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Digitale Verwaltung : Dieses Start-up macht Beamte zu Datenfreaks

Lukas Rambold (23), Faruk Tuncer (28) und Taisia Antonova (33) sind die Gründer von Polyteia. Bild: Polyteia

Viele Stadtverwaltungen können mit Digitalisierung nicht viel anfangen. Faruk Tuncer will das ändern. Städte sollen für ihre Entscheidungen Daten verwenden. Mit seinem Start-up hilft er den Städten dabei.

          Die Bundesregierung will die Verwaltung digitalisieren, hat sie kürzlich angekündigt. Bürger sollen nicht mehr sinnlos Zeit auf dem Amt verbringen, um Vorgänge zu erledigen, die online viel schneller gehen. Deutschland hinkt hinterher, in Estland und Dänemark sind die Regierungen schon wesentlich weiter.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Aufgabe Digitalisierung stellt sich nicht nur dem Bund. Auf jeder Ebene der öffentlichen Verwaltung ließe sich ansetzen. Ob es um Kontakt zu Behörden geht oder Stadtpolitik geht: Digitalisierung und Daten kann Städte besser machen.

          Dabei helfen will ihnen Faruk Tuncer. Tuncer ist 28 Jahre alt und hat mal im Konrad-Adenauer-Haus gearbeitet, in der CDU-Zentrale. Dort war er Referent für Kommunalpolitik – parallel saß er in Moabit im CDU-Ortsvorstand. Aus dieser Zeit berichtet er: „Viele Städte entscheiden nach Bauchgefühl. Die haben zwar viele Daten. Aber die sind nicht verbunden.“

          „Bessere Entscheidungen“

          Tuncer hat dunkle Haare, ab den Schläfen kurz rasiert, oben länger, sein Bart ist gut gepflegt, die Brille dunkel wie die Haare. Vor zwei Jahren hat er in einem Interview während der F.A.Z.-Konferenz „Denk ich an Deutschland“ gesagt: „Migration ist der Normalfall.“ Er war mal Mitglied im Think Tank 30, der Jugendversion des Nachhaltigkeitsnetzwerks Club of Rome. Und hat an der Hertie School of Governancein Berlin Public Policy studiert.

          Während des Studiums war er in Singapur. Dort habe er gesehen, was es heißt, wenn eine Stadt klug sei. Deshalb habe er Anfang des Jahres Polyteia gegründet. „Wir haben ein Tool entwickelt, das Städten helfen soll, bessere Entscheidungen zu treffen“, fasst er die Arbeit des Unternehmens zusammen. Er führt eine Demoversion auf seinem Rechner vor. Die Auslastung der Kindergärten wird in einer Tabelle angezeigt. In der „Musterstadt“ sind einige überbucht. Legt man die Bevölkerungsentwicklung zugrunde, kann der Betreuungsschlüssel auch in den anderen Kindertagesstätten nicht mehr lange eingehalten werden, deshalb müsse eine neue Kita gebaut werden.

          „Um das zu erfahren, hätte man in den meisten Städten vier Anfragen stellen müssen“, sagt Tuncer. „Kita-Amt für die Anzahl der Kinder. Einwohnermeldeamt für die Bevölkerungsentwicklung. Hauptamt für die Anzahl der Kita-Angestellten. Und den Kämmerer, um herauszufinden, ob genug Geld da ist.“ Verdammt aufwändig sei das, findet Tuncer. „Für diesen Bericht braucht man auf unserer Plattform einen Klick.“

          Er zeigt eine Grafik, in der die benötigten Kita-Plätze noch unter den verfügbaren liegen. In einigen Jahren schneiden sich die Kurven und es gibt mehr benötige Plätze als verfügbare.

          Drei Städte als Kunden

          Gegründet hat Tuncer das Unternehmen zusammen mit Taisia Antonova und Lukas Rambold. Antonova ist 33 Jahre alt und Start-up-erfahren. Seit 15 Jahren sei sie in der Szene aktiv, erzählt Tuncer. Rambold sei 23 und für die IT zuständig. Zudem hätten sie zwei weitere Leute für den Vertrieb, einen für die Produktentwicklung und zwei weitere Programmierer angestellt.

          Mit drei Städten würden sie gerade am Prototyp feilen, erzählt Tuncer: Oranienburg in Berlin, Wriezen in Brandenburg und Rodersberg in der Nähe von Stuttgart. „50 weitere Gemeinden haben aber ihr Interesse bekundet. 10 prüfen gerade die Verträge.“

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