Erreichte, aber noch weit davon entfernt, fertig zu sein.“ Das spiegeln auch die weiteren Produktionspläne wider, die das Unternehmen auf der CES erstmals konkretisierte. Das zweite eigene Modell soll demnach schon im Jahr 2021 marktbereit sein; zwei Jahre später soll ein drittes, bislang noch namenloses Modell folgen.

          Kooperation mit Amazon

          Bis dahin gilt es aber erst einmal das umzusetzen, was Byton sich vorgenommen hat. Dazu gehört der Plan, nicht nur ein Elektroauto herzustellen, sondern dank der Vernetzung des Autos mit dem Internet ein „Smartphone auf Rädern“. Der M-Byte bringe jedenfalls ein „Smartphone-Moment in die Welt der Mobilität“, warb Geschäftsführer Breitfeld. Geht es nach ihm, beweist das auch die auf der CES erstmals präsentierte Benutzeroberfläche für das künftige Auto. Statt Geschwindigkeits- oder Drehzahlmessern verfügt das Fahrzeug über einen riesigen Bildschirm, der sich von der Fahrerseite bis zur Beifahrerseite über die gesamte Autobreite zieht und eine Bildschirmdiagonale von 47 Zoll hat. Das ist in etwa so viel, wie derzeit in vielen Wohnzimmern auf der Fernsehkommode herumsteht.

          Zwei weitere berührungsempfindliche Tabletcomputer ergänzen das Bedienkonzept. Einer davon steckt im Lenkrad und soll vom Fahrer bedient werden, einen weiteren Bildschirm kann auch der Beifahrer bedienen. Doch nicht immer sind Fingerberührungen notwendig, denn ein Teil der Befehle soll das Auto per Spracheingabe empfangen. Dafür nutzt Byton die Funktionen von Alexa, dem Sprachassistenten des Online-Händlers und Technikkonzerns Amazon, mit dem der Autohersteller kooperiert.

          Amazon ist nicht der einzige Partner, den Byton auf der CES nannte. So liefert zum Beispiel das chinesische Unternehmen CATL die Batteriezellen für die künftigen E-Fahrzeuge. Das Unternehmen habe sich zudem auch finanziell beteiligt, wie Geschäftsführer Breitfeld sagte. Zum Lieferantenkreis gehört auch der deutsche Zulieferer Bosch, der Komponenten für den Antriebsstrang, die Bremssysteme oder die eingebauten Assistenzsystemen bereitstelle. „Zusammen mit unseren Partnern wollen wir das Auto und die Mobilität neu erfinden“, versprach Breitfeld. Nach den eigenen Plänen hat Byton noch gut elf Monate Zeit, den ersten Beweis für dieses hohe Ziel zu liefern.

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