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Cloudsparte AWS : Die Sonne hinter Amazons Wolken

Das Zeichen von Amazons Datenwolke: Das Logo der Cloudsparte AWS heißt die Besucher auf der Tagung in Berlin willkommen. Bild: Matthias Lüdecke

Amazons Cloudsparte ist in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gewachsen. Doch was machen Unternehmen eigentlich in der Cloud? Amazons Anspruch geht weit über die bloße Datenspeicherung hinaus.

          „Wenn Sie mich vor zwei Jahren gefragt hätten, wie wir die Cloud nutzen, hätte ich gesagt, die nutzen wir gar nicht und die werden wir auch in absehbarer Zeit nicht benutzen“, sagt Torsten Haferlach. Er ist Mediziner und leitet das private Münchner Leukämielabor (MLL). 60 Prozent aller Blutkrebsdiagnosen in Deutschland gehen eigenen Angaben zufolge durch die Labore seines Unternehmens. Mehr als 80.000 Fälle jedes Jahr. Da die Mediziner dabei mit höchst sensiblen Daten hantieren, hätten sie die Nutzung eines Datenspeichers im Internet zunächst „definitiv ausgeschlossen“.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch irgendwann, erzählt Haferlach, habe man es nicht mehr ausschließen können. Denn zur richtigen Diagnose der Leukämie arbeiten die Münchner mit der Sequenzierung von Genomen. Der daraus über 14 Jahre entstandene Datensatz ist inzwischen 2,4 Petabyte groß – das sind 2,4 Millionen Gigabyte. „Das Problem war: Wo lagern wir die Daten?“, sagt Haferlach. Allein ein Rechenzentrum mit dieser Speicherkapazität zu errichten, hätte eine halbe Million Euro gekostet, berichtet der Mediziner – sämtliche Betriebskosten noch nicht berücksichtigt. „Und dann haben Sie auch nur Lagerung, können mit den Daten noch nicht rechnen.“

          Daten nicht nur aufzubewahren, sondern sie mit verschiedenen Diensten zu analysieren und so einen Mehrwert zu erzeugen, ist für viele Mittelständler neben großen Speicherkapazitäten das zweite Argument dafür, einen Cloudanbieter unter Vertrag zu nehmen. Meist ist es zwar immer noch so, dass wer „Cloud“ hört, zuerst nur an Online-Speicher denkt. Hat man die Daten einmal im Netz, kann man sie von verschiedenen Geräten aus abrufen – diese Funktionsweise kennen Privatnutzer von ihren Smartphones, wenn sie Apples iCloud oder Google Drive verwenden. Für Unternehmen bedeutet die Cloud aber wesentlich mehr, als nur Daten im Internet abzuspeichern.

          Amazon will eigene Unternehmens-IT überflüssig machen

          Anbieter wie die Cloudsparte des Versandhändlers Amazon, AWS (Amazon Web Services) haben keinen geringeren Anspruch, als Informationstechnologie-Abteilungen in Unternehmen überflüssig zu machen. Eigene Firmen-Rechenzentren gehören in Amazons Denkweise schon heute der Vergangenheit an. „Im Prinzip versuchen wir, IT genauso handhabbar zu machen wie Stromversorgung zu Hause“, sagt Amazons Technologievorstand Werner Vogels im Gespräch mit FAZ.NET. „Man nutzt sie, dann bezahlt man für die genutzte Menge.“

          Vogels betont vor allem die leichtere Kalkulierbarkeit der Cloudnutzung: „Früher war IT etwas, das man im Voraus bezahlen musste, während man nicht wusste, wie viel man von ihm nutzen würde. Kaufte man zu viele Kapazitäten, war der Finanzchef böse, kaufte man zu wenig, waren die Nutzer böse.“

          Tatsächlich müssen AWS-Kunden keine Server mieten, sondern bezahlen stets nur für die Anzahl von Abfragen oder Diensten, die sie nutzen. Dieses Prinzip und die große Bandbreite von möglichen Diensten haben AWS zum Marktführer für Clouddienstleistungen gemacht, mehr als 80 Prozent der Dax-Unternehmen benutzen nach Unternehmensangaben Amazons Clouddienste. Auf Platz zwei der Cloudanbieter liegt Microsoft mit seiner Plattform Azure, die direkt mit AWS konkurriert.

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