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Gefahr durch Cyberkriminalität : Wie sicher sind unsere Fingerabdrücke?

  • Aktualisiert am

Nicht ungefährlich: Auch mit Fingerabdrücken können Geschäfte gemacht werden. Bild: dpa

Im Dark Web werden nicht mehr nur Waffen oder Drogen gehandelt. Auch biometrische Daten gehören mittlerweile offenbar zum Angebot von Cyberkriminellen.

          Sind unsere biometrischen Daten noch sicher? Diese Frage wirft eine neue Recherche der „Story im Ersten“ auf. Demnach werden weltweit Millionen Fingerabdrücke und Iris-Scans gestohlen und von Cyberkriminellen im Dark Web zum Verkauf angeboten. Schon heute seien viele Millionen Menschen von biometrischem Datendiebstahl betroffen, heißt es in dem Bericht. Das Dark Web ist eine Art Paralleluniversum des Internets, das von Suchmaschinen nicht erfasst wird.

          Die Daten würden meist aus großen Datenbanken oder schlecht gesicherten Übertragungssystemen abgefischt. So sei etwa die mit 1,2 Milliarden Daten größte Datenbank der Welt in Indien nachweislich nicht vor illegalen Zugriffen geschützt. Reporter hätten vor Ort mit mehreren Personen gesprochen, deren Fingerabdrücke gestohlen wurden.

          Laut dem Bericht sind mittlerweile Hunderte Ausweise mit gestohlenen biometrischen Daten im Dark Web im Umlauf. Den Reportern sei ein Reisedokument mit freier Wahl der biometrischen Merkmale für einen Preis von 3000 Euro angeboten worden. Die europäische Grenzagentur Frontex habe zudem auf Anfrage bestätigt, dass es „einige Fälle von gefälschten Pässen mit einem manipulierten Chip in der EU und im Schengenraum“ gebe.

          Sicherheitsexperten warnen vor sorglosem Umgang

          Auch in Deutschland besteht dem Bericht zufolge Grund zur Sorge. So gebe es seit zehn Jahren eine Sicherheitslücke bei Fingerabdruckscannern, die in deutschen Einwohnermeldeämtern im Einsatz seien. Da die Übermittlung des Fingerabdrucks vom Gerät zum Computer unverschlüsselt erfolge, sei das System ein Einfallstor für Kriminelle. Hersteller des Scanners ist die Firma Dermalog, die zum bundeseigenen Unternehmen Bundesdruckerei gehört. Dermalog habe die Sicherheitslücke eingeräumt, das Bundesinnenministerium halte das Gerät jedoch für „angemessen sicher“, heißt es in dem Bericht.

          Laut Thomas Goger, Pressesprecher und Oberstaatsanwalt bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern, laufen zumindest in seiner Dienststelle derzeit keine Verfahren wegen biometrischen Datendiebstahls. Er könne die Rechercheergebnisse der „Story im Ersten“ „weder bestätigen noch dementieren“, sagte er im Gespräch mit FAZ.NET. Man habe mehrere Angebote gefälschter Reisedokumente im Dark Web überprüft, sei jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass es sich in den meisten Fällen um Vorkassebetrug handele – Kunden bestellen einen gefälschten Pass, leisten eine Anzahlung und stehen am Ende mit leeren Händen da. Es sei zwar richtig, dass es im Dark Web zahlreiche Angebote für Pässe unterschiedlicher Qualitätsstufen gibt. „Derzeit sind mir aber keine Fälle von Missbrauch biometrischer Daten bekannt“, so der Oberstaatsanwalt.

          In dem Bericht warnen Sicherheitsexperten vor einem sorglosen Einsatz digitalisierter biometrischer Merkmale als Zugangscodes etwa für die Entsperrung des Smartphones, für Bankkonten oder Smart-Home-Systeme. Verbraucher könnten sich nicht auf die Qualität der eingesetzten Software verlassen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass bislang eigentlich alle Datenbanken hackbar sind und auch gehackt wurden“, wird Cyber-Sicherheitsexperte Gunnar Porada zitiert. Besondere Vorsicht gelte deshalb bei biometrischen Daten. Eine pauschale Aussage über die Sicherheit einzelner Systeme lasse sich jedoch nicht treffen, sagte Oberstaatsanwalt Goger.

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