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Trump und Qualcomm : Hightech ist nicht im Angebot

5G ist auch auf der Technikmesse CES in Las Vegas im Januar ein wichtiges Thema gewesen. Bild: Reuters

Donald Trump unterbindet eine gewaltige Übernahme in der Tech-Branche und begründet das mit der Sorge um Amerikas Sicherheit. Seine Begründung ist nachvollziehbar. Es geht um eine mächtige Technologie – und ein Signal an jemand ganz anderen.

          Donald Trump untersagt die größte Übernahme in der Technologiebranche aller Zeiten: Broadcom aus Singapur wollte für sage und schreibe 117 Milliarden Dollar den amerikanischen Halbleiterhersteller Qualcomm kaufen – und darf das nun nicht.

          Trump begründet sein Veto damit, dass er Amerika schützen müsse. „Es gibt glaubwürdige Belege, die mich dazu bringen anzunehmen, dass Broadcom womöglich Handlungen unternimmt, welche die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten beeinträchtigen.“ Mit Gefahren für ebendiese begründet Trump derzeit viele Maßnahmen, andere untersagte Übernahmen aus dem Ausland beispielsweise oder die neuen Zölle auf Stahl, Aluminium, Waschmaschinen und Solarzellen.

          Warnung vor Huawei

          Dieses Mal hat er nach einhelliger Auffassung aber durchaus eine valide Begründung: Qualcomm entwickelt Hochtechnologie, das Unternehmen arbeitet in einem wichtigen Bereich an der Infrastruktur der Zukunft. Es geht um den nächsten Mobilfunkstandard 5G, drahtloses Hochgeschwindigkeitsinternet. Wer darin führend ist, hat mit Blick in die Zukunft einen wichtigen technischen Wettbewerbsvorteil: Künstliche Intelligenz, Big Data, Industrie 4.0 heißen die Schlagworte.

          Die Vereinigten Staaten verfügen natürlich grundsätzlich schon über eine überaus erfolgreiche Technologiebranche, die großen amerikanischen Tech-Konzerne Alphabet (Google), Amazon, Apple, Facebook und Microsoft verdienen viel Geld und sind international präsent. Es gibt aber einen ernsten Rivalen: China. In der Volksrepublik sind mit Alibaba, Baidu und Tencent längst ebenfalls veritable Tech-Konzerne entstanden - übrigens vornehmlich, weil das Land die Dienste ausländischer Anbieter wie etwa Googles Suchmaschine oder Facebook schon lange blockiert. Und die Führung in Peking macht kein Geheimnis daraus, dass sie noch viel höhere Ziele anstrebt: Im vergangenen Sommer stellte sie einen Plan vor, dessen Umsetzung den bevölkerungsreichsten Staat der Erde bis zum Jahr 2030 zur dominierenden Nation machen soll, wenn es um Künstliche Intelligenz geht.

          Eine wichtige Rolle darin spielt der überaus erfolgreiche chinesische Handyhersteller Huawei. Das Unternehmen arbeitet zudem ebenfalls am neuen Mobilfunkstandard und liefert sich da einen Wettlauf wiederum, genau, mit Qualcomm.

          Welche Dimension die technologische Konkurrenz zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt mittlerweile angenommen hat, zeigte sich unlängst, als niemand geringeres als gleich sechs amerikanische Geheimdienst-Direktoren, darunter die Chefs des FBI, der CIA und der NSA, vor Huawei-Handys warnten. Wichtige Daten könnten China in die Hände fallen und Spionage begünstigen, sagten sie vor einem Ausschuss des amerikanischen Kongresses.

          Auch vor diesem Hintergrund stellt sich freilich auf den ersten Blick die Frage, wieso Trump nun verbietet, dass Broadcom Qualcomm kauft. Denn Broadcom ist ja kein chinesisches Unternehmen, sondern versteht sich selbst als amerikanischen Konzern mit (derzeitigem) Sitz in Singapur und ohne einen großen Aktionär aus Fernost. Die sehr wahrscheinliche Antwort darauf gab vor einigen Tagen das amerikanische Gremium (CFIUS), das Übernahmevorhaben aus dem Ausland prüft: Es äußerte die Sorge, dass die Broadcom-Führung nach der Übernahme die derzeit ansehnlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Qualcomm merklich mindert.

          Unplausibel ist diese Furcht nicht. Broadcom hat für den Kauf einen gewaltigen Kredit organisiert von den Beteiligungsgesellschaften KKR, Silver Lake und CVC - da könnte schon sein, dass infolge der Übernahmen der Fokus für Qualcomm stärker auf eine (kurzfristige) Gewinnsteigerung gelegt worden wäre, auch zu Lasten des Forschungsbudgets. Zweifel, dass es so kommen könnte, vermochte offenkundig auch der Broadcom-Vorstandsvorsitzende Hock Tan nicht auszuräumen, als er zu Wochenbeginn noch einmal im Pentagon vorgesprochen hat. Trump jedenfalls hat nun entschieden. Und nicht nur eine riesige Transaktion abgeblasen, sondern auch ein klares Signal ausgesandt: nach Peking.

          Wesentlich leiser kam derweil übrigens eine andere, ebenfalls in diese Gemengelage passende Botschaft daher. Die Fachleute der amerikanischen Bank Citigroup haben ihr Aktienkursziel für die Anteile am chinesischen Tech-Konzern Tencent um 12 Prozent angehoben. Der Grund: Die Stärke des Unternehmens im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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