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Facebook-Kommentar : Bittere Befragung

Mark Zuckerberg im Europäischen Parlament Bild: Reuters

Facebook-Chef Zuckerberg tritt vor dem Europäischen Parlament auf – und die Befragung zeigt: Europas Politik hat Facebook wenig entgegenzusetzen. Die Verbraucher geben dem Konzern Macht.

          „Ich habe Ihnen sechs Ja-oder-Nein-Fragen gestellt, und ich habe keine einzige Antwort bekommen“ – es ist ein bitteres Fazit des belgischen Europaabgeordneten Philippe Lamberts am Ende der Befragung von Mark Zuckerberg. Kein Wunder. Wer in seinem Leben schon häufiger Hauptversammlungen besucht hat, weiß, wie der Hase läuft. Jeder Vorstand einer Aktiengesellschaft, der eine solche Veranstaltung glimpflich überstehen will, lässt seine Aktionäre erst einmal eine Weile reden und ihre Fragen stellen – um diese dann in Blöcken gebündelt zu beantworten. Diese Vorgehensweise macht es möglich, zum einen Publikum und Fragesteller gleichermaßen zu ermüden. Zum anderen hält dann niemand mehr so ganz genau nach, welche Frage nun wirklich wie detailliert im Wortsinne beantwortet worden ist. Die Vorgehensweise ist auch ein Grund dafür, dass Hauptversammlungen meist eine öde Angelegenheit sind. Eine wirkliche Aktionärsdemokratie gibt es nicht, auch weil die großen Fonds oder auch Stimmrechtsvertreter selten in Opposition zur Verwaltung gehen.

          Als Fragesteller kann man im Rahmen eines solchen Ablaufs kaum vermeiden, ausmanövriert zu werden – und wenn es doch einmal gelingen sollte, sich durchzusetzen, dann nur, wenn man sich an zwei wichtige Prinzipien hält. Erstens: Nicht eitel herumschwafeln. Zweitens: Schnell auf den Punkt kommen; Fragen stellen, die sich alle im Saal merken können und kaum Ausweichmöglichkeiten zulassen. Eine gute Frage muss mindestens so gut überlegt sein wie die Antwort.

          Als der Facebook-Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg vor Mitgliedern des Europäischen Parlaments in Brüssel zu Gast war, haben die Parlamentarier alle Fehler gemacht, die in deutschen Hauptversammlungen ausschließlich den Kampf um die Wiener Würstchen am Buffet spannend machen. So mag es auch in vergleichbaren Runden in Brüssel üblich sein, das Fragen gesammelt beantwortet werden. Aber im Umgang mit Zuckerberg, den man so gut zu greifen bekommt wie einen glitschigen Fisch, war es ein fataler Fehler. Und selbst diejenigen Parlamentarier, die sich an die Grundregeln eines erfolgreichen Fragestellers gehalten haben, wurden enttäuscht, weil das Format Zuckerberg die Möglichkeit dazu gab.

          Ein Amerikaner hat den Europäern ihre Grenzen aufgezeigt

          Das aber ist nur das eine. Viel schlimmer ist, dass hier ein Amerikaner den Europäern ihre Grenzen aufgezeigt hat – und dass dies weitgehend ohne Konsequenzen bleibt. Wenige Tage, bevor in Europa die Datenschutzrundverordnung (DSGV) in Kraft tritt, hat Zuckerbeg zwar gesagt, dass sein Unternehmen dieselbe selbstverständlich einhalten wird. Aber was heißt das schon? Wer sein virtuelles Freundes-Netzwerk behalten möchte, hat den Bitten von Facebook zur Datenauswertung nun ganz bewusst ja zu sagen, als Kunde in den allermeisten Fällen zähneknirschend zugestimmt.

          Facebook

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          Und kann man sich als Nicht-Facebook-Kunde dem langen Arm der Datenverwertung durch das Unternehmen wirklich entziehen? Vermutlich nicht. Zuckerberg jedenfalls ließ auch diese Frage neben vielen anderen unbeantwortet. Dass derweil, ob vom Gesetzgeber gewollt oder nicht, selbst kleinere europäische Unternehmen unter den schwammigen Formulierungen der DSGVO leiden und im Zweifel durch die Anforderungen ihrer größeren Kunden zu aufwendigen Datenschutz-Maßnahmen gezwungen werden, die ihnen definitiv schaden – darüber denkt in Brüssel kaum jemand nach.

          Die Verbraucher geben Zuckerberg Macht

          Europa ist in der Informationstechnologie ein zahnloser Tiger, der Gutes will und im Datenschutz-Alltag gerade Böses schafft. So machen die einen Parlamentarier Selfies mit „Zuck“ und die anderen, wie der Belgier Guy Verhofstadt, verzweifeln. Er schleuderte Zuckerberg zwar die entscheidende Frage entgegen: „Sie sollten sich fragen, wie man sich an Sie erinnern wird. Als einer der drei großen Internetgiganten zusammen mit Steve Jobs und Bill Gates, die unser Leben und unsere Gesellschaft bereichert haben? Oder auf der anderen Seite das Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien und Gesellschaften zerstört?“

          Doch Zuckerberg erreichen solche Appelle nicht. Das ist seit Jahren klar. Einzig Druck durch Kunden und Investoren wäre heilsam. Deren Verhalten nimmt den Parlamentariern aber die Macht aus der Hand. Fast 400 Millionen Menschen nutzen Facebook in Europa. Den meisten von ihnen scheint zu reichen, dass dem Facebook-Chef seine Fehler leidtun. Das ist die wahre Erkenntnis von Zuckerbergs Auftritt in Brüssel. Facebook ist nicht etwa unfähig, die Sorgen der Verbraucher in Europa aufzulösen. Die Sorgen sind gar nicht groß genug, um Facebook zu schaden. Und über die entsprechende Regulierung lacht Zuckerberg nur, vermutlich genauso wie über die Anhörung in Brüssel. Die Verbraucher geben ihm eine größere Macht, als es manche Staaten haben.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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