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Cyberkriminalität : EU-Kommission warnt vor Gefahren für 5G-Netz

Huawei-Logo in Peking. Bild: AFP

Der chinesische Konzern Huawei steht mit Blick auf den Ausbau der 5G-Netze schon länger in der Kritik – von Seiten der amerikanischen Regierung, aber nun auch der Europäischen Kommission. Die Netze, so die Befürchtung, sind anfälliger für Cyberangriffe und Spionage.

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          Die starke Rolle des chinesischen Telekomkonzerns Huawei beim Ausbau der zukunftsweisenden 5G-Netze steht schon seit längerem im Zentrum der Kritik der amerikanischen Regierung, aber auch der Europäischen Kommission. Beide befürchten, dass die Netze dadurch anfällig für chinesische Hackerangriffe und Spionage werden. Die Kommission hat nun abermals vor dem Risiko von Cyberspionage gewarnt, die von Nicht-EU-Staaten, aber auch staatlich unterstützten Akteuren aus diesen Ländern ausgehe. Sie könnten das Interesse, die Absicht, vor allem aber auch die Fähigkeit haben, ausgefeilte Angriffe auf die 5G-Netze durchzuführen. Das ist das Ergebnis einer Risikoanalyse, die die Kommission mit den EU-Staaten und der Europäischen Agentur für Cybersicherheit (Enisa) erstellt hat.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Huawei selbst wird in dem Bericht in diesem Zusammenhang ebenso wenig genannt wie China. Daran, dass der Konzern gemeint ist, besteht aber kein Zweifel. Der zuständige Kommissar, der Brite Julian King, hatte die Huawei-Kritiker schon im Februar im Gespräch mit der F.A.Z. unterstützt. Er habe sich in den vergangenen Monaten auch für den Ausschluss des chinesischen Konzerns vom Ausbau der neuen Netze eingesetzt, heißt es in Brüssel. Damit habe er sich aber nicht durchsetzen können. Ein Grund dafür ist, dass es bisher keinen Beleg dafür gibt, dass Huawei tatsächlich im großen Stil Spionage betreibt. Auch die Bundesregierung will einzelne Anbieter beim Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes nicht ausschließen, hat aber zusammen mit den Sicherheitsbehörden einen Kriterienkatalog erarbeitet, der erfüllt werden muss.

          Der EU-Bericht betont, dass die Gefahren für die Sicherheit der Telekomnetze nicht auf das 5G-Netz beschränkt seien. Da die 5G-Netze aber anders funktionierten als die bestehende Infrastruktur, stehe die EU vor neuen Herausforderungen. Das hänge nicht zuletzt mit der Komplexität der Technologie zusammen. Hinzu komme, dass die Abhängigkeit von der Technologie wegen der damit verbundenen stärkeren Vernetzung der Produktion (Stichwort Industrie 4.0) steigen werde. Huawei lobte den faktenbasierten Ansatz des Berichts.

          „Wir begrüßen, dass die EU nicht einzelne Akteure oder Staaten ins Visier nehme“, teilte das Unternehmen mit. Huawei sei ein zu 100 Prozent privates Unternehmen, für das hohe Cybersicherheitsstandards Spitzenpriorität hätten. Die EU will bis Ende des Jahres Kriterien dafür erarbeiten, wie die in dem Bericht genannten Risiken verringern werden können. Weitere Schritte sollen erst im Herbst 2020 ergriffen werden. Eine Option könnte dabei sein, den Marktanteil von Telekomkonzernen beim Ausbau der 5G-Netze grundsätzlich auf 50 Prozent zu begrenzen. Das träfe dann aber auch europäische Unternehmen, sprich Ericsson und Nokia.

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