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Bundeswehr-Werbekampagne : Ist Krieg was für „Multiplayer“?

Klein unter dem Plakat heißt es: „Mach, was wirklich zählt. Lerne Teamwork kennen und bewirb dich für eine Karriere bei der Bundeswehr.“ Bild: Bundeswehr

„Mehr Multiplayer geht nicht“, plakatiert die Bundeswehr zur Gamescom und zeigt dazu eine Gruppe Soldaten. Eine Verharmlosung des Tötens? Die Truppe findet: Nein.

          Eine Gruppe Soldaten steht im Sonnenuntergang und blickt konzentriert zu einer Seite, mutmaßlich einem Feind entgegen. Im Hintergrund steht ein Soldat an einem Maschinengranatwerfer. Darüber zieht sich groß die Schlagzeile „Multiplayer at its best!“ Etwas kleiner heißt es unten: „Echte Kameradschaft statt Singleplayer-Modus? (...) Lerne Teamwork kennen und bewirb dich für eine Karriere bei der Bundeswehr.“

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darüber ist ein großer Hinweis auf den Stand der Bundeswehr auf der Gamescom, der weltgrößten Videospielmesse in Köln, zu der noch bis Samstag Gamer aus ganz Deutschland pilgern. Auf einem weiteren Plakat heißt es „Mehr Open World geht nicht!“, dazu sieht man einen Wald und mehrere fasziniert schauende Soldaten. Plakate wie diese hängt die Truppe derzeit im Kölner Stadtgebiet auf.

          Vorwurf: Die Werbung banalisiert das Töten

          Multiplayer, Singleplayer und Open World sind Begriffe aus der Videospielersprache. Vor allem in den sozialen Medien erntet die Bundeswehr dafür einen Sturm der Entrüstung. Der Vorwurf: Die Werbung banalisiere das Töten und wolle unbedarfte Gamer an die Waffen locken.

          „Absoluter Fail auf der Gamescom sind für mich die Bundeswehr“, schreibt etwa der Nutzer Dennis Werth. „Videospiele mit Krieg auf eine Stufe stellen. Wahnsinn.“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Krieg ist kein Spiel und eure Werbung suggeriert das absichtlich mit Floskeln, die in der Gaming-Welt gang und gäbe sind... Schämt euch, das ist widerwärtig!“

          Die Bundeswehr selbst geht mit ihrer Kampagne offensiv um. „Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was wirklich zählt: Krieg spielen oder Frieden sichern?“, schreibt die Truppe selbst in ihrem Twitter-Account. „Mit der Plakatierung wollen wir junge Erwachsene im Umfeld der Gamescom zum Nachdenken bringen, wofür sie ihre Zeit beziehungsweise Zukunft einsetzen. Auf der 'Spiele-Messe' soll damit ein ernstes Thema angesprochen werden“, erklärt ein Sprecher der Bundeswehr in Köln.

          Es sei beabsichtigt, dass die Plakate aussähen wie Rezensionen für ein neues Spiel, sagt er weiter. Damit sollten sie Aufmerksamkeit erzeugen und dann „die Sinnfrage“ stellen. Auf den zweiten Blick erkenne man in ihnen die Werte der Bundeswehr, namentlich Kameradschaft und den Einsatz für eine freie Welt, sagt der Sprecher.

          Der Gamescom-Stand der Bundeswehr – den es schon seit der ersten Gamescom vor zehn Jahren gibt – ist auch in diesem Jahr gut besucht. Viele der Besucher interessieren sich ernsthaft für eine Laufbahn bei der Truppe. Doch einige sind auch explizit gekommen, um sich über die Werbekampagne zu beschweren. „Das geht gar nicht“, sagt einer der Besucher am Stand.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels wurde das Gerät auf dem Bundeswehrplakat irrtümlich als Maschinengewehr bezeichnet. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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