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Schaeffler baut Pedelecs : Neuland mit Substanz

  • -Aktualisiert am

Links für Lasten, rechts für Menschen: Der Bio-Hybrid von Schaeffler. Bild: Schaeffler

Die Zukunft des Verbrennungsmotors ist ungewiss. Das trifft auch den Autozulieferer Schaeffler, der deshalb jetzt Pedelecs bauen will. Dessen Technikvorstand findet das Auto häufig zu langsam.

          Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler ist unter anderem bekannt als Ventilhersteller und Produzent von Schaltgetrieben für Verbrennungsmotoren. Diese beiden Unternehmenssparten machten zuletzt fast 70 Prozent des Umsatzes der Schaeffler AG im Geschäft mit der Autobranche aus, die wiederum für fast 80 Prozent des Konzernumsatzes steht; den Rest erwirtschaftet Schaeffler mit Produkten für die Industrie.

          Doch da der Verbrennungsmotor vor ungewissen Zeiten steht, sucht das Unternehmen aus Herzogenaurach wie auch andere Zulieferunternehmen nach Ersatz. Das Ergebnis der Suche hat Schaeffler nun auf der Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas vorgestellt. Mit einem Verbrennungsmotor hat es gar nichts mehr zu tun.

          Langsame Autos

          Was Schaeffler am Sonntag präsentierte, nennt sich auf Neudeutsch Pedelec. Das Kunstwort bezeichnet im Kern ein Fahrrad mit Pedalen und einem zusätzlichen Elektromotor. Die Muskelkraft des Menschen treibt das Gefährt an, doch der Elektromotor unterstützt den Fahrer dabei. Bis zu 25 Kilometer in der Stunde kann ein Nutzer mit der elektrischen Trittverstärkung schaffen. Weil dabei zwei Antriebsarten – also der Mensch und der Elektromotor – zusammenarbeiten, nennt Schaeffler sein Fahrzeug „Bio-Hybrid“.

          Zunächst soll es zwei Versionen des Gefährts geben – eines, um Güter zu transportieren, und eines für den Personentransport. Bis die Bio-Hybride auf den Markt kommen, wird es aber noch etwas dauern. Zur Jahresmitte soll zwar eine erste Testflotte in Betrieb gehen, die Serienproduktion solle aber erst im dritten Quartal 2020 beginnen, sagte Schaeffler-Technikvorstand Peter Gutzmer. Der Grund sei, dass sein Unternehmen viel Wert auf die Qualität lege, wie Gutzmer erläuterte. Wenn schon Neuland, dann bitteschön mit Substanz, soll das wohl bedeuten.

          Warum Schaeffler neue Arten der Mobilität in den Blick nimmt, erklärte Technikvorstand Gutzmer mit ein paar eindrücklichen Zahlen. „Ich will nicht gegen die individuelle Mobilität reden“, sagte er. Allerdings stoße diese gerade in Groß- und Größtstädten an ihre Grenzen. Als Beispiel nannte Gutzmer Metropolen wie Mexico City, wo die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos weniger als zehn Kilometer in der Stunde betrage. „Straßen über Straßen zu bauen wird uns dabei auch nicht helfen“, sagte der Schaeffler-Vorstand. Zumal das nicht überall möglich ist. Man müsse deshalb über „dramatische Veränderungen“ nachdenken.

          30-40-30

          So ganz lassen will Schaeffler aber auch nicht vom angestammten Kerngeschäft, also dem Verbrennungsmotor. Zu viel hängt davon ab für das Unternehmen mit 92.000 Mitarbeitern rund um die Welt und Gesamtumsätzen von zuletzt 14 Milliarden Euro im Jahr.

          Allerdings werde sich auch dieses Geschäft weiterentwickeln, wie Matthias Zink sagte, der für Schaeffler das Geschäft mit den Autoherstellern verantwortet. Schaeffler geht schon seit längerem davon aus, dass sich im Jahr 2030 zwischen den einzelnen Antriebsarten eine Verteilung von 30 zu 40 zu 30 ergeben wird. Das heißt, dass Ende des nächsten Jahrzehnts 30 Prozent der Autos über einen reinen Elektroantrieb verfügen, 40 Prozent werden als Hybride eine Mischung aus E-Motor und Verbrennungsmotor unter der Haube haben. Den Rest tragen auch weiter Motoren, die mit Benzin oder Diesel laufen.

          Zuletzt habe Schaeffler unter anderem durch Zukäufe, aber auch durch Eigenentwicklungen auf diese grundlegenden Veränderungen reagiert, sagte Zink. „Wir fühlen uns gut vorbereitet – komme, was da wolle.“

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