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Auf Expansionskurs : Wie N26 in die Welt geht

Hat Großes vor: Valentin Stalf, Gründer der N26 Bank Bild: dpa

Das Fintech-Start-up N26 will eine globale Großbank werden – die Berliner Digitalbank expandiert außerhalb Europas rapide. Eines der nächsten Zielländer liegt in Südamerika.

          Beim Aufzählen der Länder, in denen das Smartphone-Konto von N26 inzwischen verfügbar ist, kommt Alexander Weber schon einmal durcheinander. Hatte er Dänemark schon erwähnt? Schweden? Norwegen? In atemberaubendem Tempo stößt das vor nicht einmal sechs Jahren gegründete Berliner Fintech mit seinen komplett über das Handy bedienbaren Bankdienstleistungen in immer mehr Märkte vor. Nach 24 europäischen Ländern sollen noch bis zum Sommer die Vereinigten Staaten folgen und danach dann Brasilien, wie Mitgründer Maximilian Tayenthal kürzlich ankündigte.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Über die Expansion in Europa haben wir uns die Infrastruktur für eine globale Banking-Plattform aufgebaut“, sagt Weber, der bei dem Unternehmen die Expansion in alle Welt verantwortet, im Gespräch mit der F.A.Z. Der junge Betriebswirt spricht wie der Gründer von N26, Valentin Stalf, in warmem Österreichisch. Und wenn man ihn so über die Erfahrungen und Pläne der Bank reden hört, scheint er in einer ganz anderen Branche tätig zu sein als all die anderen deutschen Banker, die so gerne über die Niedrigzinsen, die harte Regulierung und die fehlenden einheitlichen Regeln in der Europäischen Union lamentieren.

          2,5 Millionen Kunden seit Markteintritt 2015

          „Wir haben eine Banklizenz von der Europäischen Zentralbank. Die für andere EU-Märkte freizuschalten war eine standardisierte EU-Passport-Notifikation, die ungefähr 30 Tage dauert. Dann konnten wir unsere App auch in anderen EU-Ländern anbieten“, erzählt Weber. Der erste schwierige Schritt sei der nach Großbritannien gewesen. Denn anders als etwa in Polen oder Dänemark, wo N26 nur Euro-Konten anbietet, können die Briten die App auch als ganz normales Gehaltskonto mit Pfund Sterling als Währung nutzen.

          „Die wichtigste Erkenntnis aus der bisherigen Expansion ist, dass die Kundenbedürfnisse in allen Ländern ähnlich sind. Auch in Frankreich sagen die Leute nicht, ich will unbedingt in die Bankfiliale gehen“, sagt Weber und streicht selbstbewusst heraus, was aus seiner Sicht der große Vorteil von N26 gegenüber der etablierten Konkurrenz ist: „Die klassischen Banken haben auf das veränderte Verbraucherverhalten von ,offline‘ zu ,online‘ zu ,mobile‘ noch immer nicht konsequent genug reagiert.“ Er gibt aber auch zu, dass es in Sachen Digitalisierung im Bankgeschäft oft leichter falle, ganz von vorne anzufangen, anstatt über Jahrzehnte gewachsene Strukturen in die neue Zeit zu übertragen.

          2,5 Millionen Kunden konnte das Unternehmen seit seinem Markteintritt im Jahr 2015 nach eigenen Angaben gewinnen. In den nächsten Jahren sollen es 100 Millionen werden, und die rapide Expansion in immer mehr Märkte soll dabei helfen. Allein in Brasilien, wo das Start-up gerade ein eigenes Team um einen ehemaligen Santander-Banker aufbaut, gebe es 87 Millionen Smartphone-Nutzer und eine lebhafte Szene sogenannter Fintechs, die wie N26 mit neuen technologischen Ideen die klassische Bankenwelt aufmischen – nach Ansicht von Weber also ein idealer Markt für die digitalen Bankprodukte der Berliner.

          Wem der Titel „Champion“ gebührt

          Allerdings gibt es in dem Land mit der Nubank schon mindestens einen Anbieter, der mit einem reinen Smartphonekonto auf eine sehr ähnliche Strategie setzt wie N26. Aus Sicht von Weber ist diese starke lokale Konkurrenz aber eher hilfreich als hinderlich. Der Österreicher spricht von „Category awareness“ und meint damit, dass die potentielle Kundschaft eher etwas mit dieser neuen Form der Bankgeschäfte etwas anfangen kann, wenn ein Anbieter sie schon einmal bekannt gemacht hat. „Dass es in Brasilien schon einen relativ erfolgreichen Anbieter von Mobile Banking gibt, ist für uns ein Vorteil: Die Leute kennen das Produkt grundsätzlich und wissen schon, dass es eine Alternative zu den traditionellen Banken gibt.“

          Zu ihren Geschäftszahlen sagt die junge Bank wenig. Nur so tief lässt Mitgründer Stalf blicken: „Abgesehen von Investitionen in Wachstum, vor allem Marketing, ist N26 heute bereits profitabel und deckt alle Kosten durch Umsätze. Es ist eine bewusste Entscheidung, in dieser Phase auf Wachstum und nicht auf Gesamtprofitabilität des Unternehmens zu setzen, um N26 zu einem führenden Global Player zu entwickeln.“

          Eine Reihe namhafter Investoren konnte das Start-up zuletzt überzeugen, unter anderem den Beteiligungsableger der Allianz und den chinesischen Technologiekonzern Tencent. Alles in allem haben Investoren innerhalb von nur zwölf Monaten umgerechnet knapp 400 Millionen Euro in das Start-up gesteckt und N26 mit der jüngsten Finanzierungsrunde zu einem sogenannten Unicorn geadelt – also einem Start-up, das mit mehr als 1 Milliarde Dollar bewertet ist.

          Während in Berlin versucht wird, einen „nationalen Champion“ aus Deutscher Bank und Commerzbank zu schmieden – beide Banken verhandeln jetzt über eine Fusion –, sagt der Bankenanalyst Sean Harrison vom Analysehaus Globaldata schon: „Angemessener wäre es, die reine Digitalbank N26 mit diesem Titel zu bezeichnen.“

          „Durch die große Finanzierungsrunde können wir unsere Vision von einer globalen Bank noch etwas erweitern“, sagt Weber. Er betont aber, dass die Investoren der jungen Bank nicht in ihre Strategie hineinreden würden. Welche Märkte wann angegangen würden, entscheide alleine das Management. Wie es nach den Vereinigten Staaten und Brasilien weitergehe, stehe noch nicht fest. Nur eines sei klar: „Brasilien ist nicht zwangsläufig der erste Schritt einer ausgeklügelten Lateinamerikastrategie. Dort haben die Märkte anders als in Europa alle ihre eigenen Regeln.“

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