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Hater aufgepasst : So kreativ will Instagram künftig gegen Mobbing vorgehen

  • -Aktualisiert am

Instagrams Produkte-Vorstand Adam Mosseri spricht auf einer Facebook-Entwickler-Konferenz über Maßnahmen gegen Mobbing und Beleidigungen. Bild: AFP

Junge Instagram-Nutzer werden immer wieder Opfer von Mobbing und Beleidigungen. Dagegen will die Plattform etwas tun – und führt gleich mehrere Anti-Mobbing-Tools ein.

          Der Foto- und Videodienst Instagram hat mehrere Maßnahmen angekündigt, um Mobbing und Beleidigungen auf der Plattform einzuschränken. Instagram ist unter Jugendlichen mittlerweile sogar beliebter als Facebook. Die Plattform, die hauptsächlich aus bildlichen Elementen besteht, legt nach eigenen Angaben großen Wert darauf, dass sich ihre Nutzer dort wohlfühlen. Dennoch hat Instagram immer wieder mit Mobbing und Hasskommentaren zu kämpfen.

          Zwar können Nutzer ihr Profil privat schalten, sodass es für Fremde nicht zugänglich ist. Auch gibt es dort, anders als zum Beispiel bei Facebook, keine privaten Gruppen, in denen sich Mobbing und Hasskommentare gegen bestimmte Personen oder Gruppen gezielt sammeln können.

          Dennoch ist Mobbing, speziell unter Jugendlichen, auf Instagram allgegenwärtig. Erst vor kurzem sagte Instagram-Chef Adam Mosseri im F.A.Z.-Interview, der Dienst wolle sein Engagement gegen Mobbing erhöhen „damit sich Nutzer einerseits gar nicht erst so verhalten, und andererseits, um sich wirksam wehren zu können, wenn sie selbst Opfer werden.“

          Nutzer ziehen ihre Kommentare zurück

          Nun lässt Instagram Taten folgen. Schon im vergangenen Jahr wurde ein automatischer Filter freigeschaltet, der besonders starke Beleidigungen löschen soll. In den nächsten Tagen soll jetzt eine weitere Maßnahme starten. Eine Dritte soll ihren Testbetrieb aufnehmen.

          So führt der Dienst, der zu Facebook gehört, eine Kommentar-Warnungsfunktion ein. In Zukunft soll schon das Abschicken beleidigender Kommentare verhindert werden, statt sie im Nachhinein zu filtern und zu löschen. Ziel ist, dass ein Algorithmus die Beleidigung schon während des Schreibens erkennt und eine Warnung an den Verfasser schickt, dass die Nachricht gegen die Richtlinien der Plattform verstoße. Dieser kann den Kommentar zwar trotzdem veröffentlichen. In einem mehrmonatigen Test will Instagram allerdings herausgefunden haben, dass einige Nutzer ihre Kommentare dank der Warnung zurückzogen oder danach weniger beleidigend formulierten. 

          Bei Instagram wird eine Nutzerin gefragt, ob sie den Kommentar „Du bist hässlich und dumm“ wirklich posten möchte. Das Unternehmen will neue Tools gegen Mobbing etablieren.

          Die Kommentarwarnung soll eine Erweiterung des Filters sein, der seit Mitte des Jahres 2018 aktiv ist und beledigende Kommentare automatisch löscht. Wieso die beleidigenden Kommentare nicht direkt gelöscht oder erst gar nicht veröffentlicht werden – schließlich werden sie ja als problematisch erkannt – konnte Instagram auf Nachfrage der F.A.Z. nicht beantworten. Ebenso wenig, wo die Grenze zwischen einem Kommentar liegt, der direkt gelöscht wird und einen Kommentar, der lediglich dem Verfasser als problematisch angezeigt wird.

          „Bist du sicher, dass du das posten möchtest?“

          Allerdings bestätigte das Unternehmen, dass auch die zunächst vom Verfasser veröffentlichten, problematischen Kommentare im Nachhinein von Mitarbeitern oder den Filteralgorithmen gelöscht werden können. Mosseri verteidigte in der F.A.Z. den Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz: „Wir brauchen Technologie, für uns ist nicht ausreichend, allein darauf zu setzen, dass die Nutzer bestimmte Inhalte reklamieren.“ 

          Aktuell ist die Kommentar-Warnungsfunktion nur auf englisch verfügbar. Im Laufe des Jahres sollen weitere Sprachen, darunter auch deutsch, folgen. Ein kurzer Test in der Redaktion hat allerdings ergeben, dass die Kommentarwarnung am Dienstag noch nicht funktioniert hat – trotz vorherigem Update auf die neuste Instagram-Version. Der Kommentar “You are fat and ugly“ (“Du bist dick und hässlich“) wurde weder als beleidigend erkannt, noch von den automatischen Filtern gelöscht. Allerdings ist es durchaus üblich, dass neue Funktionen, die weltweit eingeführt werden, in einigen Ländern früher zur Verfügung stehen als in anderen. 

          Vielversprechend klingt auch die Funktion, deren Test in wenigen Tagen starten soll. Laut Instagram sollen die Kommentare ausgewählter Personen auf dem eigenen Profil eingeschränkt werden können. Die Personen können manuell ausgewählt werden. Schon heute gibt es die Funktion, bestimmte Personen zu blockieren und sie vom eigenen Profil zu verbannen. Das kann allerdings unter Umständen dazu führen, dass der vermeintliche Konflikt verschärft wird, besonders wenn sich die beiden betroffenen Personen in der realen Welt kennen. Denn das Blockieren wird dem Geblockten angezeigt. 

          Laut Instagram würden besonders junge Nutzer – wie etwa Schüler – davor zurückschrecken, ihre mobbenden Mitschüler zu melden oder zu blockieren. Hier setzt die Einschränken-Funktion an. So soll ein Kommentar einer eingeschränkten Person in Zukunft nur noch dem Verfasser und dem Betroffenen angezeigt werden. Für andere Nutzer wird dieser Kommentar ausgeblendet. Für den Verfasser der Nachricht sieht es dadurch so aus, als würde niemand darauf reagieren. Dass in Wahrheit keiner außer der beiden Beteiligten den Kommentar sieht, erfährt der Verfasser nicht. Manuell sollen die Kommentare zudem wieder für andere freigeschaltet werden können. Wie lange die Testphase dauert und ob die Funktion danach regulär und weltweit startet, ist noch nicht bekannt. 

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