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Autonome Luft-Taxis : Wenn der Heli selbst bis ins Büro fliegt

Auch Daimler hat Ideen, wenn es um „fliegende Autos“ geht. Bild: dpa

Viele Großstädte haben ein gewaltiges Verkehrsproblem: zu viele Autos auf der Straße. Singapurs Führung denkt über Lufttaxis und Drohnen nach. Und nicht nur sie.

          Das Bild der Airshow in Singapur ist bestimmt von Männern in Uniformen: Waffenkäufer für die Armeen dieser Welt schlendern genauso durch die Hallen wie Piloten, viele von ihnen engagiert in der täglichen Flugschau. Noch tragen sie Epauletten, Orden und Goldstreifen am Ärmel. Doch gerade in Singapur wird das Fliegen mehr und mehr unbemannt stattfinden. Lufttaxis und Drohnen sollen das Geschäft der Zukunft sein.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Singapur verkauft sich auf der ganzen Welt als die „Stadt im Garten“. In der Tat ist diese Metropole in den Tropen so grün wie kaum eine andere der Welt. Und doch leidet die Millionenstadt unter einem immer weiter wachsenden Verkehrsaufkommen. Schon heute hat die Stadt mit fast 5 Kilometer Straße je Quadratkilometer Land eines der dichtesten Straßennetzwerke der Welt – auch wenn die meisten von ihnen baumbestanden sind. Und trotz Luxussteuer und hoher Straßengebühren zählt der Inselstaat mit rechnerisch 232 Fahrzeugen je Straßenkilometer zu den am meisten von Automobilen überschwemmten Orten der Welt; Japan kommt auf 63 Fahrzeuge, Amerika auf 37 pro Kilometer.

          Das bekommt die Regierung zu spüren. Immer mehr Menschen sind genervt von den morgendlichen Staus, von den steigenden Preisen, mit denen sie der Fahrzeugflut Herr werden will. Der Versuch, kostenlose Fahrräder in die Stadt zu drücken, ist an fehlender Infrastruktur und Planung gescheitert und führt zum Chaos. Die Elektromobilität, die nun ebenfalls mit gesperrten Parkboxen ausgebaut werden soll, ist bislang nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer. Doch hat Finanzminister Heng Swee Keat angekündigt, von 2019 an eine Kohlendioxidsteuer einführen zu wollen. Der Druck auf die Fahrer von Automobilen mit Verbrennungsmotoren steigt.

          Der City-Airbus kommt

          Weil Singapur aber von einer technik-orientierten Regierung straff geführt wird, geht der Blick auch in die Luft: Zur Lösung des wachsenden Verkehrsproblems der Millioneninsel könnten Drohnen und Lufttaxis beitragen. Spielten sie auf den vergangenen Luftfahrtmessen vor allem für den militärischen Einsatz eine Rolle, gewinnen sie nun auch im zivilen Sektor rasch an Gewicht. Im März vergangenen Jahres hatte das Transportministerium berichtet, es stehe mit Unternehmen in Kontakt, die Flugtaxis bauen. Bis 2030 will der Stadtstaat ein neues Mobilitätskonzept präsentieren. Unter anderem verhandelt Airbus mit den Singapurer Behörden über Genehmigungen für Flugtaxis und die Anforderungen an sie.

          Singapurs Luftfahrtbehörde CAAS hat gerade mit dem staatlichen Luftfahrtunternehmen ST Aerospace einen Vertrag für die Entwicklung von Technologien geschlossen, die die Voraussetzung für unbemannten Luftverkehr über der Äquatorinsel bieten. Er soll nicht nur auf ein ausgewiesenes Aerodrome beschränkt bleiben. Eine weitere Voraussetzung für den Einsatz von fliegenden Taxis sind Start- und Landeplätze in der Stadt – die unter Umständen auch auf Hochhäusern liegen könnten – und Stationen zur Kontrolle der Flüge. Aus heutiger Sicht sollte der Preis für den Nutzer deutlich unterhalb des Preises eines Hubschraubers liegen, der für Superreiche in den völlig verstopften Metropolen Manila oder Jakarta aber nicht unüblich ist. Unter dem Stichwort Urban Aerial Mobility (UAM) arbeitet Airbus mit Hochdruck an der Entwicklung von Flugtaxis.

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