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Vom Diensthandy entfernt : Whatsapp ist Arbeitgebern zu heiß

  • -Aktualisiert am

Manche Unternehmen erlauben zwar private Nutzung des Firmenhandys, aber die geschäftlichen Daten müssen in einem separaten Bereich gespeichert werden. Bild: dpa

Nicht nur Continental verbannt bestimmte Nachrichtendienste aus Datenschutzgründen von den Diensthandys. Auch andere deutsche Unternehmen sind verunsichert – und gehen lieber auf Nummer sicher.

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          Die Ende Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung könnte für den beliebten Nachrichtendienst Whatsapp zu einem Problem werden und in Unternehmen zu Unmut in der Belegschaft führen. Denn viele Arbeitgeber überlegen derzeit, die Nutzung solcher Angebote auf Diensthandys und -tablets zu verbieten. Am Dienstag hat der Autozulieferer Continental mit dem Hinweis auf die neuen Datenschutzbestimmungen ein solches Verbot für rund 36.000 Mobiltelefone seiner Mitarbeiter erlassen. Der Bann trifft auch den Whatsapp-Wettbewerber Snapchat. Die F.A.Z. hatte als Erste vorab über diesen Schritt berichtet (lesen Sie den exklusiven Bericht hier mit FAZplus).

          Stein des Anstoßes ist die Praxis solcher Messenger-Dienste, auf das gesamte Telefonbuch des Nutzers zuzugreifen, um anzuzeigen, welcher Kontakt den Dienst ebenfalls nutzt. Um der neuen Verordnung zu folgen, müssten Whatsapp-Nutzer nun von jeder Person im Adressbuch die Zustimmung zum Teilen ihrer Daten mit den Diensten einholen. Dies sei im Alltag „nicht ausreichend zuverlässig und damit praktisch untauglich“, erklärt Continental seine Entscheidung. Zwar lässt sich die Funktion auch ausschalten, doch damit würde die Nutzungsqualität erheblich eingeschränkt. Bei Verstößen gegen die Verordnung drohen Unternehmen empfindliche Geldstrafen. Snapchat wehrt sich allerdings gegen die Kritik. „Continental liegt falsch mit der Behauptung, unser Umgang mit der DSGVO wälze die Last auf den Nutzer ab“, sagte ein Sprecher. Anders als bei anderen Plattformen bleibe es Snapchat-Nutzern überlassen, ob sie Zugriff auf die Kontakte erlauben. Von Whatsapp gab es zunächst keine Reaktion.

          Nur für private Zwecke

          Auch in anderen Unternehmen stehen Whatsapp und Co. auf dem Prüfstand, wie eine Umfrage der F.A.Z. ergab. Mit dem Chemiekonzern BASF prüft ein weiteres Dax-Mitglied derzeit die Vereinbarkeit mit dem Datenschutz. Bislang sei die Nutzung „auf Anfrage und auf freiwilliger Basis möglich. Unsere Mitarbeiter werden vor der ersten Nutzung explizit darauf hingewiesen, dass Whatsapp technisch unvermeidbar auf Daten, wie zum Beispiel Kontakte, zugreift“, heißt es in Ludwigshafen. Auch Beiersdorf klopft mögliche Einschränkungen ab. Allerdings hat die Kommunikation über Whatsapp dem Nivea-Konzern schon einmal aus der Patsche geholfen: Als alle IT-Systeme im Juni vergangenen Jahres durch einen Hackerangriff lahmgelegt wurden, stiegen Mitarbeiter auf den Messenger um.

          Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen prüft ebenfalls drastische Schritte. Bisher empfiehlt man dem Personal lediglich den Verzicht. Deutschlands Vorzeige-IT-Konzern SAP wiederum erlaubt nach eigenen Angaben grundsätzlich die Nutzung von Messenger-Diensten auf Dienstgeräten, allerdings nur für private Zwecke und ohne Zugriff auf das lokale Adressbuch: „Wir arbeiten derzeit an einer technischen Lösung, die private von Firmenkontakten trennt und somit die Nutzung von Whatsapp erleichtern soll“, heißt es dort.

          Gibt es Alternativen?

          Das zeigt, wie schwierig der Umgang mit dem Thema ist. Denn in vielen Unternehmen verschwimmen die Grenzen zwischen privat und dienstlich bei der Hardware. Entweder benutzen Mitarbeiter das eigene Tablet, um abends noch Dienstmails zu beantworten, oder das Diensthandy gegen eine Pauschale auch privat. Manches Unternehmen scheut auch davor zurück, den Mitarbeitern die Benutzung von beliebten Diensten zu untersagen. Andere wie Volkswagen, Siemens oder Rheinmetall haben dagegen schon vor der Datenschutzgrundverordnung aus Sicherheitsgründen ein Verbot erlassen.

          In Banken geht es um besonders sensible Kundendaten. Mitarbeiter der Commerzbank dürfen zwar ihr Diensthandy privat nutzen, „der Zugriff auf geschäftliche Daten und die entsprechende Kommunikation erfolgen jedoch in einem abgesicherten und separaten geschäftlichen Bereich“, heißt es. Die öffentlich-rechtliche Landesbank Hessen-Thüringen dagegen ist rigoroser. Ihre Diensthandys erlauben keinen Zugriff auf gängige App-Stores. Mitarbeiter brauchen daher ein privates Handy für Messenger-Dienste.

          Es gibt auch Alternativen: Die Schweizer App Threema wirbt damit, dass sie als bezahltes Programm kein wirtschaftliches Interesse daran habe, Daten zu teilen. Zudem ist bei Threema die Angabe einer Telefonnummer freiwillig. Somit ist eine völlig anonyme Nutzung möglich, die Kontaktaufnahme erfolgt dann über einen Code. Für Unternehmen hat Threema einen eigenen Arbeits-Messenger eingeführt, der mit der Datenschutzgrundverordnung zu 100 Prozent konform sei.

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