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Facebook-Datenskandal : Was hat Peter Thiels Firma mit Cambridge Analytica zu tun?

  • Aktualisiert am

Peter Thiel selbst wird nicht beschuldigt, mit Cambridge Analytica gearbeitet zu haben. Bild: AFP

Christopher Wylie, ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, packt aus. Peter Thiel beschuldigt der Whistleblower nicht, wohl aber dessen Unternehmen.

          Dem von Tech-Unternehmer und Milliardär Peter Thiel mitgegründeten amerikanischen Datenanalyse-Unternehmen Palantir wird vorgeworfen, mit dem britischen Unternehmen Cambridge Analytica zusammengearbeitet zu haben. Das sagte Christopher Wylie, Whistleblower und ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, gegenüber britischen Abgeordneten, wie der Nachrichtensender CNBC berichtet.

          Die Aussage machte Wylie im Zusammenhang mit der Daten-Affäre. Dabei soll das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica die Daten von rund 50 Millionen Nutzern des amerikanischen Online-Netzwerks Facebook unerlaubterweise genutzt haben, um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump 2016 im Wahlkampf zu unterstützen.

          Wylie behauptete, dass der erst vor einer Woche suspendierte Vorstandsvorsitzende von Cambridge Analytica, Alexander Nix, mit Peter Thiels Unternehmen Palantir bekannt gemacht worden sei – und zwar von Sophie Schmidt, der Tochter des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt. Laut Aussage des Whistleblowers hatte Nix „mehrere Treffen“ mit Palantir.

          Was verbindet Cambridge Analytica, Palantir und Trump?

          Peter Thiel selbst sei demnach aber keinem Fehlverhalten beschuldigt worden. Stattdessen hätten „führende Palantir-Mitarbeiter“ an den Facebook-Profildaten gearbeitet, die Cambridge Analytica beschafft hatte, habe Wylie gesagt. „Das war kein offizieller Vertrag zwischen Palantir und Cambridge Analytica, aber es gab Palantir-Mitarbeiter, die in das Büro gekommen sind und an diesen Daten gearbeitet haben.“ Demnach hätten Palantir-Mitarbeiter Cambridge Analytica dabei geholfen, Modelle zu erstellen, die für einen gezielten Wahlkampf genutzt werden können.

          Ein Sprecher von Palantir hat dem Nachrichtensender CNBC gegenüber eine solche Verbindung abgestritten. Palantir habe nie mit Cambridge Analytica oder deren Daten gearbeitet.

          Vergangenes Jahr hatte die britische Zeitung „Observer“ der „Guardian“ Mediengruppe allerdings berichtet, dass es 2013 Treffen zwischen Cambridge Analytica and Palantir gegeben hatte. Demnach sei es unter anderem um ein Projekt gegangen, dass mit politischer Arbeit in den Vereinigten Staaten zu tun gehabt habe. Palantir hätte sich damals jedoch gegen eine Zusammenarbeit entscheiden, schrieb der „Observer“.

          Auch der heutige Whistleblower Wylie spielte eine zentrale Rolle in dem Bericht des „Observer“ vom Mai 2017. Demnach habe er erst die Daten-Expertise zu Cambridge Analytica gebracht, indem er das kanadische Software-Unternehmen AggregateIQ ins Boot geholt hatte. AggregateIQ wiederum hat dem Bericht zufolge sowohl für den Trump-Wahlkampf als auch für die Brexit-Kampagnen gearbeitet. Trumps Wahlkampfleiter Steve Bannon war zudem früher im Vorstand von Cambridge Analytica.

          Auch Peter Thiel hat Trump mit großzügigen Spenden im Wahlkampf unterstützt. Zugleich sitzt er im Aufsichtsrat von Facebook. Das von Thiel mitgegründete Palantir hatte schon früher für amerikanische Regierungsorganisationen gearbeitet, früher Investor war auch die Wagniskapitalgesellschaft des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA. Mitgründer und Unternehmenschef Alex Karp, der wie Thiel ebenfalls keines Fehlverhaltens beschuldigt wird, war genau wie Thiel 2016 bei einem Treffen im engen Kreis von Trump.

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