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Datenschutz-Panne : Amazon schickt 1700 Alexa-Sprachdateien an fremde Person

Wer hört da mit? Ein Echo-Gerät von Amazon Bild: AP

Durch einen Fehler landet ein Berg von Sprachdateien vom Amazon-Lautsprecher eines Kunden bei einem völlig Fremden. Der Fall offenbart Datenschutz-Probleme der zuhörenden Boxen. Als Kompensation schickt Amazon dem Kunden ein eher spezielles Geschenk.

          Amazon hat einem Kunden in Deutschland, der Auskunft über die von ihm gespeicherten Daten haben wollte, 1700 Sprachdateien zugeschickt. Allerdings besitzt dieser Kunde überhaupt keinen Sprachassistenten, die Dateien stammten von einer ganz anderen Person. Obwohl das zunächst ein Einzelfall ist, offenbart er ein tieferliegendes Problem in der Architektur solcher Sprachassistenten, den von ihnen gesammelten Daten und dem Schutz derselben. Zudem zeigt der Umgang des Online-Händlers mit dem Fall eindrücklich, warum so viele Menschen hierzulande den Technikkonzernen misstrauen.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Hinzu kommt: Nach Bekanntwerden der Schwachstelle hat das Unternehmen offenbar nicht so gehandelt, wie man es sich als Kunde wünschen würde. Im August erbat ein Kunde von Amazon.de im Rahmen der nun geltenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Auskunft zu seinen Daten. In dem Archiv, das er zwei Monate später erhalten sollte, waren neben 50 Dateien allerdings auch rund 1700 Audiodateien und ein PDF-Dokument, das Transkripte von Spracheingaben für den Echo-Sprachassistenten enthielt. Weil dieser Kunde auch auf Nachfrage von Amazon keine Antwort erhielt, der Konzern aber das Archiv löschte, wandte sich der Kunde an die Computerzeitschrift „C't“. Er hatte zuvor die Dateien gesichert.

          „Folge eines menschlichen Fehlers“

          Den Technikfachleuten des Magazins war es sehr schnell möglich, über die Sprachaufzeichnung den anderen betroffenen Kunden ausfindig zu machen. Dieser wurde dem Bericht zufolge erst durch die Kontaktaufnahme – und nicht zuvor durch Amazon – davon informiert. Zur Erinnerung: Zu dieser Zeit wusste das Unternehmen längst von dem Datenleck. Auf Nachfrage teilt Amazon mit: „Dieser unglückliche Fall war die Folge eines menschlichen Fehlers und ein isolierter Einzelfall.“ Das Unternehmen habe das Problem mit den beiden beteiligten Kunden geklärt und Maßnahmen zur „weiteren Verbesserung unserer Prozesse“ ergriffen.

          Welche Prozesse das genau waren, die schiefgegangen sind, beantwortet der Online-Händler nicht. Deutlich wird, dass die DSGVO-Anfragen, die derzeit bei allen Unternehmen vermehrt vorkommen, bei Amazon von Menschen bearbeitet werden. Weil auch der Kunde, dessen Sprachdateien irrtümlich verschickt wurden, eine solche Anfrage gestellt hatte, soll es zu der Verwechslung gekommen sein.

          Fachleute warnen vor Sprachassistenten

          Datenschutzfachleute warnen schon länger vor schlauen Sprachassistenten. Gleichzeitig trägt fast jeder mit seinem Smartphone ein Gerät mit sich herum, das ebenso als Wanze benutzt werden könnte. Doch dadurch, dass Alexa und Co. in Schlaf- und Wohnzimmern und damit im besonders privaten Raum stehen, ist die Skepsis groß.

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