https://www.faz.net/-gqe-9rw7e

Digitalwährung von Facebook : Paypal springt bei Libra ab

Die Logos der Protagonisten im Digitalwährungsprojekt: Libra selbst und Initiator Facebook Bild: dpa

Mit Paypal verabschiedet sich einer der prominentesten Partner von Facebooks Digitalwährung Libra. Über die Gründe schweigt sich der Bezahldienst aus.

          2 Min.

          Facebook hat mit seinen Plänen für die Digitalwährung Libra einen schweren Rückschlag erlitten. Der Bezahldienst Paypal teilte am Freitag mit, er werde nicht weiter an der Libra Association teilnehmen, der in der Schweiz ansässigen Organisation, in deren Hand die Kontrolle über die Währung liegen soll. Paypal war einer der prominentesten Partner von Facebook bei dem Projekt und ist nun das erste Unternehmen, das sich offiziell davon verabschiedet. Vor einigen Tagen hatte das „Wall Street Journal“ schon berichtet, dass manche Unternehmen ihr Engagement bei Libra überdenken, darunter die Kreditkartenspezialisten Visa und Mastercard. Paypal wurde dabei noch nicht genannt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Bezahldienst nannte keine genauen Gründe für seinen Rückzug aus der Libra-Gruppe. Er sagte lediglich, er unterstütze die Ziele für die Digitalwährung weiter und freue sich auf eine mögliche Zusammenarbeit in der Zukunft. Facebook sei ein „langjähriger und geschätzter strategischer Partner“. Die Bedenken von Visa und Mastercard wurden in dem Bericht mit dem Widerstand von Politikern gegen Libra sowie mit Sorgen um regulatorische Einwände in Verbindung gebracht. Zudem habe es Beschwerden gegeben, dass Facebook bislang keine detaillierten Antworten geliefert habe, wie sich der Missbrauch von Libra für illegale Aktivitäten wie Geldwäsche vermeiden lasse.

          Start für 2020 geplant

          Facebook hat Libra im Juni vorgestellt. Das soziale Netzwerk hat die Währung als Gemeinschaftswerk unter der Kontrolle der Libra Association konzipiert, in der es selbst eines von vielen Mitgliedern ist. Bei der Ankündigung im Juni wurden mehr als zwei Dutzend Partner genannt, darunter neben Paypal, Visa und Mastercard auch Unternehmen außerhalb der Finanzindustrie wie der Fahrdienst Uber oder die Musikplattform Spotify. Facebook peilt den Start von Libra für die erste Hälfte 2020 an und hofft, dass die Libra Association bis dahin 100 Mitglieder hat. Dem Bericht im „Wall Street Journal“ zufolge haben Facebooks Partner bisher nur nichtbindende Absichtserklärungen unterzeichnet und auch noch nicht die 10 Millionen Dollar überwiesen, die jedes Mitglied zur Finanzierung des Projekts beisteuern soll.

          Die Libra-Pläne des sozialen Netzwerks stießen schnell auf Kritik von Politikern. Regierungsmitglieder aus Deutschland und Frankreich kündigten an, die Digitalwährung blockieren zu wollen. In Amerika äußerten Präsident Donald Trump, Finanzminister Steven Mnuchin und Jerome Powell, der Vorsitzende der Notenbank Federal Reserve, Vorbehalte. Im Zusammenhang mit Libra leistete sich vor wenigen Tagen auch Tim Cook, der Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns Apple, einen Seitenhieb auf Facebook. Cook, der das soziale Netzwerk oft kritisiert, sagte in einem Interview, ein privates Unternehmen sollte nicht versuchen, sich auf diese Weise „Macht“ zu verschaffen.

          Dass ausgerechnet Paypal als erstes Unternehmen abspringt, ist insofern bemerkenswert, weil David Marcus, der das Libra-Projekt bei Facebook verantwortet, früher für den Bezahldienst gearbeitet hat. Ein Sprecher der Libra Assocation sagte am Freitag, ein Vorhaben wie Libra sei „kein leichter Weg“, und jede Organisation müsse ihre eigenen Überlegungen zu Risiko und Nutzen eines Engagements anstellen. Er fügte hinzu, es gebe insgesamt 1500 Organisationen, die „enthusiastisches Interesse“ an einer Teilnahme bekundet hätten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.

          Kein grünes Licht für Ungar : Von der Leyen kann noch nicht aufatmen

          Der Start von Ursula von der Leyens neuer EU-Kommission bleibt in der Schwebe: Der Kommissarkandidat aus Ungarn muss in die Nachbefragung. Und wegen Großbritanniens Weigerung, vor den Neuwahlen einen Bewerber zu nominieren, leitet Brüssel derweil ein Strafverfahren ein.
          Ort einer Tragödie: S-Bahnhof Frankenstadion in Nürnberg (Archivbild)

          Am S-Bahnsteig : Stoß mit tödlichem Ende

          Zwei Jugendliche sind in Nürnberg angeklagt, zwei Schüler ins Gleisbett geschubst zu haben. Die beiden Jungen hatten keine Chance: Den Angriff konnten sie nicht sehen – die Täter standen hinter ihnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.