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Internetplattform : So finden kleine Sportvereine Sponsoren

  • -Aktualisiert am

Die erfolgreiche Beach-Volleyballerin Laura Ludwig (rechts) ist auch bei Sponsoo. Bild: dpa

Sponsoo bringt Sportler und Sponsoren zusammen. Kleine Sportvereine, Randsportarten, aber auch Kanu-Weltmeister nutzen die Plattform. Der Umsatz wächst rasant. Doch manche Sportarten sind uninteressant.

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          Für Vereine, Mannschaften und Einzelsportler aus dem Amateur- und dem Profibereich ist die Sponsorensuche zeitraubend; es gibt viel zu beachten. Das will Andreas Kitzing ändern: Der MBA-Absolvent der Universität Cambridge hat 2014 die Internetplattform Sponsoo gegründet, die Sportler, Teams und Vereine an Sponsoren vermittelt. Man ist nach eigenen Angaben mit mehr als 3600 registrierten Mannschaften und Vereinen sowie 3500 Einzelsportlern Europas größter Marktplatz für Sportsponsoring. Ein großer Konkurrent ist die Sponsoring-Plattform Opensponsorship aus Amerika.

          Sowohl eine Mannschaft aus der Kreisliga als auch ein Bundesligaverein könnten ohne Sponsoring die Schuhe an den Nagel hängen. „Momentan werden nur sehr große Vereine und nur ein ganz paar Einzelsportler richtig professionell vermarktet“, sagt Kitzing. „Unser Ansatz ist, über einen zentralen Marktplatz einfacher und effizienter zu vermitteln, damit sich auch kleinere Sponsorings lohnen.“

          Auf Sponsoren angewiesen

          „Als Einzelsportler hast du in vielen Sportarten schon Probleme, eine Vermarktungsagentur zu finden“, berichtet der auf der Plattform registrierte Hannes Aigner, der schon olympisches Bronze und Goldmedaillen bei Kanu-Weltmeisterschaften gewonnen hat. Aigners jährliche Kosten für Verschleißmaterial liegen im mittleren vierstelligen Bereich; hinzu kommen Reise- und Hotelkosten. „Ich bin auf Sponsoring angewiesen.“ Es komme viel auf die Image-Ausrichtung an. „Ich als Leistungssportler habe eine Vorbildfunktion, was einen gesunden Lebensstil angeht“, sagt Aigner. Das grenzt die Anzahl potentieller Sponsoren ein.

          Sponsoo ist auch eine Chance für Vereine und Sportarten, auf die kein Sponsor kommen würde. Auf der Plattform findet man Armwrestler und Vereine für Menschen mit Behinderung, zum Beispiel den Hamburger Gehörlosen Sportverein. Die Suche nach einem Sponsor sei schwierig, weil der Bekanntheitsgrad des Gehörlosensports gering sei, sagt dessen Geschäftsführer Horst-Peter Scheffel. Doch nun seien Unternehmen bereit, in den Gehörlosensport zu investieren.

          Die Sportler erstellen ihre Angebote in Form von Paketen, die sie zu unterschiedlichen Preisen anbieten. So kann ein Sponsor ein Paket buchen, das eine Produktplazierung auf Social Media beinhaltet, oder eines mit Trikotwerbung. Ein Auftritt eines Olympia-Sportlers kann mehrere tausend Euro kosten, während die Trikotwerbung eines Amateursportlers im Bereich von 25 Euro im Jahr liegt.

          Wasserball funktioniert nicht

          Die Sportarten, die man bei Sponsoo eingestellt habe, funktionierten kaum, berichtet allerdings Friederike van der Laan vom Eimsbütteler Turnverband e.V. „Zwar spielen unsere Wasserballerinnen in der Bundesliga, sind aber aus verschiedenen Gründen nicht interessant für Sponsoren.“

          Sponsoos Einnahmen bestehen ausschließlich aus Provisionsgebühren, die die Sportler bei einem Abschluss entrichten. Die Provision beträgt 20 Prozent des Sponsoringaufwands. Dabei sind die Kundensegmente unterschiedlich rentabel. „Es ist am lukrativsten, eine Bande in der Bundesliga zu vermitteln“, sagt Kitzing.

          Sie sei eine standardisierte Werbefläche. „Es wird nicht lang verhandelt, und alle wissen, was sie bekommen, und zahlen einen fünf- bis sechsstelligen Betrag für einen bestimmten Werbezeitraum, meist eine Saison. Um mit demselben Aufwand auf denselben Ertrag zu kommen, müssten wir schon sehr viele Sponsorings im Amateurbereich abschließen.“

          Sponsoo hat 2018 einen Umsatz von etwa 500.000 Euro und noch keinen Gewinn erzielt. Für dieses Jahr rechne man mit einem Umsatz im unteren Millionenbereich. „Wir wachsen seit mehreren Jahren relativ konstant um den Faktor zwei bis fünf“, sagt der Geschäftsführer.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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