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Zusammen mit Vodafone : Der Elektro-Professor vernetzt seine Autos nun mit 5G

  • -Aktualisiert am

Prof. Dr. Günther Schuh, Chef der e.GO Mobile AG (rechts), und Hannes Ametsreiter, Vodafone Deutschland Chef Bild: obs

Mit seinem E.Go-Projekt ärgert Günther Schuh die etablierten Autohersteller schon länger. In diesem „Haifischbecken“ hat er sich jetzt einen neuen Partner gesucht und sich viel vorgenommen.

          4 Min.

          Mit seinen fünf Elektro-Mobilen, die jeden Tag hier in Aachen gebaut werden, gehört Günther Schuh nicht gerade zu den größten Automobilherstellern der Republik. Trotzdem hat der Maschinenbau-Professor, der auch an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) lehrt, mit seinem E.Go genannten Elektromobilitätsprojekt den klassischen Herstellern schon einiges an Kopfschmerzen bereitet. 

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Seit wenigen Wochen produziert Schuh mit seinen 130 Mitarbeitern im Werk-1 im Aachener Stadtteil Rothe Erde ein kleines Elektroauto namens E.Go Life. Mit einem Preis, der in der günstigsten Variante bei 16.000 Euro beginnt, greift Schuh die Hersteller an einer empfindlichen Stelle an. Denn E-Autos, so viel ist schon klar, werden viel teurer sein als Verbrenner – und trotzdem setzen von Volkswagen über BMW bis Ford alle darauf, dass sie in Zukunft die Mobilität bestimmen. Opel bietet seinen elektrischen Kleinwagen Corsa etwa bald für gut 30.000 Euro an. 

          „Elektromobilität braucht Bezahlbarkeit zum Durchbruch“, ist Günther Schuh überzeugt. „Deshalb muss man im Prozess alle Register ziehen, damit E-Mobilität nicht nur etwas für Privilegierte und Reiche ist“, sagt er. Der Professor und Unternehmer setzt vollkommen auf den Preis. Deshalb ist ihm Reichweite auch reichlich schnuppe. 100 Kilometer schafft das Auto, für Schuhs Vorstellung von Mobilität in Städten ist das ausreichend. 

          Rechenzentren direkt an der Produktion

          Bekannt geworden ist der Professor als Mitgründer des Streetscooters, das ist der elektrische Lieferwagen, mit dem die Post seit 2014 in Innenstädten ohne Emissionen unterwegs ist. Die Post will ihr Tochterunternehmen inzwischen wieder loswerden, Schuh hat sich schon als Käufer angeboten, kommentiert den Prozess aber gerade nicht. Er hat auch einen anderen Fokus: Nämlich seine eigene Produktion. Schuh sieht E.Go noch als Start-up, auch wenn er schon mehrere Werkshallen in Aachen eröffnet hat. 

          Und er schickt sich gerade an, die großen Automobilhersteller schon wieder zu ärgern. Das geht aber nicht alleine. „Wenn Sie als kleiner Fisch in einem großen Haifischbecken mitmachen wollen, brauchen Sie große Partner“, sagt Schuh und grinst während er neben Hannes Ametsreiter steht. Der ist Deutschland-Chef des Telekommunikationskonzerns Vodafone und hat mit Schuh gerade aus dem normalen Werk ein mit dem neuen Mobilfunkstandard vernetztes 5G-Werk gemacht. 

          Mit 36 Sendern ist die 8500 Quadratmeter große Halle vernetzt, durch sogenanntes Edge-Computing – also kleine Rechenzentren direkt an der Produktion – soll der gesamte Fertigungsprozess digitalisiert werden. Das wichtigste für Schuh ist dabei, dass es hauptsächlich kabellos ist und alle Informationen in einem System zusammenfließen. Es ist also in der Lieferung erkennbar, welche Teile gerade ankommen, weil diese mit RFID-Chips versehen sind und dann automatisiert erkannt werden.

          Pkws des Elektroauto-Herstellers e.Go

          Bis zu 24.000 Autos im Jahr

          Genauso sollen die Mitarbeiter an jedem Produktionspunkt erkennen, welche Schraube an welche Stelle muss. Jeder Arbeitsschritt wird zudem eingeloggt. Das ist nicht komplett revolutionär, mit RFID-Chips, also Nahfeldkommunikation, arbeitet das produzierende Gewerbe seit Jahrzehnten. Auch vernetzte Schrauber oder digitale Bildschirme an der Produktionsstraße sind keine Hexerei. Besonders ist dann allerdings die Zusammenlegung in einem System: Die ganze Inventur und der Überblick über einzelne Arbeitsschritte soll schneller ablaufen. Das Auto als digitales Produkt mit einer automatisierten Fahrzeugakte, die jederzeit überprüft werden kann.

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