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Grenzen der Statistik : Was ist die Google-Suche wert?

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Laptops werden immer schneller und leichter, wir können überall online gehen, doch im Bruttoinlandsprodukt sieht man davon wenig. Bild: AFP

Whatsapp und Google erleichtern uns das Leben. Doch ihr wahrer Wert für die Wirtschaft lässt sich nur schwer messen. Ökonomen suchen jetzt nach Möglichkeiten.

          Am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lässt sich viel über die wirtschaftliche Lage in einem Land ablesen. Es misst den Wert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft produziert werden. Wächst das BIP, ist das in der Regel auch gut für Löhne, Aktienkurse und Beschäftigung.

          Doch Ökonomen wissen schon lange, dass das BIP die tatsächliche Wirtschaftsleistung nur sehr ungenau widerspiegelt. Vom „Vater der modernen Volkswirtschaftslehre“, Paul Samuelson, ist die Aussage überliefert, wenn er seine Haushälterin heiratete, dann fiele dadurch das BIP. Denn die erledigte zwar nach der Hochzeit die gleiche Arbeit wie vorher, würde dafür aber nicht mehr bezahlt. Abgesehen vom angestaubten Frauenbild bringt er damit einen wichtigen Zusammenhang auf den Punkt: Nur was sich von der Buchführung erfassen lässt, taucht auch im BIP auf.

          Die Digitalisierung führt nun dazu, dass diese Schere zwischen Statistik und Wirklichkeit eher noch weiter auseinander geht. Schon im Jahr 1987 stellte der spätere Nobelpreisträger Robert Solow fest: „Das Computer-Zeitalter kann man überall sehen – außer in der Produktivitätsstatistik“. Das versucht der Ökonom Erik Brynjolfsson mit seinen Kollegen Avinash Collis, W. Erwin Diewert, Felix Eggers und Kevin J. Fox zu ändern. Brynjolfsson ist Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Experte für den Zusammenhang von Ökonomie und Digitalisierung.

          Ein erstes Problem für das BIP ergibt sich daraus, dass die Qualität digitaler Technologien stark zugenommen hat, Preise aber nur langsam gestiegen oder sogar gefallen sind. Ein Beispiel dafür sind die Kameras in Mobiltelefonen. Der Verkauf von Digitalkameras ist im vergangenen Jahrzehnt eingebrochen, von jährlich 121 auf 24 Millionen Exemplare weltweit. Handykameras übertreffen diese inzwischen oft in Qualität, ohnehin in Praktikabilität. Nie wurden so viele Fotos in so hoher Qualität gemacht wie heute.

          Das digitale BIP-Paradox

          Das BIP spiegelt allerdings diesen Qualitätsanstieg nicht wider. Wenn der Nutzer auf den Kauf einer separaten Digitalkamera verzichtet, gibt er vielleicht sogar weniger Geld fürs Fotografieren aus als noch vor einigen Jahren. Im Vergleich zu analogen Kameras fallen auch noch die Kosten für das Entwickeln weg. Auf das BIP wirkt sich das negativ aus, obwohl die Verbraucher bessergestellt werden. Weil das Smartphone nicht nur die Kamera, sondern unter anderem auch das Navigationssystem, den MP3-Player, den Wecker, den Taschenrechner, das Diktiergerät und zunehmend sogar den Computer ersetzt, entsteht ein großes Ungleichgewicht zwischen fallender Produktion und tatsächlicher Wirtschaftsleistung.

          Das zweite Problem für die BIP-Berechnung ist, dass das Geschäftsmodell der großen digitalen Plattformen sich heute stark von dem der alten Industrie unterscheidet. Wer Whatsapp, Google oder Wikipedia nutzt, der zahlt dafür: nichts. Finanziert werden die Angebote durch Werbung oder, im Falle von Wikipedia, durch Spenden.

          Doch der subjektive Mehrwert, den die Nutzer daraus erzielen, ist extrem hoch. „Wenn doppelt so viele Leute Wikipedia lesen oder es doppelt so viele Artikel gibt, ändert sich am BIP überhaupt nichts“, sagte Brynjolfsson dem Online-Magazin „Quartz“. Die Musikindustrie sei sogar geschrumpft, obwohl mehr Musik in besserer Qualität gehört werde als je zuvor. Der Anteil sogenannter Informationsgüter in den amerikanischen Wirtschaftsstatistiken habe in den frühen achtziger Jahren bei 4,6 Prozent gelegen – und sich seitdem nicht verändert.

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