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Deutsche Zulieferer auf CES : Von Robotaxis und tanzenden Robotern

  • -Aktualisiert am

Gib Pfötchen, Robohund, und schwing Dein Tanzbein – eins, zwei, drei! Bild: AFP

Roboterhunde liefern Pakete – und tanzen. Robotaxis werden per App gebucht. Die deutschen Autozulieferer lassen sich auf der Konsumelektronikmesse CES nicht lumpen. Einige sind aber deutlich weiter als andere.

          Zum Ende seines Auftritts auf der Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas lässt der deutsche Autozulieferer Continental einen Roboter tanzen. In der Casinostadt in Nevada hat das Unternehmen aus Hannover gerade eine ganze Reihe künftiger Produkte oder Dienstleistungen vorgestellt, die allesamt die Zukunft der Mobilität mitgestalten sollen. Die letzten Augenblicke aber gehören einem vierbeinigen Roboter, der eine besondere Herausforderung meistern soll, sofern tatsächlich einmal Fahrzeuge ohne menschlichen Fahrer Pakete ausliefern: Wie kommt die Lieferung dann zum Empfänger, wenn im autonomen Auto kein Fahrer mehr sitzt?

          Continentals Antwort lautet: Im automatisierten Auto warten ebenso automatisierte Roboter, die das Paket dann eigenständig zur Tür bringen oder sicher in einer Packstation oder einem Paketbriefkasten ablegen. Und da Roboter gerade unter dem technologieoffenen Fachpublikum der CES immer wieder wahre Begeisterungsstürme hervorrufen, schwingt der Lieferroboter auch noch ein wenig das Tanzbein. Es läuft Soulmusik. Der Applaus ist groß.

          Alte Geschäfte ersetzen

          Continentals Lieferroboter ist nur eines von vielen Beispielen, mit welchen Innovationen deutsche Zulieferer auf der Messe in Las Vegas vertreten sind. So unterschiedlich die präsentierten Entwicklungen im Einzelnen auch sind, haben sie doch eines gemeinsam: Sie sollen das Geschäft der Unternehmen um neue Felder erweitern und womöglich in der Zukunft wegbrechende Umsätze aus alten und auslaufenden Geschäftsfeldern ersetzen – zum Beispiel aus Sparten, die heute noch am Verbrennungsmotor arbeiten.

          Alle Innovationen orientieren sich dabei an den großen Entwicklungen der Autobranche: die fortschreitende Elektrifizierung der Antriebe, das vernetzte oder automatisierte Fahren sowie neue Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing oder Mitfahrdienste, also das sogenannte Ridesharing.

          Wettbewerb um Robotaxis

          Gerade was diese Dienstleistungen angeht, treten die drei großen Zulieferunternehmen den Ankündigungen zufolge demnächst bald auch in einen Wettbewerb. Denn ob Bosch, Continental oder ZF Friedrichshafen – alle drei präsentieren auf der CES sogenannte Roboshuttles oder Robotaxis: selbstfahrende Kleinbusse also, die Kunden per Smartphone-App buchen können, um dann von ihnen abgeholt und weiterbefördert zu werden. Allerdings befinden sich die drei Zulieferer offensichtlich in unterschiedlichen Entwicklungsstufen.

          Continental etwa hat schon im Sommer vor zwei Jahren begonnen, sein Robotaxi auf dem eigenen Werksgelände in Frankfurt zu testen. ZF wiederum will seinen in Zusammenarbeit mit der E.Go Mobile AG produzierten autonomen Transporter noch in diesem Jahr an das französische Unternehmen Transdev ausliefern. Mittelfristig soll laut ZF im Jahr eine fünfstellige Zahl der Shuttlefahrzeuge entstehen, unabhängig davon ob sie schon autonom fahren oder noch mit einem Fahrer unterwegs sind.

          Bosch dagegen spricht mit Blick auf sein automatisiertes Shuttle noch von einem „Konzeptfahrzeug“. Die dahinterstehende Technik sei aber heute schon vorhanden, sagte Mike Mansuetti, Amerikachef des Stuttgarter Unternehmens – von der Achse mit integriertem Elektromotor zu Kontrollinstrumenten, um das Fahrzeug möglichst ausfallsicher mit dem Internet zu verbinden.

          150 Billionen Rechenschritte in der Sekunde

          So einig sich die Zulieferer in Sachen autonome Shuttles sind, so sehr unterscheiden sie sich in anderen Angeboten. Bosch, das neben dem Autozulieferergeschäft auch andere Sparten im Blick hat, kündigte auf der CES an, weiter das Internet der Dinge vorantreiben zu wollen „Wir verbinden die richtige Welt mit dem Internet“, sagte Bosch-Vorstandsmitglied Markus Heyn.

          ZF wiederum setzte einen klaren Schwerpunkt auf ein neues Steuergerät für das autonome Fahren. Laut ZF handelt es sich im Falle des System „ProAI Robo Think“ um einen Supercomputer, der bis zu 150 Billionen Rechenschritte je Sekunde ausführen kann. Damit ließen sich auch komplexe Verkehrssituationen analysieren, um daraus in Echtzeit die richtige Konsequenzen zu ziehen.

          Auch im Falle dieser Technik sei ZF längst aus der Konzeptphase herausgetreten und könne ganze Systeme liefern – von den Steuergeräten für das autonome Fahren über die notwendigen Sensoren, bis hin zu der Software. „Diese Produkte sind alle jetzt schon verfügbar“, sagte Vorstandschef Scheider.

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