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Aktionsplan gegen Terrorgefahr : Die Drohnenabwehr an Flughäfen ist längst möglich

Laut der Deutschen Flugsicherung gibt es bislang keine zuverlässige Technologie zur Abwehr von Drohnen – die Anbieter der Drohnen sehen das anders. Bild: dpa

Die Gefahr von Terroranschlägen ist real: Nach jahrelanger Untätigkeit von Politik, Behörden und Flughafenbetreibern soll die Deutsche Flugsicherung ein Sicherheitskonzept erstellen. Die Technikanbieter sind längst bereit.

          Seit Jahren warnen Fachleute vor der Gefahr von Drohnen für den Flugverkehr in Deutschland. Die Risiken gerade an den großen Drehkreuzen reichen bis hin zu Terroranschlägen mit kleinen Sprengsätzen. Doch Politik, Polizeibehörden und Flughafenbetreiber zeigten sich bislang untätig. Obwohl die Deutsche Flugsicherung (DFS) jetzt bis Ende September im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums einen Aktionsplan umsetzen soll, bleiben wichtige Fragen ungeklärt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem: Wer finanziert die neuen Systeme an den Flughäfen? Dazu gibt es keine Informationen. Die DFS winkt vorerst ab. Auf Anfrage heißt es vom Verkehrsministerium in Berlin: „Die DFS soll bestehende Aktivitäten intensivieren und neue technische Lösungen umsetzen. Die neue Technik soll schrittweise installiert werden.“

          Etwa eine halbe Million Drohnen soll es in Deutschland in privater und kommerzieller Nutzung geben. Und es werden immer mehr. Unlängst warnte der EU-Sicherheitskommissar Julian King vor Terrorangriffen mit Drohnen. Im vergangenen Jahr wurden der DFS 158 Fälle gemeldet, in denen Flugzeugpiloten Drohnenannäherungen beobachteten. Dies waren 80 Prozent mehr Vorfälle als im Jahr zuvor. Vor allem bösartige Angriffe (unkooperative Drohne) werden als Gefahr betrachtet.

          Abwehrsysteme bereits vorhanden

          Zugleich sorgt die Einschätzung der DFS, dass zur Detektion von Drohnen bislang keine zuverlässige Technologie verfügbar sei, für Verwunderung unter den Anbietern. Sie sehen sich schon seit einiger Zeit imstande, Lösungen nutzbar für die Praxis umzusetzen. „Das, was wir anbieten, gibt den Flughäfen Handlungsspielräume in der Abwehr von Drohnen. Die Technologie funktioniert“, sagt Ingo Seebach der F.A.Z. Er ist Mitbegründer des deutsch-amerikanischen High-Tech-Anbieters Dedrone, Marktführer für Luftraumsicherheit und Drohnenabwehrsysteme, der in Kassel produziert. „Wir haben schon vor einiger Zeit mit unseren Systemen internationale Flughäfen in England, den Vereinigten Staaten und inzwischen auch einen in Deutschland ausgestattet.“ Drohnenabwehrsysteme seien für Flughäfen ein Muss.

          Ähnlich sieht es Andreas Hausotter, einer der Geschäftsführer von ESC Aerospace in der Nähe Münchens. Das Bedrohungspotential von Drohnen wegen der technischen Möglichkeiten sei enorm hoch. „Deshalb ist es ein gutes Zeichen, dass sich die Verantwortlichen jetzt offenbar endlich über das massive Sicherheitsrisiko an zivilen Flughäfen durch unkooperative Drohnen bewusst sind.“ ESC Aerospace bietet in Zusammenarbeit mit anderen spezialisierten Unternehmen Komplettsysteme zum Aufspüren von Drohnen an. Zwar gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, aber nun müsse die vorhandene Technik einfach mal eingesetzt werden, sagt Hausotter. Das würde auch der weiteren Entwicklung helfen.

          SIM-Karte soll Drohne sichtbar machen

          Im vergangenen Jahr hatten kurz vor Weihnachten unbekannte Drohnen den Londoner Flughafen Gatwick mehr als zwei Tage lahmgelegt. Gleich im neuen Jahr informierten die Airport-Betreiber von Gatwick und Heathrow darüber, dass technische Geräte zur frühzeitigen Ortung von Drohnen installiert worden seien. Solche neuen Peilgeräte können zum Beispiel anhand der Radiosignale auch die Fernbedienung der Drohne und nicht nur die genaue Position des Flugkörpers aufspüren. Sicherheitskräfte erhalten damit direkte Informationen zur Flugroute und zum Standort des Drohnenpiloten.

          In Deutschland dürfen Drohnen nicht höher als 100 Meter aufsteigen, 1,5 Kilometer um Flughäfen ist ihr Einsatz verboten, Verstöße sind Straftaten. Ein Flugobjekt über Störsender zu kapern und zum Absturz zu bringen ist ohne polizeiliche Genehmigung nicht erlaubt, weil auch Mobilfunknetze außer Betrieb gerieten.

          Die DFS und die Deutsche Telekom arbeiten an einem Drohnen-Prototyp, der mittels SIM-Karte wie ein „fliegendes Handy“ Signale sendet und auf Radarschirmen sichtbar wird. „Wir drängen schon seit längerer Zeit auf Lösungen. Der neuen Herausforderung nehmen wir uns gerne an“, sagte der DFS-Sprecher bezüglich des in sechs Wochen zu erstellenden Aktionsplans.

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