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Neuer Spitzenreiter : Deutsche Unternehmen sind innovativer als gedacht

Adidas ist der Studie zufolge eines der innovativsten Unternehmen der Welt. Bild: dpa

In der Rangliste der innovativsten Unternehmen der Welt sind die Spitzenreiter aus Amerika. Doch auch aus Deutschland kommen viele innovative Unternehmen – sogar noch deutlich mehr als aus China. An der Spitze gab es eine Wachablösung.

          Die ganze Liste innovativer Unternehmen ist von Amerikanern besetzt... Die ganze Liste? Nein! Ein von Weltmarktführern besiedeltes Land hört nicht auf, der Vormachtstellung Widerstand zu leisten. Deutsche Unternehmen gehören stärker als früher zu den innovativsten Unternehmen der Welt – zumindest wenn man mehr als 2500 Topmanagern glauben darf, die von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) befragt wurden.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In der Auswertung, die an diesem Montag vorgestellt wird und die der F.A.Z. vorab vorliegt, sind neun deutsche Konzerne unter den Top 50 der innovativsten Unternehmen vertreten und damit mehr als je zuvor (siehe Grafik). Zwar belegen amerikanische Unternehmen noch mehr als die Hälfte der Plätze, doch liegt Deutschland auf Rang zwei, und das mit deutlichem Abstand zu Ländern wie China, Japan oder Südkorea, die immer wieder gerne als innovativer gehandelt werden.

          „Deutsche Unternehmen haben verstanden, dass im digitalen Zeitalter echte Innovation weit über inkrementelle Verbesserungen am Produkt hinausgeht“, sagt Carsten Kratz, Chairman für Deutschland und Österreich von BCG. Die Unternehmen arbeiteten verstärkt daran, Schnittstellen für Kunden zu schaffen.

          Adidas in den Top 10

          So hat sich auch der Sportartikelhersteller Adidas in der Liste besonders stark verbessern können. Das Unternehmen aus dem bayerischen Herzogenaurach sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit mit einzelnen Produkten wie einem recycelbaren Laufschuh, richtet aber mit eigenen Läden, Smartphone-Apps und Kooperationen mit Online-Händlern wie Zalando seine Plattform immer wieder darauf aus, was die vor allem junge Zielgruppe erwartet. Das freut auch die Aktionäre; nach guten Zahlen vor allem zur Profitabilität notierte der Aktienkurs in der vergangenen Woche auf einem Allzeithoch.

          Zur guten Stimmung dürfte nun auch beitragen, dass Adidas 25 Plätze gutmachen konnte und sogar in die Top 10 eingezogen ist. Im Vorjahr war das bestplazierte deutsche Unternehmen noch Siemens mit Rang 21. Auch der Industriekonzern konnte sich in diesem Jahr verbessern und ist damit auch ein Beispiel für ein Traditionsunternehmen, das sich offenbar in der Außenwirkung gut für die Zukunft aufgestellt hat.

          „Deutsche Unternehmen profitieren von ihrer starken globalen Präsenz sowie ihrer installierten Basis an Geräten, Maschinen und Anlagen“, sagt Kratz. „Die gigantischen Mengen an Maschinendaten aus dem laufenden Betrieb werden zunehmend konsequent genutzt und verschaffen den deutschen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.“ Das einzige deutsche Unternehmen, das in den vergangenen 13 Jahren jedes Jahr unter den 50 innovativsten Unternehmen genannt wurde, ist der Automobilhersteller BMW.

          Denken in Plattformen

          „Auch in Deutschland denken vor allem die Vorreiter zunehmend in Plattformen, das sehen wir zum Beispiel an der Autoindustrie“, sagt Kratz. Dabei gehe es nicht allein um geringere Entwicklungskosten. Besonders digitale Ökosysteme sind von Partnerschaften über Industrien hinweg abhängig, in 83 Prozent der Fälle sind mehr als vier Industrien an solchen Plattformen beteiligt. Zwar gab es auch früher etwa in der Automobilindustrie Partnerschaften mit Hunderten Zulieferern, aber in den neuen Allianzen kommen eben auch Unternehmen wie Amazon, Google oder Microsoft hinzu – wovon dann auch wieder die Technologieunternehmen profitieren. Auch deshalb machen sie den Großteil der Top 10 aus.

          Die vier Unternehmen unter den ersten zehn, die auch in der ersten Umfrage schon dort vertreten waren, haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie zeigten in den vergangenen 13 Jahren immer wieder die Bereitschaft zur Veränderung. Google optimiere regelmäßig seine Algorithmen, schreiben die BCG-Studienautoren. Amazon entwickele ständig neue Angebote für seine Kunden, und IBM habe sich selbst mehrfach neu erfinden müssen, um sich vom PC-Geschäft zum Cloud Computing zu transformieren.

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          Wie das Früchte tragen kann, hat auch Microsoft gezeigt, das vierte Unternehmen, das schon 2005 unter den ersten zehn war. Gerade erst erreichte der Technologiekonzern eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar und löste Apple als wertvollstes Unternehmen ab. In der Innovationsrangliste spiegelt sich das noch nicht wider, dort liegt Microsoft hinter Apple. Aber zum ersten Mal in zwölf Jahren konnte die Google-Muttergesellschaft Alphabet am ewigen Spitzenreiter Apple vorbeiziehen. Auch der Online-Händler Amazon liegt nun vor dem iPhone-Konzern.

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