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Digitalisierung im Handel : „Die Großen sind da und greifen uns an“

Pakete auf einem Beförderungsband Bild: AP

Der Großhandel soll digitaler werden. Dafür arbeitet der BGA mit dem Digitalverband Bevh zusammen. Im Gespräch erzählen die beiden Präsidenten, wie sich Unternehmen gegen Amazon durchsetzen können und weshalb die Industriestrategie von Altmaier nicht die Lösung sein kann.

          Lieber Herr Bingmann, lieber Herr Furchheim, wann waren Sie das letzte Mal in der Innenstadt einkaufen? 

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Furchheim: Vor drei Tagen habe ich ein Gastgeschenk für Freunde eingekauft. Ich habe vorher nicht daran gedacht, das Gastgeschenk im Onlineshop des Händlers zu bestellen. Wir sehen also hier schon, dass die Vernetzung von E-Commerce und stationärem Ladengeschäft besonders zukunftsträchtig ist.  

          Bingmann: Ich lebe südlich von München in einer Kleinstadt. Der Einkauf in der nächstgelegenen Stadt kommt bei mir eigentlich fast täglich vor.

          Nun wollen die beiden Verbände mehr zusammenarbeiten. Der BGA vertritt den Großhandel, der Bevh den Onlinehandel – sind Sie mit der Digitalisierung nicht reichlich spät dran, Herr Bingmann?

          Bingmann: Stimmt, das kann einem spät vorkommen. Zum einen war der Veränderungsdruck in der Vergangenheit nicht so groß wie im B2C. Zum anderen bedeutet Digitalisierung im Großhandel mehr als nur E-Commerce. Aber auch Unternehmenseinkäufer erwarten zunehmend, dass die bequemen, einfachen Einkaufsprozesse aus dem privaten Umfeld auch im geschäftlichen Umfeld angeboten werden. In bin auch Pressegroßhändler und auch da waren wir schon relativ spät dran. Die Geschwindigkeit beim E-Commerce ist in der Abwicklung sehr viel schneller und verlässlicher als wir traditionellen Großhändler es in der Vergangenheit waren. Diese Lektion haben wir aber schon gelernt. Heute gibt es das nicht mehr, dass wir Lieferungen erst in zwei bis drei Tagen ausliefern.

          Mit dem Großhandel verbindet man nicht unbedingt die Digitalisierung.

          Bingmann: Dabei ist Digitalisierung als Schlagwort für uns eigentlich nicht neu. Sie ist in unseren Köpfen schon seit langem präsent, wenn es um Prozesse und deren Weiterentwicklung in unseren Unternehmen geht. Sie gewinnt aber zunehmend an Dynamik. Heute geht es insbesondere darum, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und diese mit den bestehenden Strukturen und vielleicht auch mit neuen Partnern zu verbinden. Ich bedauere, dass es immer noch eine hohe Anzahl von Unternehmen gibt, die das nicht im Fokus der nächsten Jahre sehen. Das müssen wir mit guten Beispielen ändern. Genau dafür ist so eine Kooperation wunderbar.

          Furchheim: Um etwas zur Ehrenrettung zu ergänzen – Basis der noch engeren Zusammenarbeit ist, dass wir schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben. Der Bevh und BGA sind schon wichtige Zukunftsthemen wie in der Berufsausbildung gemeinsam angegangen.

          Bingmann: Und gleichzeitig ist der E-Commerce auch ein wunderbares Feld um sich mal zu reiben, um eine Position zu bestimmen. Und vielleicht auch mal keine Position zu finden.

          Bevh-Präsident Gero Furchheim

          Herr Furchheim, in Ihrem Verband sind auch Mitglieder, die statt Digitalisierung lieber auf stationären Handel setzen, wie beispielsweise der Drogeriehändler Rossmann.

          Furchheim: Dass sie bei uns Mitglied sind, zeigt, dass Digitalisierung ein Fokusthema im Unternehmen ist. Die Verantwortlichen bei Rossmann haben sicherlich dafür gekämpft, um an dieser Stelle zu sitzen und die Diskussion zu fördern. Alle unsere Mitglieder haben den E-Commerce als Grundlage ihres Geschäfts oder sehen ihn als einen wichtigen Teil davon.

          Lassen Sie uns etwas konkreter werden – was bringt den Verbänden die Zusammenarbeit überhaupt?

          Furchheim: Als E-Commerce-Verband sind wir auf eine Handelsform spezialisiert und sehen vor allem die Chancen des E-Commerce für Händler, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir können daher gut unsere Kompetenz in den BGA einbringen. Auf der anderen Seite können wir von der Vernetzung des BGAs in die Wirtschaft und der Politik profitieren.

          Bingmann: Für uns als Vertreter des traditionellen Groß- und Außenhandel ist es eine hervorragende Möglichkeit Strategien, Strukturen und Prozesse rund um den digitalen und elektronischen Versandhandel besser kennenzulernen, die wir sonst immer nur als bedrohend empfunden haben.

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