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Facebook-Kommentar : Die Erben lesen mit

Wer stirbt, hinterlässt ein hoch detailliertes digitales Echo über sich selbst. Karlsruhe ebnet jetzt den Weg für einen millionenfachen Datenzugriff.

          Der Erbe tritt an die Stelle des Verstorbenen. Diese „Gesamtrechtsnachfolge“ genannte Konsequenz gilt auch für digitale Konten, entschied nun der Bundesgerichtshof. Karlsruhe hat damit wachsende Rechtsunsicherheit eingedämmt: Denn in digitalen Konten schlummern nicht nur private Nachrichten, sondern oft auch Informationen, Dokumente und Unterlagen, auf die Hinterbliebene angewiesen sind.

          Die Richter setzen elektronische Nachrichten Briefen gleich und argumentieren damit ergebnisorientiert und intuitiv. Ein bisschen hurtig übergehen sie dabei den gewaltigen Unterschied zwischen der analogen und der digitalen Welt. Eine Schublade mit Briefen ist nicht dasselbe wie die Cloud.

          In wenigen Jahren kommuniziert die Mehrheit der Bevölkerung wie heute nur die Internetavantgarde. Sie wird Hunderttausende Nachrichten horten, Fotos und Videos, die mit anderen getauscht wurden. Wer stirbt, hinterlässt daher ein hochdetailliertes digitales Echo über sich selbst und sämtliche seiner – lebendigen – Verbindungen. Karlsruhe ebnet also auch den Weg für einen millionenfachen Datenzugriff. Das Urteil ist damit auch eine Mahnung, ein memento mori für Mails: Die Erben lesen mit.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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