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Eine Milliarde Hefte verkauft : Ein ungeheuerliches Projekt

  • -Aktualisiert am

So sieht der Held der erfolgreichsten Heftserie der Welt aus. Bild: Picture-Alliance

Die Buchbranche taumelt, aber einer kriegt nichts davon mit: An diesem Freitag erscheint der dreitausendste Teil von „Perry Rhodan“.

          Wer den Anspruch erhebt, eine Großmacht zu sein, darf das Weltall nicht vernachlässigen. Also haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unter dem Label „Space Race“ während des Kalten Kriegs ihre Raumfahrttechnik hochgerüstet. Darauf wiederum reagierte der deutsche Pabel-Moewig-Verlag am 8. September 1961, indem er die auf rund fünfzig Bände angelegte, wöchentlich erscheinende Science-Fiction-Reihe „Perry Rhodan“ in den Handel brachte.

          Aus fünfzig Bänden sind mittlerweile sechzigmal so viele geworden. „Perry Rhodan“ ist die erfolgreichste Heftserie der Welt. An diesem Freitag erscheint ihr dreitausendster Teil namens „Mythos Erde“, die Autoren sind Christian Montillon und Wim Vandemaan.

          Hinzu kommen Sonderausgaben und Comics, E-Books und Hörbücher, Miniserien und die als Neubeginn konzipierte Reihe „Perry Rhodan Neo“. Außerdem sind einstweilen zahllose Ableger mit der beliebten Figur Atlan und die sogenannten Silberbände erhältlich. Letztere schließen die schon veröffentlichten Romane in überarbeiteter Form zusammen.

          Immer wieder wurde die Serie als literarischer oder, je nach Lage gehegter Ressentiments, protoliterarischer Hallraum historischer Entwicklungen betrachtet. So konnten frühe Leser Außerirdische zum Beispiel als böse Russen identifizieren.

          Eine Milliarde Hefte verkauft

          In den Siebzigern reizte Perry Rhodan als Großadministrator des Interstellaren Imperiums die Linken. Kurze Zeit später wurde in den Heften vor allem geredet: Einfühlung, auch in Aliens, war das Gebot der Völkerverständigungsstunde. Als wollte sich der Verlag mit einem ironischen Augenzwinkern selbst loben, prangt auf dem 2948. Teil namens „Sunset City“ die Tagline: „Sie sind die besten Wissenschaftler der Liga – sie arbeiten an einem ungeheuerlichen Projekt“.

          Das Projekt „Perry Rhodan“ ist ebenso ungeheuerlich. Mehr als hundert Autoren haben an den Büchern mitgewirkt. Wer die Seiten der Heftromane addiert, wird dem Verlag zufolge auf 180.000 kommen, was rund 540 Millionen Zeichen entspricht. Insgesamt wurde bislang etwa eine Milliarde Hefte verkauft.

          Die Startauflage soll bei 30.000 Exemplaren gelegen haben, wobei sich das nicht überprüfen lässt. Katrin Weil, die Marketing-Managerin des Verlags, sagt, die entsprechenden Unterlagen lägen nicht mehr vor. Die aktuelle Auflage beläuft sich auf rund 60.000 Hefte.

          Das ist nicht zuletzt deswegen imposant, weil der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Sommer die Ergebnisse einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung vorstellte: Zwischen 2013 und 2017 haben mehr als sechs Millionen Deutsche, die zuvor regelmäßig lasen, kein Buch mehr gekauft. Das bedeutet, dass im siebten Jahr hintereinander weniger Bücher veräußert wurden – ein Rückgang von nahezu 18 Prozent. Die Umsätze sind um 1,6 Prozent gesunken, die Verkäufe der Buchhandlungen um 5 Prozent.

          Um „Perry Rhodan“, so scheint es, muss man sich vorerst keine Sorgen machen. Ob die vielen Abnehmer all die Hefte erwerben, um sie zu lesen oder um sie eingetütet im Sammelordner abzulegen, spielt keine Rolle, denn gekauft ist gekauft. Daher resümiert Klaus Frick, der Chefredakteur der Reihe: „Dank der Ideen der Autorinnen und Autoren können wir mit ,Perry Rhodan‘ getrost in die Zukunft blicken.“

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