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Breitband-Ausbau : Das schnellste Internet – für jeden dritten Haushalt

Ein Leerrohr für Glasfaser auf einem Acker vor einem Haus in Halsbach, Bayern Bild: dpa

Der Breitband-Ausbau kommt voran: In der Bundesrepublik gibt es bald über 15 Millionen gigabitfähige Anschlüsse. Der Industrie reicht das nicht.

          Wer heute schon mit Gigabittempo im Internet surfen will, hat zwei Möglichkeiten: entweder über Glasfaser oder über Fernsehkabel. Unabhängig von der Frage, ob Datengeschwindigkeiten von mehr als 1000 Megabit je Sekunde für Privatleute aktuell bereits sinnvoll sind: Immer mehr Deutschen steht ein solches Angebot zur Verfügung. Ende Juni wird es hierzulande 15,2 Millionen gigabitfähige Anschlüsse geben. Dies geht aus der ersten Gigabit-Studie hervor, die der Verband der Telekom-Konkurrenten, VATM, am Mittwoch vorgelegt hat. Damit haben 36,4 Prozent der insgesamt 41,8 Millionen Haushalte grundsätzlich Zugriff auf das schnellste derzeit verfügbare Internet.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Zahlen sind gut, die Wettbewerber bauen immer schneller“, sagte VATM-Präsident Martin Witt auf der Breitbandmesse Angacom in Köln. „Aber ohne eine konsequentere Politik, den Einsatz neuer Technologien, Bürokratieabbau und Regulierung, und ohne dass die Telekom endlich Glasfaser den Vorrang vor Kupfer einräumt, werden wir die Ziele der Bundesregierung nicht mehr erreichen können“, fügte er hinzu. Der Bund unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums hat sich vorgenommen, dass hierzulande bis zum Jahr 2025 eine gigabitfähige Infrastruktur flächendeckend aufgebaut ist. Das heißt: In sechs Jahren soll das schnellste Internet allen Haushalten zur Verfügung stehen.

          In diesem Jahr ist das Gigabitangebot schon kräftig gewachsen. Ende 2018 zählte der VATM noch 11,1 Millionen Gigabit-Anschlüsse, zur Jahresmitte 2019 sollen es mehr als 15 Millionen sein. Dieser Sprung ist vor allem dem Technologieausbau im Kabel zu verdanken. Rund vier Millionen HFC-Anschlüsse („Hybrid Fiber Coax“), also Breitbandkabelanschlüsse, wurden seit Ende vergangenen Jahres mit dem neuen Übertragungsstandard Docsis 3.1 auf Gigabitfähigkeit aufgerüstet. Die Zahl der Glasfaserkabel-Anschlüsse direkt bis zum Haus beziehungsweise zur Wohnung (FTTB/H) stieg um 10 Prozent auf gut vier Millionen. Den Großteil davon, nämlich etwa 80 Prozent, bauten die Telekom-Wettbewerber. Im VATM sind rund 120 Telekommunikations-Unternehmen und -Dienstleister vertreten. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Vodafone, Telefónica, 1&1, Freenet, Nokia, Ericsson und Huawei.

          Deutsche Telekom kommt schlecht weg

          Während das Gigabit-Angebot derzeit also stark wächst, hinkt die Nachfrage hinterher. Wenn eine Gigabit-Leitung zur Verfügung steht, heißt das schließlich nicht, dass sie von den Kunden auch aktiv gebucht wird. Faktisch nutzen Ende Juni voraussichtlich 3,7 Millionen Haushalte einen solchen superschnellen Anschluss; dies entspricht einer Quote von 24 Prozent. Der bescheidene Anteil ist nachvollziehbar: Vielen Onlinern reicht zur Zeit offenbar noch ein deutlich langsamerer Anschluss. Der Preisaufschlag für das Gigabit scheint sich für sie zur Zeit nicht zu lohnen. Noch nicht: Mit immer datenhungrigeren Internetangeboten dürfte der Nutzen eines Turboanschlusses wachsen.

          „Mit dem smarten Mix der Gigabit-Technologien kommen wir gut voran“, sagte Christoph Clément, VATM-Präsidiumsmitglied und Vodafone-Manager. Sein Mobilfunkkonzern ist gerade dabei, mit der geplanten Übernahme des Wettbewerbers Unitymedia zu einer Kabel- und Breitbandmacht in Deutschland aufzusteigen. Die Düsseldorfer sind schon heute der größte Gigabit-Anbieter: 9,2 Millionen Haushalte haben sie über Fernsehkabel an das schnelle Festnetz angeschlossen, bis Ende 2022 sollen es inklusive Glasfaser 25 Millionen sein.

          Der einstige Monopolist Deutsche Telekom kommt in der Studie der Wettbewerber dagegen nicht allzu gut weg. Das liegt auch daran, dass die Bonner derzeit vor allem auf ihr Telefonkabel setzen. Über die Kupferleitungen sind trotz Vectoring-Technologie Downloads nur zu einem Gigabit-Bruchteil möglich. Echtes Giga-Tempo erreicht die Telekom mit eigenen Anschlüssen nur über Glasfaserleitungen, von denen sie aber relativ wenige hat – ihr entsprechender Anteil unter den so anschließbaren Haushalten liegt der Studie zufolge gerade bei einem Fünftel. Rechnet man die Fernsehkabel hinzu, sind nur 5 Prozent der gigabitfähigen Festnetzanschlüsse magentafarben. Erst 2021 wollen die Bonner ihr Glasfaser-Ausbautempo deutlich beschleunigen.

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