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Für Nordrhein-Westfalen : Wie Armin Laschet mit Steuergeld eine Batteriezellfabrik bauen will

Fährt nur mit Strom: Für den E-Golf verbaut Volkswagen bislang Batteriezellen unter anderem von einem südkoreanischen Hersteller. Bild: dpa

Noch beziehen deutsche Autohersteller die Batteriezellen aus Asien. Mit Fördermitteln will NRW-Ministerpräsident Armin Laschet das ändern. Ihm schwebt ein ganz bestimmter Plan vor.

          Nordrhein-Westfalen sieht gute Chancen, eine Batteriezellen-Fabrik für E-Autos ins Land zu holen. Wie Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) berichteten, gibt es intensive Verhandlungen mit Autoherstellern und Batteriezellenspezialisten zur Gründung eines entsprechenden Konsortiums.

          Martin Gropp
          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Im Gespräch sind Finanzhilfen des Bundes und der Europäischen Union für die Ansiedlung der Fabrik, die auch helfen soll, die Folgen des Kohleausstiegs abzufedern. „Die Landesregierung hat die Verhandlungen begleitet und ist zu Fragen der Förderung mit Bundesregierung und EU in engem Kontakt“, teilte Pinkwart der F.A.Z. mit.

          Laschet sagte auf einer Pressekonferenz: „Das Konsortium muss sich zusammenfinden und die Chance, dass das gelingt, ist nicht klein.“ Die Aussicht auf öffentliche Fördergelder lockt aber auch die ostdeutschen Bundesländer, wie Laschet zu bedenken gab.

          Und das Saarland wirbt im Abschlussbericht der Kohlekommission damit, dass es sich „ganz besonders als Standort einer europäischen Batteriezellenfertigung“ eigne. Am weitesten sei das nordrhein-westfälische Konsortium und habe deshalb die größten Chancen, auch realisiert zu werden, meinte Laschet.

          Ein Hersteller aus Unterfranken ist Leitinvestor

          Ein von ihm geleiteter Beirat für E-Mobilität hat sich vorige Woche eingehend mit der Fabrik befasst. Einer der Teilnehmer war Günther Schuh, Gründer von Streetscooter, das inzwischen zur Post gehört, und des E-Autoherstellers Ego, der mit einer schnellen Entscheidung rechnet. Im ersten Schritt könnte ein „Mittelstandskonsortium“ ohne Beteiligung der Autoindustrie antreten, sagte Schuh der F.A.Z: „Wir sind startbereit.“

          Die Gesamtkosten für ein erstes kleines Batteriezellenwerk veranschlagte er auf 250 Millionen Euro. Als stärkster Partner und „Leitinvestor“ sei der unterfränkische Batteriehersteller BMZ im Boot. BMZ liefert die Batterien für Streetscooter, Ego und weitere Kunden, lässt die Zellen aber bisher in Asien fertigen. Außerdem stehe ein halbes Dutzend kleiner Partner bereit, sagte Schuh.

          Er kalkuliert mit einer öffentlichen Anschubfinanzierung von 80 Millionen Euro, etwa genauso viel sollen die beteiligten Mittelständler an Eigenkapital beisteuern, wobei der Löwenanteil von BMZ kommen soll. Unklar blieb, wie die Zwischenfinanzierung der verbleibenden Lücke garantiert werden soll.

          Als möglicher Konsortialpartner seitens der großen Autohersteller steht Ford im Raum. Ob es dazu kommt, hänge davon ab, wie die Gespräche mit VW über eine Kooperation in Sachen E-Mobilität weitergingen. Ford selbst wollte am Montag keine Stellung zu einem möglichen Engagement nehmen. Der Autozulieferer Bosch schließt eine Beteiligung am Konsortium weiter aus und steht nur als Techniklieferant parat.

          Deutsche Autohersteller beziehen die Zellen für ihre Elektroautos derzeit aus Asien. Die Endfertigung findet dann jedoch zumeist in Standorten der Autohersteller statt, welche die Zellen mit Steuerungstechnik zu fertigen Batteriepaketen zusammensetzen.

          Den Markt für die Zellen teilen sich Unternehmen wie Panasonic oder Samsung SDI aus Japan, LG Chem aus Südkorea oder der chinesische Konkurrent CATL auf. Sie haben aus teilweise jahrzehntelanger Erfahrung in der Unterhaltungselektronik einen Vorsprung auf dem Feld der Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit auch für Elektroautos die gängige Technik sind.

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