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Cambridge Analytica : Facebooks nächstes Russland-Problem

  • Aktualisiert am

Eine Drohnenaufnahme zeigt das nächtlich erleuchtete Moskau Bild: AFP

Das umstrittene Unternehmen Cambridge Analytica soll illegal Daten von Facebook-Nutzern abgegriffen haben, um Donald Trump zum Wahlsieg zu verhelfen. Jetzt werden Kontakte nach Russland bekannt.

          Das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica steht im Zentrum eines großen Facebook-Politik-Skandals – und jetzt werden Verbindungen des Unternehmens nach Russland bekannt. Cambridge Analytica rühmt sich, Donald Trump beim Wahlsieg in den Vereinigten Staaten geholfen zu haben. Das Unternehmen analysiert die Profile von Facebook-Nutzern nach psychologischen Kriterien und will dann in der Lage sein, die politischen Botschaften auf die Psyche der Nutzer zuzuschneidern. Ob das tatsächlich funktioniert, ist nach wie vor unsicher. Viele einflussreiche Leute im Unternehmen stehen Trump nahe.

          Am Wochenende allerdings wurde der Vorwurf laut, das Unternehmen habe für die Wahlkampagne Trumps mit Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern gearbeitet, die das Unternehmen gar nicht haben durfte. Die Daten wurden von einem Forscher der Universität Cambridge, Aleksandr Kogan, mit Hilfe einer App erhoben, berichten die „New York Times“ und der „Observer“ – soweit entsprach das den Nutzungsbestimmungen von Facebook. Kogan allerdings habe die Daten an Cambridge Analytica und ein anderes Unternehmen weitergegeben. Das ist nach Facebook-Regeln nicht erlaubt. Nach den Recherchen der Zeitungen verbannte Facebook das Unternehmen am Wochenende von seiner Plattform.

          Auch der Datenanalyst, der jetzt öffentlich über das Vorgehen gesprochen hat, wurde nach eigenen Angaben von Facebook ausgeschlossen. Das Unternehmen hat offenbar eine interne Untersuchung eingeleitet.

          Aleksandr Kogan hatte Kontakte nach Russland

          Jetzt berichtet der „Observer“ weiter, Cambridge-Forscher Aleksandr Kogan habe Kontakte nach Russland. An der Universität in Sankt Petersburg habe er Vorlesungen gehalten, unter anderem über „neue Methoden der Kommunikation als wirksames politisches Instrument“. Er habe staatliches russisches Forschungsgeld genutzt, um die Wirkung sozialer Medien zu untersuchen.

          Laut dem Bericht nennt Kogan diese Verbindungen nicht in seinem öffentlichen Lebenslauf, hat sie aber wie vorgeschrieben bei der Universität angezeigt. Kogan selbst sagt in der Zeitung, seine Russland-Kontakte hätten nichts mit Cambridge Analytica zu tun. Seiner Erinnerung zufolge habe das Russland-Projekt erst ein Jahr nach dem Ende seiner Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica begonnen.

          Cambridge Analytica bewarb sich um Lukoil-Auftrag

          Zudem soll sich das Unternehmen Cambridge Analytica um einen Auftrag des Kreml-nahen Energiekonzerns Lukoil beworben haben. Das Unternehmen habe sich für die Technik des Unternehmens im Zusammenhang mit dem Ölgeschäft interessiert. Von einem Geschäftsabschluss berichtet der „Observer“ nicht. Er zitiert das Unternehmen damit, ein Projekt mit Lukoil sei nicht zum Abschluss gekommen. Firmenchef Alexander Nix hatte britischen Parlamentariern noch im vergangenen Monat gesagt, das Unternehmen habe nie mit russischen Organisationen gearbeitet.

          Wie Russland über Facebook Einfluss auf die Politik in den Vereinigten Staaten nimmt, ist gerade ohnehin in der Diskussion. Facebook musste schon zugeben, in großem Stil von Akteuren mit Verbindungen zur russischen Regierung instrumentalisiert worden zu sein. Facebook hat eigenen Angaben zufolge Zehntausende Einträge russischen Ursprungs mit politisch brisanten Inhalten gefunden, die 126 Millionen Nutzern gezeigt wurden. Außerdem wurden politische Anzeigen geschaltet, die von zehn Millionen Nutzern gesehen wurden. Mit der russischen Einmischung auf Facebook und anderen Internetdiensten beschäftigt sich die Politik, und Vertreter der Unternehmen waren zu Anhörungen vor dem amerikanischen Kongress. Ihnen ist vorgeworfen worden, dass sie nicht genug gegen die Manipulationen getan haben.

          Mark Warner, ein Politiker der Demokratischen Partei, der sich in einem Senatsausschuss mit den Einmischungsmanövern beschäftigt und der die Internetunternehmen scharf kritisiert hat, sah sich durch die Vorwürfe gegen Cambridge Analytica darin bestätigt, dass der Kongress handeln müsse, um mehr „Transparenz und Verantwortlichkeit“ in das Geschäft mit politischen Online-Anzeigen zu bringen. Er nannte die Enthüllungen „zusätzliche Beweise, dass der Markt für politische Online-Anzeigen im Prinzip der Wilde Westen ist“. Am Samstag kündigte Maura Healey, die Generalstaatsanwältin von Massachusetts, eine Untersuchung der Angelegenheit an.

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