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Auf dem Weg zum Hyperloop : Deutsche Tüftler trumpfen auf

Sie wollen zum dritten Mal gewinnen: Studenten der TU München arbeiten an einer superschnellen Kapsel. Bild: Rüdiger Köhn

Zum dritten Mal beteiligen sich Münchner Studenten am Wettbewerb um die Konstruktion einer superschnellen Kapsel. Ihr Ziel ist klar – und Elon Musk mit dabei.

          Die 39 Studenten der Technischen Universität München (TUM) sind mutig geworden – und fahren volles Risiko. Ihre in nicht einmal acht Monaten entwickelte Kapsel mit dem Namen „WARR Hyperloop Pod III“ soll es mit einem selbst entwickelten Antrieb auf eine Geschwindigkeit von 600 Kilometern in der Stunde bringen; in wenigen Sekunden auf einer Strecke von nur 950 Metern beschleunigen, um auf den verbleibenden 250 Metern auf null abzubremsen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Das Team, zusammengesetzt aus Studenten des Maschinenbaus, der Physik, Elektrotechnik, Informatik, Luft- und Raumfahrt und Betriebswirtschaft, hat nur einen Versuch. Der soll einen Geschwindigkeitsrekord bringen und die anderen 20 Wettbewerber von Universitäten dieser Welt in den Schatten stellen – wieder einmal.

          Der eine Versuch wird am 22. Juli in Hawthorne bei Los Angeles auf dem Gelände des Raketen-Unternehmens Space X aus dem Imperium von Elon Musk, Begründer des Elektroauto-Herstellers Tesla, erfolgen. Zum dritten Mal nehmen die „TUMler“ aus München an einem von Musk an Studenten gerichteten internationalen Wettbewerb teil. Der Visionär hat die Idee und ein Konzept für ein Tunnel-Transportsystem entwickelt. Das soll einmal Menschen und Güter durch eine Vakuumröhre in Schallgeschwindigkeit von bis zu 1200 Kilometern in der Stunde jagen; etwa von München nach Berlin in nur 35 Minuten. Für die Umsetzung lässt er andere ran; ehrgeizige, begeisterungsfähige Studenten, die mit Tüfteln und Akribie Entwicklungen für dieses Zukunftsprojekt beisteuern können.

          85 Bewerber

          Das Team von WARR – der Name steht für „Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“ – ist bislang das erfolgreichste gewesen. Den ersten Wettbewerb Anfang 2017 gewannen sie, als es um Design, Fahrtüchtigkeit und -sicherheit ging. Im August vergangenen Jahres stellten sie schließlich in zwölf Sekunden mit 324 Kilometern in der Stunde den Geschwindigkeitsrekord auf, den bis dahin nicht einmal die kommerziellen Unternehmen aus den Vereinigten Staaten, Hyperloop One und Hyperloop Transportation Technologies des Deutschamerikaners Dirk Ahlborn schafften. Dafür knackte Musk mit seiner Kapsel nur drei Tage nach dem Sieg der TUMler deren Rekord mit 355 Kilometern.

          Da packte die Münchner erst recht der Ehrgeiz: Im September 2017 beteiligten sie sich an der Ausschreibung für den dritten Wettbewerb um den Pod (Kapsel) und sind nun unter den besten 20 Teilnehmern, drei davon kommen im Juli ins Finale. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, ihren Geschwindigkeitsrekord nahezu zu verdoppeln. Im Gegensatz zu damals haben sie auch den Antrieb selbst entwickelt. Der Pod II wog 81 Kilogramm und war mit einer Länge von 2,40 Metern deutlich größer. Der Pod III soll nur um die 70 Kilogramm wiegen und ist einen halben Meter kürzer. Der Einsatz von Materialien aus der Luft- und Raumfahrt mit Aluminium, Kohlefaserstoffen und Titan bringen die Gewichtsersparnis.

          Musks kleinerer Wettbewerb

          Rund 15 Mitglieder kommen aus dem alten Pod-II-Team, 25 neu engagierte Kommilitonen sind dazugekommen. „Es hat 85 Bewerber gegeben“, sagt Gabriel Semino, der Teammanager, der auch schon im zweiten Wettbewerb die Organisation mit 30 Studenten übernahm. Bei der Auswahl musste die Mischung stimmen, was die Arbeitsgebiete anging. Was nichts am Umstand ändert: „Wir sind bunt zusammengewürfelt“, ergänzt Florian Janke, der die technische Entwicklung mitverantwortet. „Aber genau das macht unseren Erfolg aus.“ Man komme aus allen Richtungen zusammen und müsse ein Team bilden, das in kürzester Zeit etwas völlig Neues auf die Beine stelle.

          „Das Spannende an dem Projekt ist doch, dass wir etwas bauen, von dem wir noch gar nicht wissen, wie es aussehen soll; im Gegensatz zu einem Auto“, ergänzt Semino. Er sieht eine der Hauptmotivationen für das Engagement nicht nur im reichen Erfahrungsschatz, auch in der Praxis. „Wir lernen, etwas vom Anfang bis zum Ende durchzuziehen.“

          Die Aufmerksamkeit ist den TUMlern jedenfalls gewiss, spätestens seitdem Elon Musk vergangenen August über den Sieg der Münchner getwittert hatte und eine Welle von positiven Reaktionen über sie hereinbrach. Die Liste der Sponsoren ist länger geworden. Die Universität sowie der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus sind als die beiden wichtigsten Partner seit Beginn dabei. Die Zahl der Hauptgeldgeber (Gold Sponsors) ist von acht auf zwölf gestiegen; dabei sind Siemens, Panasonic, Deutsche Bank und Evonik. Die Reihe weiterer bekannter Unterstützer lässt sich beliebig fortsetzen, von Infineon und MAN über SGL Carbon, Lufthansa, DHL und Schraubenkonzern Würth.

          Neben den Münchnern werden – wie schon 2017 – die Kommilitonen der Universität Oldenburg mit der Technischen Hochschule Emden/Leer als zweites deutsches Team mit von der Partie sein. Die brachten es zwar weit, hatten aber wenig Fortune. Derweil scheinen die erfolgsverwöhnten Münchner Studenten nicht nur mutig, sondern schier rastlos zu sein. Eine Gruppe von acht Tüftlern hat sich in den vergangenen Monaten auf fast archaische Weise darangemacht, einen kontaktlosen Antrieb zu entwickeln. Denn Musk veranstaltet am 22. Juli einen kleineren zweiten Nebenwettbewerb für Schwebetechnologie. Vergebens. WARR Hyperloop, wie sich erst später herausstellte, darf nur an einem Wettbewerb teilnehmen. Und doch war der Jubel groß, als es am Mittwochabend den TUMlern gelungen ist, ihr Schwebefahrzeug auf die Spur zu setzen und zu fahren.

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