https://www.faz.net/-gqe-98vjo

Umstrittenes Marketing : Bundesregierung gibt fünf Millionen Euro für Werbung in sozialen Netzwerken aus

  • Aktualisiert am

Als Chef des Bundespresseamtes auch zuständig für Werbeausgaben: Steffen Seibert Bild: dpa

Nicht nur Unternehmen, auch die Bundesregierung nutzt Facebook, Instagram und Co. als Werbeplattform. Ihre Ausgaben dafür sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen.

          Die Bundesregierung zahlt einem Medienbericht zufolge inzwischen Millionenbeträge für Werbung in sozialen Netzwerken. Im vergangenen Jahr seien 4,98 Millionen Euro für Anzeigen in Facebook, Instagram und Twitter ausgegeben worden, berichtete die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion. Die Ausgaben erhöhten sich dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren rasant. 2010 habe sich die Bundesregierung diese spezielle Form der Werbung noch gut 2.800 Euro kosten lassen. 2013 seien es bereits mehr als 156.000 Euro gewesen.

          Facebook hatte am Freitag erklärt, Werbeanzeigen mit politischen Inhalten strenger kontrollieren zu wollen. Bei entsprechenden Beiträgen müsse künftig ausgewiesen werden, wer für die Werbung bezahlt, erklärte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Freitag. Zudem würden der Standort und die Identität des Auftraggebers verifiziert. Das Online-Netzwerk will damit Manipulationsversuche wie die mutmaßliche russische Einflussnahme im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 erschweren.

          Schon im Oktober hatte das Unternehmen verschärfte Regeln für Wahlwerbung angekündigt, nun weitet das Unternehmen die Kontrollen aus. Anzeigen im Zusammenhang mit wichtigen politischen Debatten müssen nach Angaben des Internetkonzerns künftig eindeutig als "politische Werbung" gekennzeichnet werden. Eine Liste mit entsprechenden Themen werde in Zusammenarbeit mit externen Organisationen erarbeitet, kündigte Facebook an.

          Unternehmen will „tausende neue Mitarbeiter“ einstellen

          Die Maßnahmen könnten Missbrauch nicht gänzlich verhindern, sagte Zuckerberg. Doch es werde schwerer, gefälschte Facebook-Konten und Seiten für die Verbreitung von Werbung zu nutzen - "was die Russen während der Wahl 2016 getan haben". Russland sieht sich immer wieder mit Vorwürfen über Manipulationsversuche im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton konfrontiert. Moskau weißt die Anschuldigungen zurück.

          Facebook will laut Zuckerberg "tausende neue Mitarbeiter" einstellen, um die neuen Kontrollen vor der amerikanischen Kongresswahl im November umzusetzen. "Wir beginnen in den Vereinigten Staaten und weiten es in den kommenden Monaten auf den Rest der Welt aus", sagte Zuckerberg. Mit Blick auf die "bevorstehenden wichtigen Wahlen in Amerika, Mexiko, Brasilien, Indien, Pakistan und weiteren Ländern" habe es für ihn oberste Priorität, Versuche der Einflussnahme zu unterbinden.

          Facebook steht derzeit wegen des Skandals um die mutmaßliche Abschöpfung der Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit durch die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica unter massivem Druck. Cambridge Analytica hatte die Nutzerdaten mittels einer App mit einem Persönlichkeitstest abgefischt. Durch die App erlangte die Firma auch Zugriff auf die Daten von Facebook-"Freunden" der Testteilnehmer. In der Europäischen Union sind bis zu 2,7 Millionen Menschen von dem Datenskandal betroffen. Es besteht der Verdacht, dass diese Daten unter anderem zur Wählerbeeinflussung bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 benutzt wurden.

          Am Freitag wurde bekannt, dass Facebook schon vor zweieinhalb Jahren über den Datenverlust informiert worden war. Cambridge Analytica habe dem Konzern damals versichert, dass er die Daten gelöscht habe, sagte Facebook-Geschäftsführerin Sandberg dem öffentlichen Radiosender NPR. Facebook habe sich dann nicht weiter um die Angelegenheit gekümmert. Dies sei ein Fehler gewesen. Facebook "nicht genug getan hat", um die Daten der Nutzer zu schützen, sagte Sandberg. Es sei auch nicht auszuschließen, dass es weitere Datenlecks gegeben habe, sagte sie dem Fernsehsender NBC. Entsprechende Untersuchungen seien im Gange.

          Weitere Themen

          Was ging schief in Venezuela? Video-Seite öffnen

          Wirtschaft am Abgrund : Was ging schief in Venezuela?

          Den Menschen in Venezuela fehlt es an allem. Die Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten ist katastrophal, ständig fällt der Strom aus und aktuell wird das Benzin knapp - in einem der erdölreichsten Länder der Welt. MADE sucht nach Ursachen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.