https://www.faz.net/-gqe-9i7ea

Das Digitaljahr 2018 in Zahlen : Hackerangriffe, Milliardenübernahmen und das Netz der Zukunft

IBM-Chefin Ginni Rometty forcierte den teuersten Zukauf in der Unternehmensgeschichte. Bild: Bloomberg

Im Jahr 2018 prägten schwindelerregend hohe Zahlen die Digitalwelt. Während ein Unternehmen den teuersten Zukauf seiner Geschichte tätigte, musste ein anderes die höchste jemals verhängte EU-Strafe zahlen. Doch auch kleine Ziffern waren wichtig.

          87 Millionen Nutzer sind von dem bislang größten Skandal um das soziale Netzwerk Facebook betroffen. Im März wird bekannt, dass Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Nutzerdaten verschafft hat. Das britische Unternehmen hat im amerikanischen Wahlkampf den späteren Präsidenten Donald Trump unterstützt. Facebook wird scharf kritisiert, Unternehmensgründer Mark Zuckerberg muss sich vor dem amerikanischen Kongress und vor EU-Abgeordneten in Brüssel erklären. Der Skandal begleitet Facebook das gesamte Jahr, noch im Winter werden neue Anschuldigungen zum Umgang mit der Sicherheitslücke laut. So soll Facebook versucht haben, die öffentliche Meinung zu Kritikern des sozialen Netzwerks zu beeinflussen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          30 Milliarden Dollar ist der Musik-Streamingdienst Spotify wert, als er im April in New York an die Börse geht. Der Marktführer in diesem Bereich wählt mit einer Direktplazierung einen ungewöhnlichen Weg auf das Parkett. Das schwedische Unternehmen schreibt zwar noch Verluste, wächst aber rasant. Spotify liegt deutlich vor dem schärfsten Konkurrenten Apple Music, was die Zahl der Abonnenten angeht. In einem turbulenten Börsenjahr geht es allerdings auch für die Schweden später bergab: Zum Jahresende liegt der Börsenwert nur noch bei rund 25 Milliarden Dollar.

          2 Jahre nach der Übergangsphase gilt von Mai an die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Das neue Gesetz stärkt die Rechte der Verbraucher. Sie können Informationen darüber verlangen, welche Daten über sie gespeichert werden. Unternehmen müssen sie darüber aufklären, zu welchem Zweck Name, E-Mail-Adressen oder die Anschrift erhoben werden.

          Milliardenstrafe

          36 Jahre lang hat Brian Krzanich für Intel gearbeitet, drei Jahre davon war er Chef des Technologiekonzerns. Im Juni reicht er allerdings seinen Rücktritt ein, nachdem eine frühere Beziehung zu einer Mitarbeiterin bekannt wurde. Krzanich hatte dadurch gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens verstoßen, auch wenn die Beziehung einvernehmlich war. Einen Nachfolger hat Intel auch zum Jahresende noch nicht gefunden.

          40 Milliarden Dollar wollte der Chipkonzern Qualcomm für den europäischen Halbleiter-Spezialisten NXP bezahlen. Doch der Übernahmeversuch platzte nach fast zwei Jahren – weil die chinesischen Wettbewerbsbehörden ihre Freigabe verweigerten. Qualcomm wollte NXP vor allem für das Geschäft mit autonom fahrenden Autos kaufen.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          4,34 Milliarden Euro Strafe muss Google zahlen, weil der Suchmaschinenkonzern nach Ansicht der EU-Kommission seine Marktmacht missbraucht hat. Das ist die höchste Strafe, die die Behörde in Brüssel jemals verhängt hat. Mit dem Betriebssystem Android schade das Unternehmen den Verbrauchern und Wettbewerbern. Drei Jahre hatte die EU den Fall um Android untersucht – mit dem Ergebnis, dass Google seine marktbeherrschende Stellung für die Suchmaschine mit dem Betriebssystem stärken wollte. Google kündigte zunächst an, das Urteil anzufechten und teilte später mit, dass es als Folge der Strafe in Zukunft andere Gerätehersteller bezahlen lassen will, wenn sie die Google-Apps benutzen.

          Teuerster Kauf in der Unternehmensgeschichte

          7 Agenten des russischen Militärgeheimdienstes wirft der Westen vor, hinter besonders schweren Hackerangriffen zu stecken. Die Vereinigten Staaten klagen die GRU-Agenten unter anderem wegen einer Attacke auf die Welt-Anti-Doping-Agentur an. Enttarnt wurden die Agenten in den Niederlanden, als sie versuchten, sich in das Netz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu hacken. Dadurch, dass es zahlreiche Bilder von Überwachungskameras und neben gefälschten Ausweisen sogar Hackerwerkzeuge in Autos gefunden werden, sind die Agenten schnell überführt.

          34 Milliarden Dollar zahlt IBM für den Linux-Spezialisten Red Hat. Der traditionsreiche IT-Konzern will sich mit der Übernahme im Geschäft mit offener Software, sogenannten Open-Source-Anwendungen, stärken. Die sind vor allem in der rasant wachsenden Geschäftssparte des Cloud-Computing wichtig. Dort will sich IBM gegen Konkurrenten wie Amazon, Microsoft oder Google positionieren. In den 107 Jahren Unternehmensgeschichte hat IBM noch nie so viel Geld für ein Unternehmen bezahlt.

          5G heißt eines der Zukunftsprojekte in der Digitalisierung in Deutschland. Die Bundesnetzagentur hat im November die Weichen für den Ausbau des schnellen Datennetzes gestellt: Im Frühjahr sollen die Vergaberegelungen für die Versteigerung der 5G-Frequenzen vorliegen. Nach Wunsch der Regulierungsbehörde sollen bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent den Zugang zum schnellen Mobilfunk haben.

          Null Vertrauen

          500 Millionen Gäste des Hotelkonzerns Marriott sind von einem der größten Hackerangriffe des Jahres betroffen. Daten von Kunden der Tochtergesellschaft Starwood, zu der unter anderem die Marken Westin, Le Méridien und Sheraton gehören, wurden von Hackern gestohlen. Von einigen Gästen seien auch verschlüsselte Kreditkartendaten erbeutet worden. Und zwar möglicherweise inklusive der Dateien zur Entschlüsselung. Im Fall von 327 Millionen Hotelgästen gehe es um Informationen wie Namen, E-Mail-Adressen, Anschriften, Passnummern, Geburtsdatum sowie den Aufenthaltszeitraum.

          4 Jahre nachdem Apple seinen Bezahldienst Apple Pay im Heimatmarkt Amerika gestartet hat, kommt der Dienst im Dezember auch nach Deutschland. Im Sommer hatte Google schon seinen eigenen Bezahldienst gestartet. Nicht teil an den Diensten nehmen die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Sie bieten eigene Apps zum mobilen Zahlen an.

          0 Vertrauen hat Google zum Ende in sein eigenes soziales Netzwerk Google Plus. Die Online-Plattform konnte nie ein ernsthafter Konkurrent zu Unternehmen wie Facebook werden. Im Oktober musste Google einräumen, dass sein Netzwerk jahrelang ein Datenleck hatte. Der Internetkonzern hatte die Schwachstelle schon im Frühjahr entdeckt, aber zunächst verschwiegen. Nachdem Google im Dezember eine weitere Lücke entdeckte, teilte das Unternehmen mit, den Einstellungstermin von Google Plus auf April 2019 vorzuziehen.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Simon Fujiwaras „It’s a Small World (The Square)“ (2019) auf der Istanbul Biennale

          Istanbul-Biennale : Moleküle gegen Staaten

          Die Kulturszene der Türkei lässt die Knochen knacken: ein Besuch in Istanbul, wo auf der Biennale und im neuen Museum Arter die Teilchen den Aufstand proben.

          Baden-Württemberg : Grüne mit 38 Prozent auf Rekordhoch

          Winfried Kretschmann will bei der kommenden Landtagswahl wieder als Spitzenkandidat antreten. Bei den Wählern im Südwesten stößt das auf große Zustimmung.
          Retourkutsche: Oliver Bierhoff reagiert auf die Angriffe aus München.

          Torwartdebatte : Bierhoff weist Hoeneß-Kritik zurück

          Der DFB reagiert auf die Angriffe aus München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff weist die Kritik von Uli Hoeneß zurück. Der Bayern-Aufsichtsratschef hatte den DFB wegen der Haltung in der Torwartdebatte um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen kritisiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.