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Bus, Bahn, Sharing : Berlin startet gemeinsame App für alle Verkehrsmittel

Das Jelbi-Logo auf einem Smartphone Bild: BVG/Oliver Lang

Nahverkehrs-Apps zeigen Städtern, wie sie mit der U-Bahn an ihr Ziel kommen. Aber was, wenn sie mit dem Leihrad schneller gewesen wären? In Berlin hat man sich dafür jetzt eine Lösung ausgedacht.

          In Deutschlands Städten hat sich in den vergangenen Jahren eine schier unüberschaubare Vielfalt an neuen Verkehrsmitteln entwickelt, die den angestammten Bussen und Bahnen Konkurrenz machen. Elektrische Motorroller, Carsharing-Autos, Fahrdienste, Leihfahrräder – sie alle buhlen um Kunden oder arbeiten gemeinsam mit daran, dass man als Stadtbewohner kein eigenes Auto mehr braucht. Das Problem ist nur: Woher weiß ich überhaupt, was es in meiner Stadt für Angebote gibt? Und wer sagt mir dann, ob ich mit einem davon schneller an mein Ziel komme als mit dem anderen?

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Berlin hat man dafür nach Lösungen gesucht und die App „Jelbi“ entwickelt, die an diesem Dienstag vorgestellt wird. Sie soll Kunden die jeweils beste Reiseroute mit Bussen und Bahnen sowie Leihfahrrädern, Elektro-Motorrollern und Leihautos berechnen. Alle angeschlossenen Verkehrsmittel können in der App gebucht und bezahlt werden, wie Christof Schminke, Deutschlandchef des Start-ups Trafi im Gespräch mit FAZ.NET sagte.

          Das aus Litauen stammende Unternehmen hat Jelbi zusammen mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) entwickelt. Zum Start sind die öffentlichen Verkehrsmittel der BVG und der Deutschen Bahn in der App integriert, ebenso wie die silber-blauen Leihfahrräder von Nextbike, die roten E-Motorroller von Emmy und die Carsharing-Autos des Anbieters Miles. Über die nächsten Monate soll die Zahl der Partner auf 25 Anbieter verschiedener Verkehrsmittel anwachsen. Auch Taxis sollen dann über die App gebucht werden können. Jelbi ist ab diesem Dienstag verfügbar für iOS- und Android-Handys.

          In ein Wespennest gestochen

          Berlin nimmt damit auf der Suche nach einem neuen, zukunftsfähigen Modell städtischer Mobilität eine führende Position in Deutschland ein. „Der BVG war es wichtig, alle Mobilitätsdienstleister in der Stadt anzusprechen und sie aufzufordern, bei Jelbi mitzumachen“, sagte Schminke. „Für den Kunden macht es ja nur Spaß, wenn er in einer App das BVG-Ticket und das Carsharing-Auto buchen kann, und dann noch die Wegbeschreibung für den restlichen Weg nach Hause bekommt – sodass er nicht mehr 20 Apps braucht, sondern eine hat, in der er alle Mobilitätslösungen zusammen hat.“

          Eine Frau benutzt in Berlin die App Jelbi.

          Das Zauberwort für das, was Schminke beschreibt, lautet „multimodal“. Der Begriff bezeichnet die Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel jenseits von einzelnen Unternehmen. Es gibt schon eine Reihe von Apps, die multimodale Routen berechnen, etwa Qixxit und Moovel. Die Besonderheit von Jelbi ist, dass alle Partner „tief integriert“ sind. Das bedeutet, dass eben auch Buchung, Bezahlung und Führerscheinprüfung etwa für einen Elektroroller in ein- und derselben App stattfinden, ohne dass der Kunde weitergeleitet wird. Das sei eine Bedingung der BVG gewesen, erzählte Schminke.

          BVG-Vorstand Dr. Henrik Haenecke und der Geschäftsführer vom Trafi Deutschland, Christof Schminke (v.r.)

          Dass die privaten Partner, die ja eigentlich Konkurrenten der BVG sind, sich darauf eingelassen haben, zeigt ihm zufolge die Marktmacht der etablierten Anbieter öffentlicher Verkehrsmittel. „Die Städte haben schon ordentlich Power“, sagte er. „Der öffentliche Nahverkehr in Berlin mit seinen drei Millionen Kunden birgt ein riesengroßes Kundenpotenzial für kleine Mobilitäts-Start-ups.“ Auch mehrere andere Städte hätten nun die Chance erkannt, die ihre seit Jahren eingebürgerten Verkehrsmittel ihnen bieten. „Wir merken durch Berlin, dass wir da ein bisschen in ein Wespennest gestochen haben, dass ein wahnsinniger Bedarf für multimodale Mobilität da ist.

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