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Geschwindigkeits-Rekord : Diese deutschen Studenten beeindrucken Elon Musk

Studenten der TU München zeigen dem Unternehmer Elon Musk ihre Hyperloop-Kapsel. Bild: dpa

Tüftler der TU München gewinnen das dritte Mal hintereinander den Hyperloop-Wettbewerb des amerikanischen Unternehmers. Und setzen Maßstäbe.

          Die 39 Studenten der Technischen Universität München (TUM) hatten schon eine Vorahnung: Die erhoffte Geschwindigkeit von 600 Kilometer in der Stunde für ihren „Warr Hyperloop Pod III“ könnte schwer zu erreichen sein; nicht, weil die 70 Kilogramm schwere Kapsel (englisch: Pod) mit Karbon-Mantel das atemberaubende Tempo nicht schaffen könnte. Sorge bereitete vielmehr der Bremsweg von nur 250 Meter, nachdem der Pod III in einer Vakuumröhre über 950 Meter extrem beschleunigt wird.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Gruppe der Studenten aus den Bereichen Maschinenbau, Physik, Elektrotechnik, Informatik, Luft- und Raumfahrt oder Betriebswirtschaft stellten am Sonntag immerhin einen Geschwindigkeitsrekord mit 467 Kilometer in der Stunde auf – also fast halbe Überschallgeschwindigkeit. Sie blieben unter ihren Möglichkeiten. Ihre Schuld war es nicht: Die nur 1,2 Kilometer lange Teststrecke in Hawthorne nahe der amerikanischen Metropole Los Angeles auf dem Gelände des Raketen-Unternehmens Space X aus dem Imperium von Elon Musk war einfach zu kurz. Daher wurde die Leistung aus Sicherheitsgründen gedrosselt.

          Ablenkung von Tesla

          Das dritte Mal hinter einander  gewannen die Münchner Studenten den von Musk international ausgeschriebenen, an Universitäten gerichteten  Hyperloop-Wettbewerb. „Wir sind begeistert, dass wir fast 50 Prozent schneller gewesen sind als vor einem Jahr“, hat die Gruppe unmittelbar nach ihrem Sieg getwittert. Jeden der bislang drei Wettbewerbe dominierten die „TUMler“. Im August vergangenen Jahres bereits stellten sie mit 324 Kilometer in der Stunde einen Rekord auf, den Musk mit seiner eigenen Kapsel wenige Tage darauf mit 355 Kilometern übertraf.

          Im Januar 2017 holten die Münchner ihren ersten Sieg, als sie einen Pod mit 95 Kilometer pro Stunde durch die Röhre jagten. Deutlich langsamer, aber sie war die einzige, die das Ziel erreichte. Da ging es auch nicht um ein Rekordtempo, sondern um Design, Fahrtüchtigkeit und -sicherheit. 

          Für Elon Musk, Gründer und Vorstandschef des Elektroauto-Herstellers Tesla, war der Wettbewerb am vergangenen Wochenende mit insgesamt 20 Teams und knapp 600 Teilnehmern indes eine willkommene Ablenkung von der in jüngster Zeit laut werdenden Kritik über sein Auftreten. Zunehmend gerät der umtriebige Unternehmer, der einst den Bezahlservice Paypal mitgründete und später teuer verkaufte, wegen seiner Handlungsweisen und zum Teil widersprüchlichen Aussagen über die tatsächlich Lage bei dem Elektroauto-Hersteller unter Druck von Investoren wie Analysten.

          München-Berlin in 35 Minuten

          Unbeirrt hält der Visionär an seiner Idee und seinem Konzept für ein Tunnel-Transportsystem fest. Das soll einmal Menschen und Güter durch eine Vakuumröhre in Überschallgeschwindigkeit von bis zu 1200 Kilometern in der Stunde transportieren. So würde eine Reise von München nach Berlin nur 35 Minuten dauern.

          Umsetzen allerdings sollen es andere, die auch Technologien austüfteln; ehrgeizige und enthusiastische Studenten zum Beispiel. Kommerzielle Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, Hyperloop One und Hyperloop Transportation Technologies des Deutschamerikaners Dirk Ahlborn, gehen das Thema höchst professionell an. Musk selbst scheint mit Tesla, Space X oder dem Bohrunternehmen „The Boring Company“ alle Hände voll zu tun zu haben.

          Der Erfolg des Münchners Teams mit dem Projektnamen WARR Hyperloop – der Name steht für „Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“ – ist um so beeindruckender, weil die bunt zusammengewürfelten Mitglieder in nur acht Monaten eine völlig neue Kapsel und erstmals auch den Antrieb entwickelt haben. Im September 2017 beteiligten sie sich an der Ausschreibung für den dritten Wettbewerb. Am Ende waren sie unter den drei Finalisten, die am Sonntag einen Versuch hatten.

          Der Vorgänger Pod II war mit 81 Kilogramm erheblich schwerer und mit einer Länge von 2,40 Metern um einen halben Meter länger. Der Einsatz von Materialien aus der Luft- und Raumfahrt mit Aluminium, Kohlefaserstoffen und Titan haben die Gewichtsersparnis gebracht.

          Noch 14 Mitglieder sind aus dem alten Pod-II-Team dabei, 25 Kommilitonen haben sich neu engagiert. „Das Spannende an dem Projekt ist doch, dass wir etwas bauen, von dem wir noch gar nicht wissen, wie es aussehen soll; im Gegensatz zu einem Auto“, sagte Teammanager und Projektleiter Gabriel Semino schon anlässlich der Vorstellung des Pod III Mitte Juni.

          Die Universität sowie der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus unterstützen als die beiden wichtigsten Partner das Vorhaben und sind schon bei den ersten beiden Entwicklungen dabei gewesen. Zu den zwölf Hauptgeldgebern gehören auch Siemens, Panasonic, Deutsche Bank und Evonik. Die Reihe weiterer bekannter Unterstützer lässt sich beliebig fortsetzen, von Infineon und MAN über SGL Carbon, Lufthansa, DHL und Schraubenkonzern Würth.

          Übrigens: Hinter den „TUMlern“ wurde das Team Delft Hyperloop von der niederländischen Technischen Universität Delft Zweiter, deren Pod es auf 142 Kilometer in der Stunde brachte. Die ETH Lausanne wurde mit ihrem EPFL Hyperloop mit 88,5 Kilometer in der Stunde Dritter.

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