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Bundesbank-Präsident : Weidmann warnt vor digitalem Zentralbankgeld

  • Aktualisiert am

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bleibt lieber analog – auch mit seinen Akten. Bild: Reuters

Gravierende Auswirkungen, stärker schwankende Nachfrage und eine gefährdete Finanzstabilität – Bundesbank-Präsident Weidmann sieht digitales Zentralbankgeld sehr kritisch. Anderswo sind die Überlegungen schon deutlich weiter fortgeschritten.

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          Bundesbank-Präsident Jens Weidmann steht Überlegungen zur Einführung von digitalem Zentralbank-Geld eher skeptisch gegenüber. Die Bedenken sollten nicht leichtfertig weggewischt werden, sagte Weidmann am Mittwoch in Frankfurt. „Digitales Zentralbankgeld für einen breiten Nutzerkreis hätte – je nach Ausgestaltung – möglicherweise gravierende Auswirkungen.“ Ein solches Cybergeld für jedermann könne die Geschäftsmodelle von Banken grundlegend verändern. Die Nachfrage danach sei dann womöglich größer und schwankungsreicher als jene nach Bargeld.

          Aus Weidmanns Sicht wäre die Finanzstabilität mit der Einführung von digitalem Zentralbank-Geld im Krisenfall womöglich stärker gefährdet. Denn dann gäbe es eine zusätzliche, sehr sichere Alternative für Anleger, die dann womöglich viel schneller und massiver eine „Flucht in Sicherheit“ und einen Ansturm auf Banken auslösen könnte als in der Vergangenheit.

          Mit seinen Warnungen steht Weidmann nicht alleine da. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatte 2018 in einer Studie auf solche Gefahren hingewiesen und Notenbanken zur Vorsicht geraten. Haushalte könnten dann etwa im Krisenfall in großem Stil versuchen, Ersparnisse von ihren Konten abzuziehen und als Digital-Geld in Sicherheit zu bringen.

          In Europa sind Überlegungen zur Einführung einer eigenen Cyberwährung in Schweden weit fortgeschritten. Dort prüft die Riksbank schon seit einiger Zeit mit der sogenannten E-Krona eine Alternative zum Bargeld. In Schweden ist das bargeldlose Zahlen generell schon deutlich weiter verbreitet als in anderen europäischen Ländern. Einer Erhebung zufolge bezahlten dort 2018 nur noch 13 Prozent aller Befragten ihre Einkäufe bar verglichen mit 39 Prozent im Jahr 2010.

          Weidmann ist gegenwärtig für die Nachfolge des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi im Gespräch. Seine Chancen dürften auch davon abhängen, ob der Deutsche Manfred Weber Kommissionspräsident wird. Sollte sich Weber durchsetzen, dürfte Weidmann chancenlos sein. Erst am Dienstag hatte sich der CDU-Wirtschaftsrat für Weidmann stark gemacht.

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