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Länder vs. Bund : Blockade des Digitalpakts bringt Unternehmen auf die Palme

Michael Heinz, Lenkungskreisvorsitzender der Wissensfabrik - Unternehmen für Deutschland e.V. und BASF-Vorstandsmitglied macht Selfies am Girls’-Day. Bild: obs

Für das Gezeter der Länder beim Digitalpakt hagelt es harsche Kritik aus der Wirtschaft. Besonders deutliche Worte findet BASF-Vorstand Michael Heinz: Wenn Deutschland das Tempo nicht erhöhe, sei man „raus aus dem Turnier“.

          Michael Heinz ist der Kragen geplatzt. „Der Widerstand der Länder gegen den Digitalpakt stößt bei mir auf Ablehnung“, twitterte der BASF-Vorstand am Dienstag wütend. Über zwei Jahre habe man diskutiert, schreibt er, und als Beleg für die vertane Zeit setzt er ein Ausrufezeichen. Jetzt, „zwei Jahre!“ später finde man Unzulänglichkeiten. „Wir sind einfach extrem langsam. Unsere Entscheidungsprozesse sind analog.“ Die Schulen müssten weiter warten. Michael „Mike“ Heinz ist nicht nur Vorstand und Arbeitsdirektor des größten Chemiekonzerns der Welt, er spricht als Vorsitzender auch für die „Wissensfabrik“, ein Netzwerk aus 140 Unternehmen und Stiftungen, das angetreten ist, Naturwissenschaft und Technik in Schulen privat zu fördern.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Nach Heinz’ Worten fehlen in Deutschland 340.000 Fachkräfte mit einer Basis in naturwissenschaftlich-technischer Bildung. So könne es nicht weitergehen. „Es wird von der Politik einfach zu wenig gemacht. Wir reden jetzt schon seit zwei Jahren über den Digitalpakt, und bis heute hat es noch nicht einmal die dafür nötige Grundgesetzänderung gegeben.“ Für Heinz zwei verlorene Jahre. Selbst wenn der Pakt komme, „reicht das Geld bei weitem nicht aus“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z.

          Deutliche Worte kommen auch vom Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). „Bund und Länder müssen sich nun rasch einigen. Sonst verstreicht weitere wertvolle Zeit für die Zukunftssicherung auch der Beruflichen Bildung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Für unsere Unternehmen, die sich bei der Ausbildung engagieren, ist eine schnelle Einigung beim Digitalpakt sehr wichtig. Denn insbesondere die Berufsschulen müssten lieber gestern als morgen ausgebaut werden.“

          „Dann sind wir raus aus dem Turnier“

          Die Bundesländer hatten Anfang der Woche die nötige Grundgesetzänderung für die Umsetzung des mit 5 Milliarden Euro ausgestatteten Digitalpakts geschlossen abgelehnt. Sie sehen ihre Bildungshoheit bedroht. Strittig ist vor allem die geplante Regelung, nach der sie Programme des Bundes zur Hälfte mitzufinanzieren hätten. Nun soll ein Vermittlungsausschuss die Pläne grundlegend überarbeiten.

          Das Unverständnis in der Wirtschaft ist groß. Die „Wissensfabrik“ versucht schließlich schon seit 2005 das Interesse an Wissenschaft und Technik zu fördern. Die Initiative wurde damals von Jürgen Hambrecht (BASF), Franz Fehrenbach (Bosch) und Berthold Leibinger (Trumpf) ins Leben gerufen. Die beteiligten Unternehmen gehen Partnerschaften mit Schulen, Hochschulen und Start-ups ein, liefern Materialien für den Unterricht, schulen Lehrer, stellen Mentoren zur Seite. 3000 solcher „Bildungspartnerschaften“ habe der Verbund geschlossen, sagt Heinz. Die Versäumnisse der Schulpolitik könne er damit aber nicht ausgleichen.

          Schon beim Werken fehle es an allem: an Materialien, Räumen, Zeit und Wissen. Der Mangel ziehe sich weiter. Bei der Digitalen Bildung hingen die Schulen hoffnungslos zurück. Jugendliche müssten schon deshalb etwas von IT verstehen, weil sie deren Zukunft bestimme. „Die müssen wissen, wie die Gesellschaft funktioniert, für die sie einmal verantwortlich sein werden.“ Die Unternehmen der Wissensfabrik fordern nach seinen Worten nicht nur Geld und eine bessere IT-Infrastruktur. „Es muss ein ganzheitliches Konzept her, weg vom klassischen Unterrichten hin zum fächerübergreifenden Ansatz.“ Länder wie Kanada oder Singapur machten es vor. Das Umdenken fange bereits in der Lehrerausbildung an. „Lehrer brauchen mehr Freiräume, um Neues auszuprobieren. Und wir müssen sie befähigen, mit den Geräten umzugehen und die technologischen Hintergründe zu verstehen.“

          Heinz bringt die Idee von Profilschulen ins Gespräch, mit Fächerschwerpunkten für besonders begabte Schüler. Solche Schulen liefen dem Ideal einer breiten Bildung für alle nicht zuwider. „Es gibt Sporteliteschulen, und doch bleibt Sport ein Querschnittsfach für alle. Das ist kein Widerspruch.“ Es gehe darum, Bildung ganzheitlich zu denken. „Wir brauchen nicht zwangsläufig mehr Informatik-Unterricht, sondern müssen Informatik und Digitalisierung als Querschnittsfunktion sehen.“ Digitalisierung und humanistische Bildung seien kein Gegensatz. Wenn Deutschland das Tempo nicht erhöhe, „dann geht es im internationalen Wettbewerb nicht mehr um die Frage, wer am Ball ist. Dann sind wir raus aus dem Turnier.“

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