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Spekulationen über den Ausfall : Die größte Störung in Facebooks Geschichte

Facebook hatte von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen stundenlang Probleme. Bild: AFP

Stundenlang waren die Facebook-Plattformen nicht erreichbar. Einen so langen Ausfall hat es bislang nicht gegeben. Die Gründe sind unklar. Facebook könnte der Ausfall empfindlich treffen.

          Die größte Störung in Facebooks Geschichte gibt weiter Rätsel auf. Vom vergangenen Nachmittag an beschwerten sich rund um die Welt Hunderttausende Nutzer darüber, dass sie nicht auf die Facebook-Plattformen zugreifen konnten. Betroffen waren ebenfalls der Fotodienst Instagram, der Facebook Messenger sowie einzelne Funktionen des Chatprogramms Whatsapp. Mehr als 1,5 Milliarden Menschen nutzen Facebook jeden Tag, einen so langen Ausfall hat es bislang noch nicht gegeben. Erst um 5:41 Uhr deutscher Zeit meldete sich das Social-Media-Team von Instagram auf Twitter, um mitzuteilen, dass die Probleme behoben seien. Darunter beschweren sich aber zur Stunde immer noch Nutzer, dass sie Schwierigkeiten haben, auf ihre Konten zuzugreifen.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Was die Ursache für den mehr als zehnstündigen Aussetzer war, ist noch unklar. Facebook hat sich noch nicht detailliert geäußert. Bestätigt wurde einzig, dass es keine DDoS-Attacke gegeben habe. So wird ein Angriff bezeichnet, bei dem millionenfache Anfragen Server zur Überlastung bringen. Gegen solche Attacken sind große Unternehmen gemeinhin gut geschützt. Dass von einem Hackerangriff außerdem alle Netzwerke gleichzeitig betroffen sind, ist gleichfalls unwahrscheinlich.

          Infrastruktur auf der ganzen Welt

          Facebook, dessen Geschäftsmodell darauf basiert, ständige Verfügbarkeit seiner Dienste anzubieten, um den Nutzern Werbung zu zeigen, hat seine Infrastruktur über die ganze Welt verteilt. Auch bei spezialisierten Rechenzentrumsdienstleistern in Frankfurt sind Serverkapazitäten gemietet. In Lulea in Schweden betreibt das Unternehmen sein größtes eigenes Rechenzentrum in Europa. Auf einer eigenen Facebook-Seite informieren die Amerikaner normalerweise in Echtzeit über die statistischen Daten des Rechenzentrums, wie Strom- und Wasserverbrauch oder Außentemperatur.

          Derzeit sind die letzten verfügbaren Daten allerdings vom 10. März. Als Facebook nicht erreichbar war, konnte man freilich auch die dort angezeigten Rechenzentrumsdaten nicht einsehen. Einige Kennzahlen laufen zudem verzögert ein, das ist auch bei den anderen Facebook-Datenzentren in Prineville im Bundesstaat Oregon (https://www.facebook.com/PrinevilleDataCenter/app/399244020173259/), in Forest City in North Carolina (https://www.facebook.com/ForestCityDataCenter/app/288655784601722/) und Altoona in Iowa der Fall.

          Dass alle Rechenzentren gleichzeitig betroffen sein könnten, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Genauso wird die Domain instagram.com derzeit auf Amazon Web Services, also dem Cloudangebot des Online-Händlers Amazon, gehosted, zumindest führt eine Lokalisation der IP-Adressen zu einem Rechenzentrum in Ashburn in Virginia. Dort haben sich viele Technologiefirmen mit Datenzentren angesiedelt. Weil auch Instagram davon betroffen war, spricht abermals einiges dafür, dass es kein technisches Problem auf der Rechenzentrumsebene war – schließlich sind die Serverkapazitäten dezentralisiert.

          Werbekunden könnten Druck machen

          Gleichwohl zeigt der Ausfall auf dramatische Weise, welche Rolle Facebook im Leben vieler Nutzer spielt – und das auch Auswirkungen auf andere Dienste hat. So berichteten einige Nutzer davon, dass auch die Datingapp Tinder oder der Musik-Streamingdienst Spotify nur eingeschränkt oder gar nicht funktionierten. Die beiden Apps bieten an, ein Konto mit dem Facebook-Profil zu verknüpfen, um damit einen weiteren Log-In (und ein weiteres Passwort) zu sparen.

          Anfragen per E-Mail an Facebook-Sprecher konnten am gestrigen Abend nicht zugestellt werden, es ist allerdings unklar ob das mit den Schwierigkeiten im Facebook-System zusammenhängt. Am Abend hieß es von Facebook auf Anfrage des Nachrichtendienstes Bloomberg, dass das Unternehmen darüber nachdenke, Werber zu entschädigen. Durch den stundenlangen Ausfall sind natürlich vor allem die Werbekunden betroffen, mit denen Facebook sein Geld verdient. Dass die in dieser Zeit entgangenen Umsätze allerdings für Facebook verloren sind, ist unwahrscheinlich: Werber haben in der Regel fest vereinbarte Leistungskennzahlen – Werbespots werden also dann vielleicht mit etwas Verzögerung ausgespielt.

          Gleichwohl könnten die Entschädigungsforderungen Facebook empfindlich treffen. Schon in der Vergangenheit haben mächtige Großkunden wie Procter & Gamble immer wieder Druck auf das Soziale Netzwerk ausgeübt, etwa als Facebook zugeben musste, dass es die Kennzahlen zur Abspieldauer von Videos falsch gemessen hatte.

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