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Google Stadia : Spielen wir bald ohne Konsole oder Computer?

Der Messestand von Google Stadia auf der GDC in San Francisco. Bild: AFP

Google will mit seiner neuen Plattform Stadia das Zocken in die Cloud verlegen. Wird das den Gaming-Markt umkrempeln? Auch Amazon und Microsoft setzen auf die Cloud.

          Die neuesten Videospiele spielen, ohne sich dafür eine Konsole oder einen hochwertigen Computer kaufen zu müssen – das verspricht Google mit seiner gerade enthüllten neuen Videospielplattform „Stadia“. Google-Vorstandschef Sundar Pichai persönlich kündigte das Projekt auf der Entwicklerkonferenz GDC in San Francisco an. Stadia soll Spielern ermöglichen, sowohl auf Computern, Fernsehern, Tablets als auch auf Smartphones spielen zu können, ohne dass die Hardware für das Spielerlebnis übermäßig relevant ist. Zwischen den Plattformen soll man wechseln und so ein Spiel auf dem Fernseher anfangen und auf dem Handy weiterspielen können.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Das soll funktionieren, indem die Spiele technisch nicht auf dem eigenen Gerät, sondern in der Cloud, das heißt auf einem Großrechner im Rechenzentrum, laufen und nach Hause nur gestreamt werden. Der Rückkanal, der die Befehle des Spielers wieder zurück zur Cloud leitet, läuft über einen von Google selbst entwickelten Controller, der nicht mit einem lokalen Gerät verbunden ist, sondern selbst eine Internetverbindung hat. Das soll Google zufolge so kurze Übertragungszeiten garantieren, dass sich das Spielen genauso anfühlt wie auf der eigenen Konsole. Die Plattform soll noch in diesem Jahr in Nordamerika und Europa online gehen.

          Phil Harrison, für Stadia verantwortlicher Vice President von Google, stellt den selbstentwickelten Controller vor.

          Googles Schritt zum „Cloud Gaming“ spiegelt einen Trend wider, der sich in der Branche seit einiger Zeit abzeichnet. Schon auf der Leitmesse Gamescom im vergangenen Jahr sagte Yves Guillemot, Chef des größten europäischen Videospielherstellers Ubisoft, dass durch Streaming die Spieler „in Zukunft“ auf verschiedenen Geräten spielen könnten, ohne eine Konsole haben zu müssen. Folgerichtig kündigte Ubisoft auch als erstes großes Studio eine Kooperation mit Googles neuer Cloud-Plattform an. „Die Leistung und leichtere Erreichbarkeit von Streaming schafft Milliarden von nie dagewesenen Möglichkeiten für Videospiele in der Zukunft“, sagte er. „Wir sind stolz, mit Google bei Stadia zusammenzuarbeiten.“

          Google ist nicht der erste auf dem Markt

          Dass mit Google einer der Tech-Riesen nun offensiv auf Spiele aus der Cloud setzt, hat in der Branche zahlreiche Menschen aufhorchen lassen. Felix Falk, Geschäftsführer des Videospiel-Bundesverbands Game, ist dennoch zurückhaltend. „Welche Auswirkungen der Eintritt von Google in den Cloud-Gaming-Markt haben wird, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen“, sagt er. „Spielen in der Cloud hat geringere Eintrittshürden als normale Videospiele, weil man sich dafür keine spezifische Hardware kaufen muss.“ Doch es gebe auch eine Reihe von anderen Anbietern, die mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen schon Cloud-Gaming anböten, weitere hätten angekündigt, Angebote zu entwickeln.

          „Wie erfolgreich Google werden wird, hängt maßgeblich auch davon ab, was für ein Geschäftsmodell sie verfolgen werden“, sagt Falk. Angeblich hat Google darüber und über die entsprechenden Preise schon entschieden, will sie aber erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben. Klar dürfte aber sein, dass statt des herkömmlichen Modells, sich ein Spiel für einen Preis zu kaufen, ein monatlicher Preis für das Spielen aller Spiele verlangt wird – ähnlich wie es Netflix mit Serien und Spotify mit Musik machen.

          Wird es ein kostenloses Angebot geben?

          Ubisoft-Chef Guillemot spekulierte in einem Interview des Fachmagazins „Gamespot“, dass Spieler auch die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten haben könnten: „Entweder man zahlt einen Vollpreis, oder man registriert sich nur kostenlos und spielt eine oder zwei Stunden pro Tag. Es wird viele Möglichkeiten geben“, sagte er. Vor allem Hersteller mobiler Spiele für Smartphones und Tablets setzen alternativ auf den Free-to-play-Ansatz, das Spiel an sich komplett kostenlos zu machen und Umsätze über In-App-Käufe wie Zusatzfeatures oder digitale Gegenstände zu generieren, auch das wäre für Stadia denkbar.

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