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Jugendschutz in Großbritannien : Pornos nur mit Reisepass

  • -Aktualisiert am

Briten müssen ab Juli ihr Alter nachweisen, um auf Pornoseiten zugreifen zu können. Bild: dpa

Die britische Regierung will Minderjährige vor jugendgefährdenden Inhalten schützen und reguliert den Zugang zu Pornoseiten. Datenschützer sind alarmiert und warnen: Letztlich könne die Sperre genau das Gegenteil bewirken.

          Die britische Regierung wird ab dem 15. Juli den Zugang zu pornographischen Internetseiten streng regulieren. Kommerzielle Anbieter von Pornographie in Großbritannien werden dann verpflichtet, das Alter ihrer Nutzer zu überprüfen, um sicherzustellen, dass keine Minderjährigen auf die Inhalte zugreifen. Webseiten, die sich nicht daran halten, könnten mit Strafzahlungen von bis zu 250.000 Pfund belegt oder für britische Nutzer komplett gesperrt werden.

          Unter dem neuen Gesetz werden Nutzer ihre Kreditkarten-, Reisepass- oder Führerscheindaten hochladen müssen, um nachzuweisen, dass sie über 18 Jahre alt sind. Alternativ soll es möglich sein, an Kiosken gegen Vorlage eines Altersnachweises für 4,99 Pfund einen Zugangspass zu erwerben. Umgesetzt würde die Richtlinie voraussichtlich auf vielen Webseiten mithilfe des Verifizierungssystems Age-ID des Unternehmens Mindgeek, das auch mehrere große Pornoseiten betreibt.

          Der Konsum von Pornos ist im Vereinigten Königreich weit verbreitet. In einer Umfrage der BBC gaben im März 77 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen an, im vorherigen Monat pornographische Inhalte angesehen zu haben. Age-ID rechnet mit einem Markt von 25 Millionen potentiellen Nutzern für seine Dienste. Das Unternehmen sagt, Nutzerdaten würden verschlüsselt gespeichert. Außerdem werde nicht aufgezeichnet, welche Inhalte Kunden konsumierten.

          „Junge Menschen werden die Sperre umgehen“

          Die britische Digitalministerin Margot James sagte dazu: „Erwachseneninhalte sind momentan online zu leicht für Kinder verfügbar. Die Einführung verpflichtender Altersüberprüfungen ist weltweit die erste ihrer Art.“ Sie hätten sich die Zeit genommen, Privatsphäre-Bedenken und das Bedürfnis auszubalancieren, Kinder vor unangemessenem Material zu schützen. Man wolle das Vereinigte Königreich „zum sichersten Ort der Welt, um online zu gehen“, machen. Die britische Regierung beruft sich auf eine Umfrage, nach der 88 Prozent der Eltern im Vereinigten Königreich strengere Jugendschutzkontrollen forderten. Noch im März hatten aber laut einer Yougov-Umfrage 76 Prozent der Briten noch nie von dem neuen Pornofilter gehört.

          Liberale Gruppen kritisierten die neue Regulierung hart. Matthew Lesh, Forschungsleiter des marktwirtschaftlichen, nach eigenen Angaben neoliberalen Adam-Smith-Instituts, sagte: „Es ist enttäuschend, dass die Regierung mit diesem schlecht durchdachten Plan voranprescht.“ Das Gesetz verpflichte Nutzer, ihre Identität mit ihren Online-Nutzungsgewohnheiten zu verknüpfen, und sei eine ernste Bedrohung für die Privatsphäre, ein „riesiges Geschenk für Betrüger“ und es werde noch nicht einmal funktionieren: „Junge Menschen werden einfach die Sperre umgehen und dabei letztlich noch extremerem Material ausgesetzt.“

          Die Bürgerrechtsorganisation Open Rights Group bezeichnet die neue Regulierung als „gefährlich und unverantwortlich“. Jim Killock, der Geschäftsführer der Organisation, sagte: „Datenlecks könnten katastrophal sein.“ Die Regierung müsse Privatsphäre schützen, bevor ihr eigenes Gesetz dazu führe, dass „Menschen geoutet, Karrieren zerstört und Selbsttötungen provoziert“ würden. Der Pornofilter hätte eigentlich schon im April greifen sollen. Die Regierung musste die Einführung aber verschieben, weil es technische Schwierigkeiten bei der Umsetzung gab.

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