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Internet der Dinge : Was Bosch mit der Blockchain vorhat

Bosch-Stand auf der Internationalen Funkausstellung 2016 Bild: dpa

Künstliche Intelligenz erobert den Alltag, doch vielen Menschen ist ihr Einsatz noch nicht geheuer. Das deutsche Traditionsunternehmen Bosch sieht die Lösung in einer Verschlüsselungstechnik.

          Die Dinge werden klug: Alexa kann sprechen und Kühlschränke können beim Dating helfen. Doch gleichzeitig belauscht Alexa auch seine Nutzer und manchmal werden Mikrowellen und Kopierer gehackt, um in nur scheinbar sichere Unternehmensnetzwerke einzudringen.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Sicherheitsbehörden warnen: „Grundsätzlich sind alle internetfähigen Geräte – insbesondere im Smart-Home-Bereich – potentielle Ziele für Cyber-Kriminelle“, so sagte es Anfang Mai Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

          Dass viele Menschen sich wegen dieser Gefahren nicht wohlfühlen mit vernetzten Geräten und dass das Smart Home zwar seit Jahren angekündigt, aber doch nur in den wenigsten Haushalten realisiert worden ist – das scheint auch bei Bosch angekommen zu sein. Der Stuttgarter Konzern lädt deshalb zum Digital Trust Forum in Berlin, das im Rahmen der Connected-World-Konferenz von Bosch in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindet.

          „Wir können nicht hinnehmen, dass digitale Innovationen vor allem auf Misstrauen und Ängste stoßen“, gibt sich Michael Bolle fast trotzig. Er ist in der Bosch-Geschäftsführung seit gut einem Jahr für Digitalisierung und Technologie verantwortlich.

          Bosch setzt dafür auf eine Technologie, die in den vergangenen Jahren viel Furore gemacht hat: die Blockchain, auf Deutsch in etwa: Blockkette, die vor allem wegen Kryptowährungen wie Bitcoin bekannt wurde. Es handelt sich um eine dezentrale Verschlüsselungstechnik, die ohne eine zentrale Institution auskommt. Bosch nennt sie die Schlüsseltechnologie für das Internet der Dinge.

          Das Kontobuch wird dezentral

          Die Blockchain basiert auf der sogenannten Distributed-Ledger-Technologie (DLT), was sich mit „Verteiltes Kontobuch“ übersetzen lässt. Die funktioniert kurz erklärt so: Die zentrale Institution, der die Menschen vertrauten, war früher beispielsweise die Bank, die die Kontobücher führte. Bei DLT handelt es sich dagegen, so das BSI, um ein „öffentliches, dezentral geführtes Kontobuch“, also eine Datenbank, in der „Daten nicht zentral, sondern verteilt“ gespeichert werden.

          Weil sich die Daten beispielsweise der Bitcoin-Inhaber aufeinander beziehen – der eine Block der Blockchain enthält den Verschlüsselungscode des nächsten –, braucht das System keine zentrale Institution. Das Netzwerk macht, wofür früher die Bank verantwortlich war.

          So könnten sich beispielsweise auch Geräte zweifelsfrei ausweisen und miteinander reden und handeln, ohne dass der Mensch einschreiten muss. Die Hoffnung: „In Zukunft werden Dinge nicht nur kommunikativ vernetzt sein, sondern auch miteinander Geschäftsbeziehungen pflegen“, sagt Bosch-Chef Volkmar Denner in seiner Eröffnungsrede am Mittwochmorgen voraus.

          Das Unternehmen nennt einige Beispiele, in denen die Technik zum Einsatz kommen könnte. So arbeitet Bosch gemeinsam mit dem Energieversorger EnBW an einer neuen Bezahlform für das Tanken von Elektroautos. Die Ladesäule könne dem Kunden „in Echtzeit unterschiedliche und transparente Preismodelle“ anbieten, das Auto entscheide sich automatisch für das günstigste.

          Auch die Bezahlung laufe dann „vollautomatisch über die Blockchain“. Und wenn das Auto dem Fahrer Ladesäulen empfehle, achte es darauf, ob „Spielplätze und Cafés“ in der Umgebung seien – „wenn der Kunde Kinder hat oder gern Kaffee trinkt“.

          Das Internet der Dinge wächst

          Auch beim Parken soll die Blockchain helfen. Bosch plant ein auf der „Blockchain basierendes intelligentes Parkmanagementsystem“. Wenn der Fahrer parken möchte, solle das System automatisch mit den Parkplätzen in der Umgebung um die besten Preise verhandeln. An der Schranke identifiziere sich das Fahrzeug selbst. Die öffne sich, „ohne dass der Fahrer ein Ticket ziehen muss“, so das Unternehmen. Verlässt der Fahrer den Parkplatz, rechnet das System die Parkgebühr automatisch ab, weil die Geräte miteinander kommunizieren – und einander vertrauen.

          Beides klingt nach Zukunft, doch die Tests laufen schon. Die Preisverhandlung an der Ladesäule ist ein gemeinsames Projekt mit dem Energieversorger EnBW, das Parksystem entsteht in Kooperation mit Siemens.

          Für Bosch steht viel auf dem Spiel. Das Unternehmen sieht sich „auf dem Weg zu einem weltweit führenden Anbieter im Internet der Dinge“. 52 Millionen internetfähige Produkte hat das Unternehmen nach eigenen Angaben verkauft – allein im Jahr 2018. Ein Anstieg von mehr als einem Drittel gegenüber 2017. Das Internet der Dinge ist also schon ganz schön groß und es wächst weiter. Mit Vertrauen – oder ohne.

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