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Digitale Lösung : Dieses Unternehmen will Kassenbons abschaffen

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Vielleicht freut sich ja auch diese Kassiererin in Frankfurt über die Abschaffung von Kassenbons. Bild: Stefanie Silber

Kassenbons sind unübersichtlich und verursachen viel Müll. Ein Bremer Unternehmer hat vor, sie durch eine digitale Version zu ersetzen.

          Die Idee ist Amir Karimi gekommen, als er in einer langen Schlange an der Supermarktkasse stand, ein Kunde für seinen Einkauf den Kassenbon mitnehmen wollte und die Papiertrolle mal wieder leer war. Warum lässt man sich den Beleg nicht einfach aufs Handy schicken, dachte er sich.

          Mobiles Bezahlen funktioniert ja schließlich auch. Zwar gibt es schon Individuallösung einzelner Händler, aber noch keine allgemeine App für papierlose Kaufbelege, die händlerübergreifend allen zur Verfügung steht, ergab seine Recherche. Damals noch in der Werbebranche tätig und auch dort mit digitalen Lösungen befasst, machte sich Karimi vor etwa zwei Jahren an die Entwicklung. Inzwischen beschäftigt das von ihm und dem Unternehmer Gerd Köster gegründete Bremer Unternehmen A&G GmbH zwölf Festangestellte. Gemeinsam haben sie das „admin“ (steht für Administration) genannte System entwickelt und wollen es jetzt marktreif machen.

          Weniger Müll, mehr Überblick

          Karimi hat viele Argumente für seine App. Mit ihrer Nutzung lasse sich vor allem die Umwelt schonen. Denn täglich würden im Handel etliche Kilometer Kassenzettel gedruckt, viele davon landeten sofort im Müll. Zudem bestehen vieler dieser handelsüblichen Bons aus Thermopapier. Dieses Material, das in den Restmüll und nicht etwa ins Altpapier gehört, wird die Europäische Union ab 2020 wegen der Beschichtung mit der schädlichen Chemikalie Bisphenol A verbieten.

          Aus Sicht von Karimi stellt die App zudem eine effiziente Alternative zur unübersichtlichen Zettelwirtschaft dar. Denn vielfach landeten die Quittungen irgendwo im Portemonnaie, in der Einkaufstüte oder der Schublade. Werden sämtliche Belege elektronisch aufs Handy geschickt und gleich in die verschiedensten elektronischen Unterordner einsortiert und gespeichert, muss später nicht gesucht werden, wo denn der alte Kassenzettel für eine Reklamation oder die Quittungen für die Steuererklärung oder die Spesenabrechnung sein könnten.

          Die Nutzer erhalten zudem dank dieses digitalen Archivs für Kassenzettel einen besseren Überblick über ihre Ausgaben, sagt Karimi. „Man kann die Zettel wie in einem Haushaltsbuch sortieren oder absetzbare Belege gleich an den Steuerberater weiterleiten.“

          Schweizer sind interessiert

          Das „admin“-System besteht nach seiner Erläuterung neben der App aus einer Software- und einer Hardware-Komponente für die Verkaufskasse im Geschäft. Sobald die Ware bezahlt ist, übertrage das Kassensystem den Kassenzettel auf das Smartphone. Das geschehe über die sogenannte Nahfeldkommunikationstechnik (NFC). Alternativ könnten sich Nutzer über einen QR-Code identifizieren.

          Die bisherige Resonanz des Handels beschreibt Karimi als gut bis abwartend. Der Schweizer Händler Migros beispielsweise habe sich sehr positiv geäußert. Bei den von ihm befragten Endverbrauchern, die auf Wunsch ja auch weiterhin den Papierzettel haben könnten, sei er ebenfalls auf breite Zustimmung gestoßen. Für seine Leistung will das Unternehmen einen Cent je Kassenbon berechnen. Das sei deutlich billiger als ein physischer Papierkassenbon, der den Händler rund 3 Cent koste, wie Karimi vorrechnet.

          Mit Epson wurde schon ein großer Anbieter von Belegdruckern auf das Jungunternehmen aufmerksam. Zwar wurde inzwischen eine Zusammenarbeit vereinbart, an einen Ausstieg denkt Karimi deshalb aber keinesfalls. „Unsere Unternehmen ist für die nächsten fünf Jahren aus eigener Kraft durchfinanziert“, bekräftigt er. Die Kooperation mit Epson solle vielmehr vornehmlich dem Zweck dienen, eine möglichst massentaugliche digitale Lösung für bisher noch gedruckte Kassenbons zu etablieren.

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