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Geschäfte in Deutschland : Huawei will geliebt werden

  • -Aktualisiert am

Huawei auf der Messe in Hannover im April 2019 Bild: AFP

Viele haben Angst vor Huawei. Dabei schaffen die Chinesen ganz viele Arbeitsplätze – hat sich der Konzern von Wirtschaftsforschern des DIW berechnen lassen. Die Botschaft ist klar: Huawei will mehr Liebe von der Bundesregierung.

          3 Min.

          Es ist eine Pressekonferenz der besonderen Art, die am Montag in Berlin stattfindet. Nur einen Katzensprung entfernt von Reichstag und Kanzleramt präsentiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie zum „ökonomischen Fußabdruck“ des umstrittenen chinesischen Technikkonzerns Huawei in Deutschland. Doch es handelt sich keineswegs um eine unabhängige Analyse, wie sie das DIW gewöhnlich macht. Zu der Veranstaltung eingeladen hat Huawei, der Technikchef für den deutschen Markt sitzt mit auf dem Podium. Und wer abends zum Sommerfest von Huawei ins Deutsche Technikmuseum kommen will, ist herzlich eingeladen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Wenig überraschend ist deshalb auch das Ergebnis der Studie, die die Consulting-Tochtergesellschaft des DIW durchgeführt hat: Huawei ist gut für Deutschland. 2600 Mitarbeiter hat das Unternehmen hierzulande, der Umsatz belief sich zuletzt auf 2,7 Milliarden Euro. Mit allen Teilen, die Huawei von deutschen Zulieferern bezieht, mit allen Ausgaben, die Mitarbeiter hierzulande tätigen, wächst der Stellenwert des Unternehmens immer weiter. Alles in allem, so die Hochrechnung der Ökonomen, trage Huawei mit 2,4 Milliarden Euro und 28.000 Arbeitsplätzen zur deutschen Wirtschaft bei. Ein Unternehmen, das „digitale Innovationen der Zukunft ermöglicht“, lobt DIW-Mann Yann Girard.

          Huawei will Lob

          Man kann diesen Termin kaum anders verstehen als einen Wink in Richtung Bundesregierung: Seht her, wie viel Positives Huawei in Deutschland schafft und überlegt euch gut, ob ihr Huawei wirklich vom Aufbau des deutschen 5G-Netzes fernhalten wollt. Technikchef Walter Haas will das so direkt zwar nicht sagen, er belässt es bei einem „Wir schaffen hier Wertschöpfung, hochwertige Arbeitsplätze und Forschung.“

          Aber an anderer Stelle klingt doch durch, dass sein Unternehmen in Deutschland gerne mehr gelobt werden würde. „Es gab genügend Wirtschaftsberater, die uns erklärt haben, wie wir hier steuerlich optimal rauskommen. Wir haben uns aber bewusst entschieden, eine GmbH in Deutschland zu sein.“

          Um Huawei gibt es seit Monaten Streit, nicht nur in Deutschland. Dahinter steht die Angst, dass das Unternehmen vertrauliche Daten an die chinesische Regierung weitergibt. Belegt sind diese Vorwürfe bislang nicht.

          Amerika hatte Huawei im Mai dennoch auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu amerikanischen Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Die Folge: Internetkonzerne wie Google dürfen ihr Betriebssystem nicht mehr an Huawei liefern, Chiphersteller keine Komponenten. Der deutsche Infineon-Konzern hat schon reagiert: In Amerika gefertigte Chips werden nicht mehr an Huawei geliefert. Beobachter sprechen schon von einer Neuauflage des Kalten Kriegs, diesmal geführt über Technikkonzerne.

          Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die Berliner Charmeoffensive ausgerechnet jetzt kommt. Deutschland ist für die Chinesen ein entscheidender Markt. Während mit Amerika verbündete Staaten wie Australien und Neuseeland Huawei bereits vom Bau des 5G-Netzes ausgeschlossen haben, bauen Länder wie Russland die Beziehungen zu Huawei demonstrativ aus. Europa ist derzeit gespalten: Frankreich will Huawei ausbremsen, Spanien nicht, in Großbritannien wird noch diskutiert. Wie Deutschland sich positioniert, dürfte eine Signalwirkung für andere Länder haben.

          Frühstück in Schanghai

          Erst vor wenigen Tagen hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Schanghai den Gründer von Huawei getroffen, Ren Zhengfei. Außer der Erkenntnis, dass beide Seiten bei dem Arbeitsfrühstück im Schanghaier Luxushotel Kempinski das Essen nicht anrührten, ist von dieser Zusammenkunft wenig überliefert.

          Nur so viel: Altmaier hat noch einmal den Standpunkt der Bundesnetzagentur bekräftigt, die im März entscheiden hatte: Das deutsche 5G-Netz ist offen für alle, die sich an die strengen Sicherheitsbedingungen halten. Dies müsse Huawei nun nachweisen, sagte Altmaier.

          Haas sagte dazu am Montag, er habe „keine Bedenken“, dass dies gelingen werde. Auch macht er sich nach eigenem Bekunden keine Sorgen, dass sich auf Druck der Amerikaner andere deutsche Unternehmen von Huawei abwenden könnten. Autohersteller wie Audi würden weiter mit Huawei zusammenarbeiten. Der Vorteil von Huawei gegenüber Plattformen wie Google, Amazon und Alibaba sei: „Wir machen unseren Kunden keine Konkurrenz.“

          Was den amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt angeht, zeigte sich Haas optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass sich das Thema früher oder später lösen wird.“ Huawei rechnet aufgrund der amerikanischen Sanktionen in den kommenden zwei Jahren mit einem Umsatzrückgang von 30 Milliarden Dollar. Infolge des Streits ist der globale Smartphone-Verkauf von Huawei zwischen Mai und Juni um 40 Prozent eingebrochen. Im vergangenen Jahr war der Umsatz des Konzerns noch deutlich um 19,5 Prozent auf rund 95 Milliarden Euro gestiegen.

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